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Prignitz Glöwen: Die Nazi-Demo tanzend ignoriert
Lokales Prignitz Glöwen: Die Nazi-Demo tanzend ignoriert
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10:34 07.02.2016
Bei der Gegen-Demo tanzten Flüchtlinge und Anwohner gemeinsam. Quelle: Foto: Michael Beeskow
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Glöwen

„Denen geht es ganz bestimmt nicht um unsere Kinder.“ Christel Rost leitete viele Jahre die Schule in Glöwen, und ihr ist es mit zu verdanken, dass dieses Haus für Kinder noch besteht. Obwohl sie nicht mehr „aktiv“ ist, kam sie am Samstag zum Bürgerfrühstück der Gemeinde Plattenburg, zu dem alle Bürger eingeladen waren, während sich nur wenige Meter entfernt einen rechtsgerichtete Kundgebung formierte, zu der die Freien Kräfte Prignitz und Neuruppin nach Glöwen aufgerufen hatten. Ihnen gegenüber bezog eine Gegendemo Stellung, die der Landtagsabgeordnete Thomas Domres (Linke) angemeldet hatte.

Rund 100 Rechtsextreme machten Stimmung gegen Flüchtlinge Quelle: Beeskow

Mit „denen“ meinte die frühere Schulleiterin die Rechtsextremen, die Missbrauchsvorwürfe gegen einen 16-jährigen Afghanen zum Anlass nahm, gegen „die ekelhaften Zustände in diesem Land“, womit insbesondere die Flüchtlingspolitik gemeint war, Front zu machen. „Uns sind die Flüchtlinge herzlich willkommen“, erklärte Christel Rost. „Ich bin froh, wie das mit den Asylbewerbern hier in Glöwen läuft. Wir sind nicht rechts.“

In Glöwen leben rund 100 Flüchtlinge

Plattenburgs Bürgermeisterin Anja Kramer zeigte sich überrascht und erfreut, wie viele Gäste sie beim Bürgerfrühstück begrüßen konnte. Die Gemeinde wollte mit dieser Form auf die rechte Kundgebung reagieren aber auch auf die Missbrauchsvorwürfe.

Einem 16-jährigen Flüchtling wird vorgeworfen, in Glöwen Kinder vergewaltigt und missbraucht zu haben. Rechtsextreme hatten für Sonnabend zu einer Kundgebung aufgerufen. Politiker im Ort verurteilten diese als Stimmungsmache und Instrumentalisierung für die rechte Sache. Man dürfe aus dem Vorfall kein politisches Kapital schlagen, sagte Kramer.

Rund 150 Menschen demonstrierten gegen die Kundgebung der Rechten, darunter Perlebergs Bürgermeisterin Annett Jura (r.). Gemeinsam mit Flüchtlingen aus dem Ort. Quelle: Michael Beeskow

„Wir müssen die Ängste unserer Bürger ernst nehmen“, sagte sie. In Glöwen leben mehr als 100 Flüchtlinge. Sie freute sich, dass auch viele Flüchtlinge zum Bürgerfrühstück gekommen waren. „Sie sind Bürger unserer Gemeinde.“ Viele Menschen in der Gemeinde würden sich für sie engagieren, ihnen helfen. „Es besteht ein gutes Miteinander. Das dürfen wir uns nicht kaputt machen lassen.“ Den Zuspruch den die Flüchtlinge erfahren, wurde auf verschiedenen selbst gefertigten Plakaten zum Ausdruck gebracht. Gemeindevertreter Rainer Schneewolf hatte sogar eine neue Nationalhymne gedichtet: „Einigkeit und Recht und Freiheit – ob von hier, ob Gast im Land – danach lasst uns alle streben – brüderlich mit Herz und Verstand.“

Von einem guten Miteinader berichtete auch Christina Tast vom Verein Festland in Klein Leppin. Fünf Flüchtlinge aus Syrien helfen derzeit bei der Vorbereitung für die nächste Aufführung von „Dorf macht Oper“. Sie fertigen benötigte Requisiten an.

Unter den Demonstranten waren auch viele Politiker

Als die von Thomas Domres angemeldete Gegen-Demo zur rechtsgerichteten Kundgebung begann, schlossen sich ihr viele Teilnehmer des Bürgerfrühstücks an, auch Bürgermeisterin Anja Kramer, die die Teilnehmer begrüßte. Die Gegen-Demo fand eine Vielzahl von Unterstützern aus anderen Parteien. Der Landtagsabgeordnete Gordon Hoffmann (CDU) empörte sich über die rechten. „Gerade die mit dem längsten Vorstrafenregister spielen jetzt als Verteidiger der Demokratie auf.“ Zur Kundgebung der Freien Kräfte sagte er: „Das sind Vögel, die wir hier nicht haben wollen.“

Landtagskollege Holger Rupprecht (SPD) äußerte sich anerkennend über die vielen Teilnehmer beim Bürgerfrühstück und bei der Gegen-Demo. „Ich glaube, mancher hat auch etwas Angst überwunden, um hier gegen die Rechten aufzutreten.“

Die Freien Kräfte konnten etwa 100 Demonstranten mobilisieren

Die Freien Kräfte waren in Glöwen mit rund 100 Personen recht stark vertreten, schätzten Kenner der rechten Szene ein. „Mehr als 80 bis 100 Leute haben die bisher nicht zusammengebracht.“ Auch wenn die große Mehrzahl angereist war, so befanden sich doch auch einige Glöwener bei den Rechtsextremen. Nicht nur Vertreter der Freien Kräfte, sondern auch bekannte NPD-Mitglieder ergriffen das Wort. Während dessen entwickelte die Gegen-Demo, an der schätzungsweise 150 Menschen teilnahmen, zu einem kleinen Fest. Flüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge begannen gemeinsam zu tanzen. Ein Zeichen für ein friedliches Zusammenleben.

Die Polizei sicherte beide Kundgebungen ab. Wie Einsatzleiter Bodo Zackert von der Polizeiinspektion Prignitz berichtete, wurden rund 50 Beamte nach Glöwen an diesem Samstagvormittag beordert. Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.

Von Michael Beeskow

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