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Getränkeladen als Treffpunkt in Vehlin

Dorfleben Getränkeladen als Treffpunkt in Vehlin

Nur noch in wenigen Dörfern gibt es eine Einkaufsgelegenheit. Eine Ausnahme bildet Vehlin, wo Bärbel Sietmann einen Getränkeladen betreibt. Manchmal singen die Gäste sogar darin.

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Mittwochs tauscht Bärbel Sietmann leere gegen volle Kästen.

Quelle: Sandra Bels

Vehlin. Die Zeiten, in denen es auf dem Dorf noch einen Konsum gab, sind lange vorbei. In Vehlin fuhr bis Ende 2015 noch der Verkaufswagen von Familie Bauer aus Schönhagen. Auch diese Ära ist beendet. Was bleibt, sind lange Wege zum nächsten Supermarkt. Etwas Entlastung für die Vehliner bietet Bärbel Sietmann mit ihrem Getränkeshop. Es gibt ihn unter ihrer Regie seit 25 Jahren. Zuvor war ein Jahr lang ihr Mann der Chef. Als er krank wurde, übernahm die Ehefrau. Für sie ist das Geschäft Nebenerwerb zur Witwenrente. Bärbel Sietmanns Mann starb 1995.

Die Vehlinerin hat schon immer in der Gastronomie gearbeitet. Zu DDR-Zeiten war sie in der Mitropa-Gaststätte in Gumtow an der Transitstrecke tätig. Ein bisschen was von Gastronomie hat der Job auch heute noch, auch wenn sie keine Gäste mehr am Tisch bedient. „Sie holen sich ihre Getränke selbst“, sagt die Vehlinerin. Ihr Hof ist auch ein Treffpunkt im Ort, Umschlagplatz für Neuigkeiten. Am meisten werden Getränke und Zigaretten gekauft. „Die Kunden fragen aber auch nach Milch und Süßigkeiten“, sagt Bärbel Sietmann. Tagsüber ist es eher ruhig bei ihr. Betrieb herrscht ab 17 Uhr und an den Wochenenden. Bis zum nächsten Supermarkt in Glöwen sind es acht Kilometer, nach Kyritz sogar 20. „So weit will am Abend oder samstags keiner mehr für ein paar Getränke fahren“, weiß Bärbel Sietmann.

Idyllisch im Grünen liegt der Getränkeshop Sietmann

Idyllisch im Grünen liegt der Getränkeshop Sietmann.

Quelle: Sandra Bels

Den Laden hat sie im früheren Stall eingerichtet, der dafür umgebaut wurde. Davor kann man in der Sonne sitzen und plauschen. Die Feuerwehr ist oft bei der Vehlinerin zu Gast. Meist kommen die Kameraden nach Versammlungen, um die Abende in einer gemütlichen Runde ausklingen zu lassen. Die Feuerwehr veranstaltet außerdem seit Jahren bei ihr das Herbstfeuer. „Das begann nach der Wende“, erinnert sich Bärbel Sietmann. Viele Gäste, etwa an die 100, hatte sie auch am Herrentag. Sie kamen mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Für die, die nicht mehr so mobil sind, bietet Bärbel Sietmann einen Fahrdienst an. Feste Öffnungszeiten gibt es bei ihr nicht. „Ich bin ja doch immer da“, sagt sie. Manchmal klopft auch noch jemand spät abends, weil er etwas vergessen hat. „Es kommen mehr Leute, seit der Verkaufswagen nicht mehr unterwegs ist“, hat die Vehlinerin beobachtet. Kunden, die kein Auto haben oder nicht mehr so gut zu Fuß sind, bringt sie deshalb die Getränke auch nach Hause. Meist sind es Leute aus dem Ort. Da kann sie die Fahrten verbinden, wenn sie zum Beispiel ihre Mutter besucht.

Der größte Teil ihrer Kundschaft kommt aber aus Schönhagen, Vehlin, Söllenthin, Klein Leppin, Glöwen, Kunow, Schrepkow, Döllen und Gumtow. Sie mögen das Gesellige, verabreden sich bei Bärbel Sietmann. „Und wenn sie richtig gut drauf sind, dann wird auch gesungen“, sagt sie. Als Alternative hat sie einen Plattenspieler und jede Menge alte Scheiben von den Beatles, Puhdys oder Karat, die ansonsten aufgelegt werden.

Von Sandra Bels

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