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Geschichten von Galgen und Henkern

Pritzwalk Geschichten von Galgen und Henkern

Auch Pritzwalk hat seine ganz eigene Geschichte der Hinrichtungen und Hinrichtungsstätten. Rechtsarchäologin Martina Genesis wird sich in einem Vortrag am Mittwochabend im Pritzwalker Stadt- und Brauereimuseum diesem Thema widmen und konkret auf die Todesstrafe eingehen, die auch in der Dömnitzstadt umgesetzt wurde.

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Richtplatz mit Galgen und Rad auf dem Stadtplan Pritzwalks von H.A. Beer (1727). Dort wurden einst Verbrecher gerichtet. Zu sehen ist der Plan im Stadt- und Brauereimuseum Pritzwalk.

Quelle: Museum Pritzwalk

Pritzwalk. Einblicke in die nach heutigen Maßstäben grausamen Strafen vergangener Zeiten bietet ein Vortrag im Stadt- und Brauereimuseum Pritzwalk. Die Potsdamer Rechtsarchäologin Martina Genesis wird am Mittwoch ab 19 Uhr in der Bibliothek des Stadt- und Brauereimuseums zum Thema „Tod durch den Scharfrichter. Archäologische Funde auf den Richtstätten des Mittelalters und der Neuzeit in Brandenburg“ referieren.

Das Thema spielt in der Pritz­walker Stadtgeschichte eine Rolle, wie Museumsleiter Lars Schladitz an folgendem Beispiel erläutert. „Der Ziegelmeister Christian Behr ist ermordet worden. Der Handwerker wurde am Morgen des 8. Novembers 1694 vor seinem Ziegelofen ’gewürget und umgebracht’ aufgefunden.“ Tatverdächtige waren schnell gefunden. Die beiden mutmaßlichen Mörder Peter Bull und Stoffel Werffer wurden auf der Flucht im mecklenburgischen Bruggau gefasst und zurück nach Pritzwalk gebracht. Auch die Ehefrau des Opfers, Anna Griessen, wurde angeklagt. Ihr wurde Ehebruch seit „geraumer Zeit“ zur Last gelegt – mit dem Täter Peter Bull. Die harschen Strafen wurden schließlich im März 1695 in Pritz­walk vollstreckt: Bull und seine Geliebte Griessen wurden gerädert“, sagt der Museumsleiter.

Erst enthauptet, dann aufs Rad gespannt

Dabei wurden die Delinquenten fixiert und ihre Körper mit einem schweren Rad zermalmt. Die Toten sind bei dieser Strafe anschließend auf dem Rad liegend für Tiere und Wetter im Freien gelassen worden. Stoffel Werffer, der Komplize, wurde mit dem Richtschwert enthauptet. Auch sein Körper wurde auf ein Rad geschnallt. Laut den Chronisten Johann Christoph und Bernhard Ludwig Bekmann sollen die Räder der Verurteilten noch 1712 sichtbar gewesen sein.

Die geschundenen Körper der Verurteilten geben am Mittwoch der Potsdamer promovierten Rechtsarchäologin Martina Genesis Hinweise zur historischen Rechtsprechung. Werden bei Ausgrabungen Skelette mit ungewöhnlichen Verformungen gefunden, geben diese Hinweise auf verbreitete Hinrichtungsarten wie Rädern, Enthaupten oder Verbrennen. Ort und Umfang mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Vollstreckung werden durch die seltenen Funde sichtbar. Die Expertin Genesis wird ihre Forschungsergebnisse bei einem Vortrag der Gesellschaft für Heimatgeschichte und des Stadtmuseums in Pritzwalk präsentieren.

Die Todesstrafe wurde für Verbrechen wie Raub, Mord, Falschmünzerei und Hexerei verhängt. Allein die Pritzwalker Stadtchronik bietet reichlich Material für Nachforschungen.

Von Andreas König

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