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Geflügelzüchter gegen Total-Stallpflicht

Wittenberge Geflügelzüchter gegen Total-Stallpflicht

Als Schikane empfinden die Prignitzer Kleintierzüchter die rigide Anwendung der Stallpflicht wegen der Geflügelgrippe. Die Tiere würden unter dem Eingesperrtsein leiden, ganze Genlinien seien in Gefahr, warnt der langjährige Zuchtrichter Willfried Lattorff aus Wittenberge. Die Prignitzer Amtstierärztin Sabine Kramer verweist auf die Gesetzeslage

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Willfried Lattorff mit seinen New-Hampshire-Hühnern, die er inzwischen aufgegeben hat. Die Stallpflicht solle mit Augenmaß umgesetzt werden, findet er. Quelle: Andreas König

Pritzwalk/Wittenberge. Wenn Willfried Lattorff richtig in Fahrt ist, bricht ein wahrer Redeschwall aus ihm heraus über das behördliche Vorgehen gegen die Geflügelpest. Der 82-jährige Zuchtwart des Prignitzer Verbandes der Kleintierzüchter sieht in den Maßnahmen gegen die Geflügelgrippe des Erregers H5N8 den Versuch, „uns Kleintierzüchter kaputt zu machen“, wie er sagt.

Züchter halten Hühner in 458 Rassen

Seit dem 15. November vergangenen Jahres gilt in ganz Brandenburg die Stallpflicht für Geflügelhalter. „Wir Geflügelzüchter in Deutschland halten zum Beispiel Hühner in 458 Rassen und über 2000 Farbschlägen. Das ist ein Teil des Kulturerbes.“ Um Küken in guter züchterischer Qualität zu bekommen, müssten die Hennen jetzt ins Freie. Doch genau das dürften sie nicht, „weil wir zum Spielball der Veterinäre und Verwaltung geworden sind“, meint Willfried Lattorff.

Vögel leiden darunter, Tag und Nacht eingesperrt zu sein

Dass im Seuchenfall Sperrbezirke zu bilden sind, leuchtet dem Bundes-Ehrenzuchtrichter, der seit 68 Jahren Geflügelzucht betreibt, ein. „Da muss es den absoluten Sperrkreis von drei Kilometern geben und den Beobachtungskreis von zehn Kilometern. Aber alles andere ist übertrieben“, findet der Wittenberger. „Wenn irgendwo in Frankfurt (Oder) das Geflügelgrippe-Virus bei einer Ente festgestellt wird, müssen wir doch nicht unsere Tiere Tag und Nacht einsperren.“ Darunter leiden seiner Überzeugung nach die Vögel, deren Nachwuchs und damit die züchterische Qualität, die Kleintierzüchter und ihre Arbeit und schließlich die Artenvielfalt.

Hilferufe an eine bestimmte Landtagsfraktion

„Inklusive Kaninchenzüchtern und Imkern, die von der Politik ähnlich vernachlässigt werden, sind es derzeit zwischen drei und fünf Millionen Menschen in Deutschland, die sich von diesen Vorschriften gegängelt und geschurigelt fühlen“, sagt Willfried Lattorff. Am Sonnabend fährt er auf Einladung einer Landtagsfraktion nach Potsdam, um die Probleme der Züchter darzulegen. Welche Fraktion das ist, möchte er nicht sagen, aber wenn „die Altparteien sich nicht um unsere Probleme kümmern, müssen wir uns Verbündete suchen“, sagt er, und gibt zu, sonst wenig für die Positionen der AfD übrig zu haben.

Amtsärztin: Stallpflicht kein Allheilmittel, aber notwendig

„Natürlich ist die Stallpflicht kein Allheilmittel“, sagt Sabine Kramer, die Prignitzer Amtstierärztin und Zweite Beigeordnete des Landrates. „Aber sie ist das bisher einzige Mittel, um die Ausbreitung einer solchen Tierseuche aufzuhalten. Zwar sei der Geflügelgrippe-Kelch bislang noch an der Prignitz vorübergegangen, doch schon bei Heiligengrabe im Nachbarkreis Ostprignitz-Ruppin gab es Fälle. Überdies würden sich deutschlandweit die Fälle häufen, in denen infizierte Wildvögel gefunden werden. „Schon deswegen muss die Stallpflicht eingehalten werden. Nicht zuletzt ist sie Vorschrift.“

20 tote Vögel ins Labor eingeschickt – Befund negativ

Die Kleintierzüchter argumentieren, die Vorschriften sollten sie treffen, um Massentierhaltungsbetriebe zu schützen. „Wir impfen unsere Tiere, und in den großen Beständen hat die EU das Impfen verboten“, sagt Willfried Lattorff. Das Impfverbot diene dazu, die Verbreitung des Virus zu unterbinden, argumentiert die Amtstierärztin. Einen Unterschied nach der Größe des Tierbestandes gebe es nicht. Bislang seien 20 verendete Wildvögel – Schwäne, Enten, Gänse, Kormorane und Greifvögel – in der Prignitz gefunden und ins Labor geschickt worden. Das Vogelgrippe-Virus trugen sie nicht in sich, „aber das ist keine Garantie für die Zukunft“.

Von Andreas König

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