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Geflügelhalter sind sauer wegen Stallpflicht

Vehlow Geflügelhalter sind sauer wegen Stallpflicht

Manch einer, der nur ein paar Hühner oder Gänse privat als Hobby auf seinem Hof hat, empfindet die Stallpflicht als übertriebene Vorsichtsmaßnahme – so Hans-Werner Kirchner in Vehlow. Zum Schutz vor der Vogelgrippe müssen die Tiere derzeit drinnen bleiben.

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Hans-Werner Kirchner verweist auf seinen Hühnerstall, in dem die Tiere jetzt auf unbestimmte Zeit ausharren müssen.

Quelle: Matthias Anke

Vehlow. Es war erst Tag 2 nach dem Erlass der Stallpflicht für Geflügel auch im Landkreis Prignitz. Schon am Mittwoch galt sie. Am Donnerstag aber litt Hans-Werner Kirchner dann so richtig mit seinen Tieren. „Die sitzen hier jetzt eingepfercht im Stall, wo sie tagsüber bisher doch immer nur ein Leben draußen auf dem weitläufigen Gelände kannten“, sagt der 60-Jährige: „Ich finde die Stallpflicht übertrieben. Ich bin richtig wütend.“

Und so wie er, der beruflich in einem Biodieselwerk arbeitet und die Tiere nur als Hobby hält, würden viele denken. „Es schimpfen alle, die ich kenne.“ Denn sie seien auf eine solche Aufstallung in der Regel nur unzureichend vorbereitet. Schon die letzte Vorsichtsmaßnahme wegen des sogenannten Vogelgrippe-Virus H5N1 habe die Hobbylandwirte überfordert. Dieser galt aber auch noch als auf Menschen übertragbar, nicht so das jetzige Virus H5N8.

Gerade in Dörfern sind die Bewohner bisher weniger auf Eier aus dem Supermarkt angewiesen gewesen

Gerade in Dörfern sind die Bewohner bisher weniger auf Eier aus dem Supermarkt angewiesen gewesen.

Quelle: Matthias Anke

Zudem hat Kirchner heute nicht mehr nur ein paar wenige Hühner, sondern mittlerweile 48 Tiere. Zur Verfügung steht ihnen ein 2800 Quadratmeter großes Areal samt kürzlich für sie erst gebauter „Hühnermensa“ als Futteranlage, bestückt mit Möhren und roter Beete. „Mehr Bio geht nicht, und es wurde ja immer die Freilandhaltung propagiert.“ Nun aber sitzen seine Italiener, Blausperber und Königsberger auf gerade mal zwölf Quadratmetern. Futtertröge und Tränken kommen mit rein. „Chaos ist doch absehbar, und gilt die Stallpflicht für längere Zeit, kommen die Tiere am Ende krank wieder heraus.“

Die Gefahr der Vogelgrippe sei in den Augen Kirchners dagegen verschwindend gering. Er gehört zu denen, die diese Vorsichtsmaßnahme daher als „Verschlimmbesserung“ erachten und die Aufregung drumherum in eine Reihe mit dem Thema BSE stellen.

Dennoch müssen sich solche Hobbyhühnerhalter wie auch die Großbetriebe nun an Regeln halten: „Wer Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten oder Gänse, sprich Geflügel, besitzt, hat diese entweder in geschlossenen Ställen zu halten oder unter einer Schutzvorrichtung, die aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten dichten Abdeckung sowie einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung bestehen muss.“ So der Wortlaut der Anordnung der Prignitzer Amtstierärztin Sabine Kramer.

Die Entscheidung fiel nach gründlicher Abwägung

Ihre „Tierseuchenallgemeinverfügung zur Bekämpfung der Geflügelpest“ beinhaltet nicht nur die Forderung nach einer Vielzahl „seuchenprophylaktischer Maßnahmen“, sondern auch eine Erklärung: „Grund war, dass in kürzester Zeit in mehreren Bundesländern eine Vielzahl von Wildvögeln an dem hochansteckenden Influenzavirus des Subtyps H5N8 verendeten, unter anderem in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Im Laufe des Wochenendes kam es dort auch bereits zu Ausbrüchen in Hausgeflügelbeständen.“ Die Entscheidung fiel „nach gründlicher Abwägung, insbesondere aufgrund des Seuchenverlaufs, des derzeitigen hohen Vorkommens von Wildvögeln und der Nachbarschaft zu Mecklenburg-Vorpommern“.

Kreisbauernverbandschef verweist auf empfindliche Geldstrafen

Dass die privaten Geflügelhalter „mit den jetzt verhängten Bestimmungen nicht so lax umgehen“, hofft nicht nur Frank Schmidt vom Hähnchenmastbetrieb aus Sükow bei Perleberg. Auch Frank Pawlowski, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Prignitz und zugleich Chef der Agrargenossenschaft Karstädt, hofft das und verweist auf „empfindliche Geldstrafen“ (die MAZ berichtete). Für „die kleinen Leute“, wie Kirchner sagt, sei jedoch gerade „die Angst der Industriellen und ihre Sorge um die Bestände und finanziellen Verluste“ treibende Kraft bei der Stallpflicht.

Dennoch werde sich auch Kirchner „wohl oder übel“ an die Auflagen halten. Die Strafe, bei der von 30 000 bis 50 000 Euro die Rede ist, beeindrucke ihn sehr. „Auf meine Nachbarn könnte ich mich vielleicht noch verlassen. Aber ich kann mir vorstellen, dass bald ein Hubschrauber Kontrollrunden dreht.“

Von Matthias Anke

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