Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Prignitz Graugänse breiten sich aus
Lokales Prignitz Graugänse breiten sich aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:32 09.02.2019
Im Luch bei Linum finden Wildgänse geeignete Lebensbedingungen – neben den Feldern gibt es ausreichend viele Wasserflächen. Quelle: Peter Geisler,
Neuruppin

Für viele Menschen ist es ein faszinierendes Bild, wenn die Gänse am Himmel ziehen. Doch viele Bauern können sich oftmals an diesem Bild nicht mehr so recht erfreuen, denn schließlich müssen die Tiere auch etwas fressen, um über den Winter zu kommen. Und da kommen ihnen die Äcker mit dem jungen frischen Grün gerade recht. Junge Raps- oder Weizenpflanzen haben nur noch wenig Chancen, wenn sie von den Graugänsen erst einmal entdeckt wurden, denn diese schätzen die energiereiche Nahrung.

Da sich Graugänse in Deutschland immer mehr ausbreiten, fordert der Deutsche Jagdverband eine nachhaltige Bejagung. Das insgesamt gute Nahrungsangebot, insbesondere durch die Landwirtschaft, sei ein wichtiger Grund für das Anwachsen der Graugansbestände, teilte der Verband mit. Dies gelte für Brut- und Zugvögel gleichermaßen.

Auch die Zahl der erlegten Tiere hat sich in den vergangenen Jahren wesentlich erhöht. Die Jagdstrecke hat sich von 2009 bis 2017 knapp verdoppelt – von rund 30 000 in der Saison 2008/09 auf 57 500 in der Saison 2016/17. Graugänse gehören wie fast alle Gänse- und Entenarten zu den jagdbaren Arten. Die Jagdsaison für Graugänse erstreckt sich in Brandenburg von August bis Januar. Vogel- und Naturschutzverbände wenden sich gegen eine intensivere Bejagung. Sie fordern, den Abschuss von Gänsen komplett einzustellen.

Graugänse im Winter auf einem Feld bei Dabergotz Quelle: Peter Geisler

Die Graugans ist ein Zugvogel, der im Winter nach Süden zieht. In den vergangenen Jahrzehnten überwintern die Vögel jedoch zunehmend immer weiter im Norden, wo sie auch in der kalten Jahreszeit ausreichend Nahrung finden. Bevorzugt werden wasserreiche Gebiete, denn dort sind ihre Brut- und Schlafplätze vor Füchsen und anderen Feinden geschützt. In der Prignitz suchen die Vögel vor allem die Gebiete entlang der Elbe auf.

„Vor allem im Bereich zwischen Havelberg und Dömitz traten sie in den vergangen Jahren in großer Zahl auf“, sagt Christina Stettin, Geschäftsführerin des Prignitzer Kreisbauernverbands. Dort wo es etwa 60 Prozent Ackerfläche und 40 Prozent Wiesen gibt, klagen Landwirte über Probleme, weil die Vögel in Massen einfallen. „In diesem Jahr ist es allerdings nicht ganz so schlimm. Der Supersommer hat dafür gesorgt, dass die Wasserstände immer noch sehr niedrig sind.“

Problematisch ist das massenhafte Auftreten der Gänse in zweifacher Hinsicht. Sie bevölkern die Äcker und picken die jungen Pflanzen ratzekahl weg. Aber auch ihre Hinterlassenschaften sind nicht ganz unproblematisch. „Das Hauptproblem ist dann die Kotablage“, sagt Christina Stettin. „Die kann so dick werden, dass die Saat eingeht.“ Und nicht nur auf den Äckern, auch in den Gewässern kommt es dann zu einem immensen Düngereintrag, der zu unerwünschtem Algenwachstum führen kann.

Wildgänse: 15 Arten sind bekannt

Graugänse zählen zu den häufigsten Wasservögeln und sind nach der Kanadagans die zweitgrößte Gänseart in Europa. Von weltweit 15 Gänsearten können sieben regelmäßig in Europa beobachtet werden.

Nach dem Bundesjagdgesetz unterliegen alle Wildgänse dem Jagdrecht.

Jagdzeiten gibt es für Graugänse (1.8. bis 31.1.), Saatgänse (16.9. bis 31.1.), Kanadagänse (16.9. bis 31.1.), Blässgänse (16.9. bis 31.1.) und Ringelgänse (1.11. bis 15.1.).

In Brandenburg wurden im vergangenen Jagdjahr 4813 Gänse erlegt. Das waren sechs Prozent mehr als in der Jagdsaison zuvor. Die meisten Gänse wurden im Landkreis Potsdam-Mittelmark erlegt.

In Naturschutzgebieten stehen die Gänse unter Schutz, da bleibt den Landwirten nur die Möglichkeit der Vergrämung. Doch je häufiger die Vögel gestört werden und auffliegen müssen, desto höher ist ihr Nahrungsbedarf. „Deshalb sollte man sie möglichst in Ruhe lassen und nur dort bejagen, wo sie wirklich Schaden anrichten“, sagt Jürgen Rinno, Vorsitzender des Kreisjagdverbands Ostprignitz-Ruppin. Wichtig sei es auch, dass Jäger und Landwirte sich untereinander verständigen, wenn es Probleme gibt.

Manche Landwirte legen Fressäcker für die Vögel an, um sie von ihren Feldern abzulenken. Doch das ist nicht ganz billig. „Das Programm, bei dem Landwirte über den Vertragsnaturschutz einen finanziellen Ausgleich erhalten konnten, gibt es leider nicht mehr. Es wurde Ende der 90er Jahre eingestellt“, sagt Christina Stettin, die ein Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft als dringend notwendig ansieht. „Landwirte arbeiten schließlich mit und in der Natur und wenn ihre Erträge gemindert werden, weil sie den Vögeln Rastflächen bieten, dann müsste der Schaden ausgeglichen werden.“

Ihren Flug in die Brutgebiete können die Gänse aber nur schaffen, wenn sie kräftig genug sind.

Von Cornelia Felsch

Auf der B189 hat es gekracht: Bei Eickerhöfe (Sachsen-Anhalt) stießen zwei Fahrzeuge am Freitagabend zusammen, woraufhin die Elbebrücke für fast zwei Stunden voll gesperrt war. Es gab zwei Verletzte.

11.02.2019

Das kleine Dörfchen Schilde (Gemeinde Weisen) feiert in diesem Jahr seinen 680. Geburtstag. Das wollen die Einwohner standesgemäß feiern und sammelten am Donnerstag erstmals Ideen für ein Fest.

11.02.2019

Im Jahr 2018 hat es so viele Nutztierschäden durch Wölfe wie noch nie im Land Brandenburg gegeben. Auch in Prignitz und Ostprignitz-Ruppin haben die Tiere ihre Spuren hinterlassen.

10.02.2019