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Gemeinsames Kirchengedächtnis aktiviert

Kyritz Gemeinsames Kirchengedächtnis aktiviert

Das neue und auch schon preisgekrönte Archiv des Kirchenkreisverbandes Prignitz-Ruppin-Havelland in Kyritz füllt sich nach und nach. Es ist ein Zentralarchiv, das geschaffen wurde, um wichtige kirchliche Dokumente für nachfolgende Generationen nach modernem Standard aufzubewahren.

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Die riesigen Regale stehen auf Schienen und lassen sich leicht bewegen.

Quelle: Matthias Anke

Kyritz. Wenn Manuela Schiffbauer schwungvoll an einer der vielen tiefschwarzen Kurbeln dreht, ist kaum etwas zu hören. Und kinderleicht sieht es aus, so, als würde sie schlicht einen Vorhang beiseite schieben. Dabei bewegt die Frau mittels dieser Mechanik unglaublich schwere Metallregale auseinander. Sie sind höher als zwei Menschen im Huckepack und jeweils so lang wie ein Tennisfeld.

„Ich muss hier nur selten rein. Es kommt ja nicht so oft etwas“, erzählt Manuela Schiffbauer und gibt den Blick frei auf dieses neue, erst vor Kurzem fertiggestellte Gedächtnis aller Kirchengemeinden des Evangelischen Kirchenkreisverbandes Prignitz-Havelland-Ruppin. Es ist ein Zentralarchiv, das geschaffen wurde, um wichtige kirchliche Dokumente für nachfolgende Generationen nach modernem Standard aufzubewahren.

Temperatur und Luftfeuchte werden überwacht

Temperatur und Luftfeuchte werden überwacht.

Quelle: Matthias Anke

Die Verbandsgeschäftsführerin Kornelia Michels erhielt dafür kürzlich den Brandenburgischen Archivpreis 2016 (die MAZ berichtete). Wolfgang Krogel, der Vorsitzende des Landesverbandes Brandenburg im Verband deutscher Archivare, überreichte ihr diese Auszeichnung und begründete die Preisvergabe damit, dass ein solches Zentralarchiv auf Ebene eines Kirchenkreisverbandes eine Vorbildfunktion in der gesamten Landeskirche hat.

„Bisher lagerten und lagern viele Dokumente ja ungeschützt irgendwo und oft unsortiert“, erklärt Alexander Bothe, Pfarrer in Wusterhausen, Verwaltungsratsvorsitzender des Kirchenkreisverbandes sowie amtierender Superintendent im Kirchenkreis Prignitz. In diesen ist Bothes vorheriger Kirchenkreis Kyritz-Wusterhausen zum 1. Juli aufgegangen.

Einige Dokumente sind zwischengelagert und werden noch aufbereitet

Einige Dokumente sind zwischengelagert und werden noch aufbereitet.

Quelle: Matthias Anke

Aus dem Prignitzer Gebiet, aber auch aus dem Bereich Wittstock-Ruppin lagern derzeit die meisten Dokumente in Kyritz. Sie füllen jedoch nur einen Bruchteil der gut ein Dutzend riesigen, feuerfesten Regale. Aufschriften auf den zahlreichen gestapelten säurebeständigen Kartons informieren über den jeweiligen Inhalt. Und wo sich was auch immer versteckt, verraten sogenannte Findbücher. Eines trägt beispielsweise den Titel „Verzeichnis zum Aktenbestand von 1691 bis 2005 des historischen Kirchenbezirks Kyritz im Sprengel Potsdam“, ein anderes ist überschrieben mit „Verzeichnis zum Aktenbestand von 1572 bis 1999 des Pfarrarchivs der Evangelischen Kirchengemeinde Brunn“. 1572 – derart alt können die Dokumente also sein.

Zwei Findbuchexemplare gibt es jeweils. Eines liegt im Archiv, das andere erhält die betroffene Gemeinde. Denn sämtliche Dokumente bleiben, wenngleich sie in Kyritz eingelagert sind, Eigentum der jeweiligen Kirchengemeinde, wie die Verbandsgeschäftsführerin Kornelia Michels betont. Und die Gemeinden haben jederzeit Zugriff auf ihre Unterlagen. Der letzte Besucher sei Pfarrer Henning Utpatel gewesen, der erst kürzlich wegen der Stüdenitzer Kirche und des Jubiläums der dort jetzt 160 Jahre alten Orgel recherchierte.

Vorher gab es Holzregale

Bevor das neue Archiv eingebaut wurde, gab es bereits Holzregale. Seit 1998 ist der Kirchenkreisverband schließlich schon in Kyritz ansässig mit heute fast zwei Dutzend Beschäftigten, zu denen Manuela Schiffbauer gehört. „Das Archiv ist eine neue, schöne Aufgabe für mich“, sagt sie. Demnächst müsse sie dahingehend auch noch zu einer Fortbildung. „Etwas in Sachen Archiv sollte man ja schon wissen und man muss ja auch dazulernen“, sagt sie.

Ansonsten kümmern sich schließlich Fachleute um den Bestand. Wie dieser in unbearbeiteter Form aussieht, zeigen zahlreiche dort nur zwischengelagerte Akten. Zettel ragen aus dem alten Papier heraus. „Kirche in Wernickow“ oder „Glienicke, Wittstock“ steht darauf teils in altdeutscher Handschrift.

Experten arbeiten Unterlagen auf

Man nehme allerdings „nichts Loses“ an, wenngleich es so aussehe, sagt Manuela Schiffbauer. Diese vorsortierten Unterlagen kommen als Nächstes nach Berlin zum landeskirchlichen Archiv. Dort werden sie von Experten aufgearbeitet, wie auch schon der bisherige Bestand erfasst wurde. Die Fachleute stammen laut Alexander Bothe dabei nicht einfach aus den Reihen der Kirche, sondern sie sind über Werkverträge engagiert.

„Die Dokumente kommen in den Archivkartons dann fertig aufgearbeitet nach Kyritz zurück“, erklärt Bothe, der noch einen anderen kennt, dem das Archiv schon half: Schönbergs früheren Ortsvorsteher und Chronisten Bernd Hinghaus. Der hatte es nicht leicht, für die Dorfchronik zu forschen. Denn Schönberg galt zusammen mit den benachbarten Orten Netzeband und Rossow bis 1937 als mecklenburgische Exklave und gehörte zum Kreis Waren/Müritz. Über die Kirche aufbewahrter Schriftwechsel soll dann doch einiges Erhellendes zur Dorfgeschichte beigetragen haben. Diese Kartons aber sind nun längst wieder geschlossen. Und das Licht im Archiv knipsen ohnehin wohl am häufigsten nur die Experten aus Berlin an und aus. Sie kommen hin und wieder auch, um Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit zu kontrollieren. Der Bestand soll schließlich lange erhalten bleiben, viele Generationen überdauern. Dabei klingt schon heute etwas Zukunftsmusik an: In einem nächsten Schritt sollen die Findbücher digitalisiert und via Internet publiziert werden.

Für Heimatforscher und Rechtsanwälte

Das neue Zentralarchiv aller dem Kirchenkreisverband Prignitz-Ruppin-Havelland angehörenden Kirchengemeinden ist nach vorheriger Anmeldung zugänglich. Zuständig ist dafür beim Verbandssitz in Kyritz Manuela Schiffbauer, Tel.  033971/87 80.

Das Archiv steht Kirchenleuten wie den Pfarrern offen, aber nicht nur. Auch für Heimathistoriker birgt es so manche Schätze. Und sogar Rechtsanwälte können dort fündig werden, schließlich sind Schriftwechsel aufbewahrt und es geht dabei zu einem Großteil auch um Fragen von kirchlichem Grundbesitz.

Die Adresse der Kirchenverbandsgeschäftsstelle, in deren Nachbargebäude das Archiv untergebracht ist, lautet Johann-Sebastian-Bach-Straße 55, 16866 Kyritz.

Von Matthias Anke

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