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Prignitz Grabstätte im Wald wird restauriert
Lokales Prignitz Grabstätte im Wald wird restauriert
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00:17 27.06.2016
Das Mausoleum: Im Gadower Wald befindet sich das Erbbegräbnis der Familie von Wilamowitz-Möllendorff. Quelle: Kerstin Beck
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Gadow

Es gibt keinen Weg, nur einen Pfad. Ansonsten gibt es Waldwege, und wenn man den richtigen wählt und auch an den richtigen Stellen abbiegt, gelangt man dorthin, wo kein Wegweiser hinweist, und denjenigen, der es zum ersten Mal sieht, trifft es mit Wucht: Mitten im Wald zwischen Gadow und Lanz steht in der Prignitz ein griechischer Tempel!

Beim Näherkommen ist eine große Inschrift über den vier dorischen aus Sandstein bestehenden Säulen erkennbar: Feldmarschalls von Möllendorff Majorats Erbbegräbnis. Darunter eine Jahreszahl in römischen Zeichen: 1816. Darunter wiederum ein eiserner Ring von etwa 20 Zentimetern Durchmesser, der in Wirklichkeit gar kein Ring ist, sondern eine Schlange, die versucht, sich in ihren eigenen Schwanz zu beißen. Ein Ouroboros also, ein altägyptisches Symbol für das ewige Leben.

Entwurf des Mausoleums. Quelle: Kerstin Beck

Ein Bestattungsplatz – doch im Inneren ist davon keine Spur. Eine breite tonnengewölbte Halle mit schmalen Seitenschiffen ist zu sehen, und statt eines Fußbodens gibt es nackten Sand. Das war nicht immer so. Als am 28. Januar 1816 in Havelberg der dortige Domdechant Wichard Joachim Heinrich von Möllendorff in einem gesegneten Alter von 93 Jahren starb, wurde sein Sarg nach Gadow geschafft und in diesem Mausoleum, welches er eigens für sich hatte erbauen lassen, in der Mitte der Stirnseite des Gebäudes aufgestellt. Das Tonnengewölbe war reich mit gemalten Kassetten bemalt, über dem Sarkophag fiel das Licht still durch ein buntglasverziertes halbkreisförmiges Fenster in den Innenraum bis auf den mit im Wechsel von dunklen und hellen quadratischen Platten belegten Fußboden. Über allem präsentierte sich das Wappen der Familie von Wilamowitz-Möllendorff und gegenüber, am Eingang, war eine Art gemalter Vorhang sichtbar. Das war im Jahr 1816.

Das Gewölbe ist reich verziert

In den folgenden Jahrhunderten wurde weiter bestattet – innerhalb des Mausoleums (wo die Sarkophage im 20. Jahrhundert in die Erde verbracht wurden) und außerhalb. Wer einen großen Findling, der sich inmitten eines Rhododendrongebüsches befindet, aufmerksam anschaut, wird feststellen, dass dort ebenfalls eine Platte gewesen sein muss. Sie erinnerte an Wichard Hugo von Wilamowitz-Möllendorff, Erbherr auf Gadow, Landtagsabgeordneter, Rittmeister der Reserve beim 3. Garde Ulanen Regiment, Militärattaché der deutschen Gesandtschaft in Persien, der im Alter von 45 Jahren 1916 in Bagdad dem Hitzschlag erlag, nachdem er in Teheran vergiftet worden war und die Heimreise antrat. Bestattet worden ist er laut Kirchenbuch „vorläufig in Konstantinopel“.

Die letzte Bestattung erfolgte auf dem Gelände 1937, nachdem am 25.1.1937 der Generalbevollmächtigte Helmut Hans Wichard Adolf von Wilamowitz-Möllendorff in Gadow an einer Lungenkrankheit verstorben war. Wenigstens seinen Grabstein gibt es noch, der jedoch in völliger Unkenntnis der wahren Gegebenheiten heute an einer völlig anderen Stelle liegt.

Der klassizistische Bau ist in der Prignitz einzigartig

Wer war nun Wichard Joachim Heinrich von Möllendorff, der in einer derart imposanten Grabstätte ruht? Geboren als Sohn des damaligen Prignitzer Deichhauptmanns Max Friedrich von Möllendorff und dessen Ehefrau Alma Elisabeth, geborene von Platen aus dem Haus Kuhwinkel in Lindenberg bei Wittenberge, gelangte der Sprössling im Alter von 16 Jahren als Page an den Hof Friedrich II. Er machte eine steile militärische Karriere. 1793 wurde er in den höchsten militärischen Rang des Generalfeldmarschalls erhoben. Der kinderlos gebliebene General, der zudem 1757 Domherr des Havelberger Domkapitels geworden war, adoptierte kurz vor seinem Tod drei seiner Urgroßneffen, die Söhne Hugo, Ottokar und Arnold des Majors Theodor von Wilamowitz. Sie trugen daher ab 1815 mit königlicher Erlaubnis erblich den Doppelnamen von Wilamowitz-Moellendorff. Als der Generalfeldmarschall dann einige Monate später starb, wurde er wunschgemäß laut seinem Testament vom 10. März 1814 „in meiner Kleidung, wie ich jetzt zu tragen gewohnt bin“, im Mausoleum zur letzten Ruhe gebettet.

Die letzte Bestattung war 1937

Seit kurzem nun wird dieser in der Prignitz einmalige und durch den Berliner königlichen Bauinspektor Salomon Sachs (1772–1855) geschaffene klassizistische Bau in seinem Inneren durch die beiden Restauratoren André Streich und Jakob Schoder wieder in seinen früheren Zustand versetzt. Putzreste werden ergänzt, und, wo es möglich ist, die Malereien in großen Zügen bis zu einem bestimmten Grad wiederhergestellt, doch aufgrund der vorhandenen Substanz keinesfalls komplett. Ganz dringend erforderlich sind daher Informationen von ehemaligen Besuchern über den baulichen Zustand des Mausoleums in den 1960er Jahren, also bevor der Vandalismus eingesetzt hatte, damit die Sanierung möglichst den historischen ­Gegebenheiten Rechnung tragen kann.

Kontakt: Zeitzeugen werden gebeten, sich bei Gordon Thalmann, untere Denkmalbehörde Perleberg, unter Tel.  03876/71 31 29 zu melden.

Von Kerstin Beck

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