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Prignitz „Geschnitzet und stark verguldet“
Lokales Prignitz „Geschnitzet und stark verguldet“
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02:16 14.08.2015
Quelle: Der „neue“ Tüchener Barockaltar von offensichtlich 1750.
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Tüchen

Die Renaissance-Fachwerkkirche in Tüchen (Gemeinde Groß Pankow) wurde Mitte des 16. Jahrhunderts gebaut und 1750 umgebaut. Auf dem barocken Kanzelaltar eingeschnitzt ist die Jahreszahl 1750, wahrscheinlich später darunter aufgemalt die Jahreszahl 1552. Doch es gab einen Vorläuferbau der Kirche mit einem wertvollen Flügelaltar, der offenbar verschollen ist.

Das erfuhr Hans Serner aus Lindenberg, bekannt als Marionettenspieler, eigentlich ganz nebenbei bei seinen Recherchen für sein Buch „Das Kehrbergische Wunderkind – Dokumentation einer Tragödie“. Das Thema ließ ihn nicht mehr los. Der älteste Hinweis auf einem Altar in Tüchen, den er fand, stammt aus dem Jahre 1413.

Hobbyheimatforscher Hans Serner lässt die Geschichte des Flügelaltars nicht los. Quelle: Fischer

Schließlich entdeckte er im zweiten Band von „Bekmann, Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg“ im Kapitel „Von der Stat Pritzwalk. 1753“ die detaillierte Schilderung eines Flügelaltars, der sich einst in der Kirche zu Tüchen befunden hat: „Eben daselbst in der kirche ist noch ein altar aus dem Pabstthum vorhanden, der gar künstlich geschnitzet und stark verguldet ist. Er stellet in 4 fächern, und zwar in dem ersten ein wohlgestaltetes Frauenbild dar, begleitet von etlichen mannspersonen, unter welchen ein Mohr befindlich: im 2 eben die Frauensperson mit zwei Engeln: in dem 3 ebendieselbe mit einem thier, so einem rehe ähnlich siehet, und mit den füssen nach ihrem schooß eilet: in dem 4 abermahls beides das Fraubild und rehe, welches letztere von hunden angefallen und verfolget wird, dabei ein mann, so ein horn, gleich als ein Jägerhorn am munde führet. Diese altar bilder sein ganz ungewöhnlich, und schein ein besonderer vorfall von unschuld solches veranlasset zu haben. Man wird dessen aber an gehörigem Ort unvergessen sein.“

Jeder Hinweis ist wichtig

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Kirche in Tüchen gebaut und 1750 umgebaut. Auf dem Kanzelaltar, der noch die Apsis schmückt, ist die Jahreszahl 1750 eingeschnitzt, auf den Sockel gemalt die Jahreszahl 1552.

Aus dem Jahre 1413 stammt ein Hinweis auf einen Altar im Vorläuferbau des jetzigen Tüchener Gotteshauses.

Heimatforscher Hans Serner fand die Quelle bei seinen Recherchen zu seinem Buch zum „Kehrbergischen Wunderkind“, später eine detaillierte Beschreibung des Flügelaltars aus der Zeit des Papsttums in der Region.

Im 18. Jahrhundert während des Kirchenumbaus wurde der Klappaltar gegen den Kanzelaltar ausgetauscht. Hans Serner nimmt gern Hinweise zum Verbleib des verschollenen Kirchenkunstwerks entgegen.

Kontakt:  033982/5 08 89, ­E-Mail: marion-etten-theater@gmx.de.

Nachdem Hans Serner diese Beschreibung gefunden hatte, war sein Interesse an dem Klappaltar erst recht geweckt. „Dieser Schrankaltar ist ein Beispiel für die Darstellung des alten Glaubens in einer bis zur Reformation katholischen Kirche“, sagt er. „Mich interessiert die Geschichte, die dahinter steckt, das Leben in Tüchen im 14. und 15. Jahrhundert – Christianisierung des Slawendorfes, bestimmt auch Kolonialisierung durch Sachsen-Anhalt. Wie kamen Anhänger des alten und neuen Glaubens miteinander aus? Ich nehme den Altar als Spur dieser Zeit und versuche, mir ein Bild zu machen“, sagt der Hobbyheimatforscher. Er kennt nur einen ähnlichen Schnitzaltar, der in der Frauenkirche von Mendig in Rheinland-Pfalz steht. Dargestellt wird wahrscheinlich die Sage über die slawische Göttin Genoveva.

Hans Serner möchte natürlich auch wissen, wo der Altar oder Teile davon verblieben sind und bittet Leute, die einen Hinweis geben können, um Mithilfe. In der Tüchener Dorfchronik steht, dass der Altar vielleicht im 18. Jahrhundert während des Kirchenumbaus nach Luggendorf bei Groß Pankow auf den Dachboden der Patronatsherren, derer von Wartenberg, gekommen ist. Dort fand sich jedoch keine Spur. Nach einer anderen Quelle ist das Kirchenkunstwerk bereits während des Dreißigjährigen Krieges in Kyritz gesehen worden. „Weitere Spuren gibt es nicht, jede kleinste Nachricht würde mich freuen“, sagt Hans Serner.

Von Ulrich Fischer

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