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Geigen auf dem Pferdehof

Königsbusch Geigen auf dem Pferdehof

„Streichquartett und Reiten“ heißt ein origineller Ferienkurs, der seit einigen Jahren auf dem Pferdehof Königsbusch unweit von Putlitz angeboten wird. Während des fünftägigen Reitercamps musizieren die sieben- bis elfjährigen Mädchen täglich drei Stunden und reiten eine Stunde. In diesem Jahr trotzten sie dabei dem Dauerregen.

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Erst wird musiziert, dann geritten: Beim Geigespielen begleitet Lehrerin Imme Kolkmeyer (l.) die sieben Mädchen.

Quelle: Fariba Nilchian

Königbusch. „Wer will für´s Foto noch mal auf´s Pferd?“ ruft Reitlehrerin Dörte Kolkmeyer den Mädchen zu und keine der sieben lässt sich zweimal bitten. In Windeseile holen sie die Reitkappen und setzen sich nacheinander noch ein letztes Mal auf die beiden geduldigen Stuten. Auf dem Reiterhof im Königsbusch geht der fünftägige Kurs „Streichquartett und Reiten“ zu Ende. Die ersten Eltern aus Berlin treffen ein, um ihre Kinder abzuholen, die Mädchen sind schon aufgeregt. Im Reitzirkel sind die Bänke und Notenständer für das Abschlusskonzert aufgebaut und gleich werden sie auf Geige und Bratsche, Cello und Kontrabass ein Konzert geben.

Dörte Kolkmeyer übernimmt Teil zwei des ungewöhnlichen Kurses und gibt den Mädchen Reitunterricht

Dörte Kolkmeyer übernimmt Teil zwei des ungewöhnlichen Kurses und gibt den Mädchen Reitunterricht.

Quelle: Fariba Nilchian

Während des fünftägigen Reitercamps musizieren die sieben- bis elfjährigen Mädchen täglich drei Stunden und reiten eine Stunde. Dem Dauerregen trotzend sind sie in Zelten untergebracht – ein Abenteuer mit nächtlichem Tropfkonzert auf der Zeltwand. Es gibt Lagerfeuer mit Stockbrot, einen Ausritt ins Gelände und jeden Abend eine vorgelesene Geschichte. „Ein bisschen Heimweh kam schon mal vor“, berichtet Betreuerin Christiane Pirow, aber „nach einigen Tagen haben die Stadtkinder ganz unterschiedliche Interessen entwickelt. Manche haben in der freien Zeit alleine die Natur erkundet und sich Schnecken angeschaut, andere haben gemeinsam gespielt oder auch die Ponys besucht.“ Die Begeisterung für die Vierbeiner haben alle Mädchen geteilt. „Vielleicht kann man ja auf dem Pferd Geige spielen“, denkt die zehnjährige Antonia laut vor sich hin. „Nein, nein!“, fügt sie noch schnell hinzu. Sie weiß ja, wie kostbar und empfindlich die Instrumente sind.

Sophie Hauer, 9 Jahre

Sophie Hauer, 9 Jahre. „Meine Tochter hat noch nie so viel und so gerne Geige gespielt“, sagt ihr Vater Nils.

Quelle: Fariba Nilchian

Die Geigenlehrerin Imme Kolkmeyer kennt die Mädchen bereits aus ihrer Arbeit an der Musikschule City West in Berlin. Die Teilnehmerinnen sollten bereits etwas Erfahrung mit einem Streichinstrument haben, Erfahrung mit Pferden brauchten sie für den Kurs nicht. Mit jedem der Mädchen hat sie im Vorfeld ein kurzes Gespräch geführt und sie ein paar Töne spielen lassen. So ist Imme Kolkmeyer mit dem Kursablauf auch sehr zufrieden. „Man glaubt gar nicht, wie weit die Mädchen in den fünf Tagen kommen, sie lassen sich richtig aufeinander ein und sind die ganze Zeit in der Musik drin.“ In den Pausen wird hier immer wieder spontan gesungen, die Musik ist in diesen Tagen allgegenwärtig. „Meine Tochter hat noch nie so viel und so gerne Geige gespielt“, freut sich Nils Hauer, der Vater von Sophie.

Fakten zum Pferdehof Königsbusch

Den Pferdehof Königsbusch betreibt Dörte Kolkmeyer seit 1995. In der Prignitz gibt es die großen Flächen, auf denen sie Ihre Vorstellung von artgerechter Pferdehaltung umsetzen kann. Zur Zeit leben hier 18 Pferde auf 29 Hektar Land.

Angebote im Reiterhof Königsbusch sind: Artgerechte Pferdepension in Gruppen, Reitunterricht mit Schwerpunkt auf Sitzschulung, Hufpflege, Hundetraining und Seminare.

Zu einem Pferdefest wird am 2. und 3. September eingeladen. Auf dem Proigramm stehen hier Agility und Trailspiele für Reiter und Pferd, Information zu artgerechter Pferdehaltung und Paddock Paradies, eine Kremserfahrt und ein gemeinsamer Ausritt.

Kontakt: Telefon 033981/8 84 74.

Imme und Dörte Kolkmeyer veranstalten den ungewöhnlichen Kurs bereits seit fünf Jahren im westlichsten Zipfel der Prignitz. Gemeinsam haben die Schwestern schon geraume Zeit nach einer guten Möglichkeit gesucht, das Musizieren und das Reiten zusammenzubringen. Als der halbüberdachte Reitzirkel – auch Round Pen genannt – fertiggestellt war, entstand neben dem Platz zum Pferdetraining auch ein guter Ort zum Musizieren. „Der Round Pen hat mit seinem ansteigenden runden Dach eine hervorragende Akustik“, erklärt Imme Kolkmeyer. Was auf den ersten Blick nicht unbedingt verwandt erscheint, ist für die Schwestern eine stimmige Kombination. Beim Reitunterricht im Königsbusch steht die Sitzschulung im Vordergrund; die aufrechte Haltung auf dem Pferd. Die braucht man auch beim Spiel der Geige. Es gibt viele Parallelen zur Musik. „Im Umgang mit Pferden kommt man ins Fühlen, man erdet sich“, sagt Dörte Kolkmeyer.

Junge Musikerinnen trotzten dem Regen

Wo in der Nacht noch ein lahmendes Pony gestanden hat, werden jetzt Instrumente gestimmt. Im Reitzirkel klingt es kurz vor Konzertbeginn wie in einem Orchestergraben. „Durch den ständigen Wechsel von Regen und Sonne verstimmen sich die Instrumente immer wieder schnell“, erklärt Imme Kolkmeyer und hilft den Mädchen mit geübten Handgriffen. Eine Windböe wirbelt unerwartet die Notenständer durcheinander und von Ferne ziehen dunkle Wolken heran. Doch all dem trotzend, eröffnet die Streichergruppe bei strahlendem Sonnenschein das Konzert mit dem Stück „Arkansas Traveller“, amerikanische Fiddlemusik mit Ohrwurmcharakter. Schon wenig später müssen die Musikerinnen und Zuschauer schnell unterm Dach zusammenrücken. Ein mächtiger Regenguss geht nieder und der Donner übertönt für einige Minuten immer wieder das Spiel. Doch auch das kurzfristige Unwetter kann die Mädchen nicht davon abhalten, ihr Repertoire bis zum letzten Stück vorzutragen. Zum Schlussapplaus scheint wieder die Sonne.

Von Fariba Nilchian

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