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Prignitz Götz Schallenberg und das Jahr 1966
Lokales Prignitz Götz Schallenberg und das Jahr 1966
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00:17 10.08.2016
Götz Schallenberg mit dem wichtigsten Werk jener Zeit „Pole am Sonntag“ von 1966. Quelle: Michael Beeskow
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Kuwalk

Das Jahr 1966 hatte es für Götz Schallenberg in sich. Es war gewissermaßen das Tor zu einem künstlerisch und menschlich erfüllten Leben. Er heiratete Sibylle Nagel, mit der er 49 Jahre bis zu ihrem Tod am 9. August 2015 zusammenlebte, und er reiste nach Polen. Diesen beiden Weichenstellungen im Leben des Künstlers, die 50 Jahre zurückliegen, war am Wochenende die Kuwalkade gewidmet.

Der Student der Kunsterziehung und Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin reiste im Sommer 1966 mit seinem Kommilitonen Jürgen Schnelle für mehrere Wochen nach Polen. Mit nur wenigen Zloty in der Tasche trampten die beiden aufs Geratewohl los mit der Aussicht im Wald oder auf Bahnhöfen zu übernachten. Dabei hatten sie ihre Zeichenblätter und ihre Malutensilien.

Wegweisende künstlerische Erlebnisse

Götz Schallenberg und Jürgen Schnelle, letzterer heute als Künstler in Berlin, berichteten von ihren abenteuerlichen Erlebnissen und ihrer großen Überraschung der polnischen Gastfreundschaft. Sie lernten Kunststudenten kennen, die sich um sie kümmerten. Im internationalen Studentenheim der Kunstakademie in Warschau durften sie wohnen. Wichtiger war aber, dass die Akademie ihnen Zutritt zu ihrem Depots und Räumlichkeiten gewährte. Beide gewannen ganz neue künstlerische Eindrücke jenseits des in der DDR geltenden sozialistischen Realismus.

Enkelin Hannah liest einen Brief Götz Schallenbergs (M.) an seine Sibylle vor. Rechts der Freund und Künstler Quelle: Beeskow

In einem Brief an „Meine liebe Sibylle“, den die 16-jährige Enkelin Hannah Schallenberg vorlas, heißt es: „Die meisten Bilder zeigen Frische, Mut und Kraft und lassen eine frei gesinnte Anleitung erkennen. Vor allem ganz tolle Farbgebungen. Da ist es kein Wunder, wenn wir – Jürgen und ich – mit unseren Studien stets unzufrieden sind. Ich glaube, das Rezept liegt darin: stets unbefangen zu arbeiten.“ Beide arbeiten mit Begeisterung und Verzweiflung an ihren Motiven. Ziehen mit ihren Skizzenblättern durch Warschau, Krakau, Katovice, Zakopane. Während der Reise und gleich danach entstehen Arbeiten, von denen Götz Schallenberg sagt, dass sie sein Gesamtwerk prägen. „Pole am Sonntag“ heißt das für ihn wichtigste Bild jener Periode. „Es ist mein erstes impressionistisches Bild.“ Er habe es in zehn Minuten gemalt. Heute sei es Tausende wert. „Ich reiste als Kunststudent nach Polen und kam als Künstler zurück“, sagt Götz Schallenberg über die Polenreise.

Unterdessen hatte sich im Hause Nagel einiges zusammengebraut. Otto Nagel versuchte seiner Tochter Sibylle die Verbindung mit Götz Schallenberg auszureden. Mit dem Abstand eines halben Jahrhunderts meinte er am Samstag: „Der Vater wollte seiner Tochter wohl das Leben mit einem armen Künstler ersparen.“ Götz Schallenberg schritt aber von seinem Polen-Erlebnis gestärkt zur Tat und verkündete: „Jetzt heiraten wir.“ Als Sibylle ihrem Vater dies eröffnete, flog sie „um 23 Uhr aus der Villa“ in Biesdorf und zog zu Götz Schallenberg in den Prenzlauer Berg vier Treppen hoch.

Auch Kulturstaatssekretär Martin Gorholdt (SPD, M.) kam vorbei. Quelle: Beeskow

Doch bald glätteten sich die Wogen wieder. Otto Nagel war willens, sich die Arbeiten seines Schwiegersohnes einmal anzusehen. Wie Götz Schallenberg berichtete, gab ihm Otto Nagel Hinweise, riet ihm, kleine Änderungen vorzunehmen. So kam es, dass Götz Schallenberg in ein polnisches Landschaftsbild noch eine Figur einfügte, wie Otto Nagel es ihm geraten hatte.

Zu den Besuchern der Kuwalkade gehörten Innenstaatssekretärin Katrin Lange und Kulturstaatssekretär Martin Gorholt, der sagte: „Götz Schallenberg ist ein Mensch, der viel erlebt und viel zu erzählen hat.“ Daher sei er gerne zur Kuwalkade gekommen. Der Staatssekretär hatte vor zwei Jahren auch die Laudatio zur großen Schallenberg-Ausstellung in Potsdam gehalten.

Von Michael Beeskow

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