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Prignitz Grenzlandmuseum in Schnackenburg
Lokales Prignitz Grenzlandmuseum in Schnackenburg
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00:26 04.11.2015
Nicht nur Kinder haben den Drang, das Plastikpferd zu streicheln. Im nahen Gartow befand sich die einzige bundesdeutsche Zoll-Pferdestaffel. Quelle: Kerstin Beck
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Schnackenburg

Wenn der Sommer zu Ende ist, herrscht in der kleinsten Stadt Niedersachsens nahezu Totenstille. Gelegentlich kommt ein Auto noch von der Fährstelle, oder ein Einheimischer fährt vorbei. Hier gibt es das Grenzlandmuseum. Wer Glück hat, trifft hier auf Ulrich Bethge, Chef des Museums und des dafür zuständigen Fördervereines. Etwa 7000 Gäste kommen jährlich in die Einrichtung. „Als der polnische Frachter hier gestrandet war, waren wir schon mal bei 12 000“, erzählt der Schnackenburger, und ein anderer Einheimischer, der zum Klönen gekommen ist, setzt augenzwinkernd hinzu: „Wär’ doch schön, wenn das wieder passieren würde, ist doch egal, wo so ein Schiff steht!“ Dabei gibt es hier genauso gut einen Kahn zu sehen, der auf dem Trockenen gelandet ist: ein fast zehn Meter langes DDR-Schnellboot von 1979, das aber nie auf der Elbe gefahren ist, weil es nicht mit Radar ausgestattet war.

Ulrich Bethge zeigt die letzte Neuerwerbung. Die Uniform eines Angehörigen der Britischen Zone. Quelle: Kerstin Beck

Die ersten Informationen zum Museum gibt es draußen. Eine große Übersichtskarte, damit der Unkundige weiß, dass er trotz aufgestellter Grenzsäule noch immer nicht an der Elbe, sondern lediglich am Alandzufluss steht, eine Auflistung aller im Bereich des Landkreises Lüchow-Dannenberg Umgekommenen, eine Tafel mit den Öffnungszeiten und einen kniehohen Hinweis auf die Hochwasserstände 2002 und 2006, die das Museum überschwemmten.

Innen wird es dann richtig bunt. Der erste, ebenerdig gelegene Ausstellungsraum wird unübersehbar von friedlich miteinander vereinten BRD-Zöllnern, DDR-Grenzern im Trabi „de luxe“, einem Angehörigen der Sowjet-Truppen sowie einem DDR-Matrosen ausgefüllt. Was dabei auffällt: Zöllner sowohl in Blau, als auch in Grün. Wie denn das? „Die Blauen waren an der Wassergrenze beschäftigt, die Grünen gehörten zu der in Gartow stationierten Pferdestaffel, der einzigen übrigens im Bundesgebiet“, weiß Ulrich Bethge, der einst auch ein „Blauer“ war, dazu zu sagen. Was nicht nur die Kinder mit „echt geil“ anzieht: Auch Erwachsene „müssen“ das Plastik-Pferdchen streicheln.

NVA-Stahlhelm zur Spendenbüchse umfunktioniert. Quelle: Kerstin Beck

Dicht an der Kasse, denn woanders findet er einfach keinen Platz mehr, steht die letzte Neuerwerbung des Museums: ein Angehöriger der Britischen Zone. „Im letzten Jahr ist er in Pension gegangen, Dienstgrad weiß ich nicht, aber das war einer, der was zu sagen hatte“, meint der 74-Jährige.

Drumherum jede Menge Tafeln, Verbots- und Hinweisschilder, auch ein von einem Besucher gespendetes Gemälde vom im Jahre 1747 erbauten „Fischerhaus“ von 1979, bevor es in einem aufwendigen Umbau ein Museum wurde. Ein weiteres Kuriosum: nicht etwa ein fischfangender Arbeiter war namengebend, sondern lediglich eine Familie dieses Namens.

Dann: technisches Grenz-Zubehör vom „Schnuffi“ bis hin zu Praktika-Fotoapparaten und Nachtsichtgläsern und dazu etwa 150 DDR-Medaillen, die die Grenzer als Auszeichnung bekamen. Weil der Platz nicht ausreicht, geht es mit Orden und Auszeichnungen in der ersten Etage weiter, dazu gibt es eine Foto-Ausstellung von Grenzpunkten in der Region bis hin zu einem Elb-Modell, welches die Region Schnackenburg-Höhbeck zeigt. Selbstverständlich mit Zaun auf der anderen Seite und darüber Fotos von in Lütkenwisch längst abgerissenen Häusern.

Und hier, zwischen einem Zaun-segment und einer Kommando-Telefonzentrale, bei der auch das Arbeitsbuch nicht fehlt, steht die absolute Kuriosität des Museums: eine Grenzer-Rufsäule. Hebt man die Klappe auf, ertönt in bestem Sächsisch eine unwirsche Stimme: „Leutnant Twade, Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik, Sie wünschen bitte?“ – „Erstmal erschrecken die Leute, doch dann lachen alle!“, sagt der Museumschef und freut sich über dieses originale Extra.

Vorbei geht es schließlich an einem jungen ABV (Abschnittsbevollmächtigten) und jeder Menge Zeitungsartikel, aus denen hervorgeht, dass das Museum keine Stätte der Anklage, sondern eine der Mahnung sein soll, in die oberste Etage, die mit einem Modell eines Grenzüberganges, DDR-Geld und der dazugehörigen bürokratischen Antragszettel-Flut aufwartet. Dass die erst 20 Jahre alte Einrichtung längst die 100 000-Besuchermarke geknackt hat, glaubt jeder, der die Besuchertafeln – große Landkarten von Deutschland und der Welt – gesehen hat. Hier darf sich jeder mit einer bunten Stecknadel an seinem Heimatort verewigen. Nur Alaska und Grönland sind noch nicht vertreten.

Beim Hinausgehen fällt die Spendenbüchse ins Auge: ein mit einem Schlitz versehener NVA-Stahlhelm aus den 80er Jahren, der übrigens eine bewegte Geschichte aufzuweisen hat: Patentiert in der NS-Zeit unter dem Reichspatent Nr. 706467, wurde der Kopfschutz in der DDR ab 1956 in Serie produziert. Spätere Ausführungen hatten geclipste Kinnriemen, die sich bei Belastung lösten. Ein warnendes Omen?

Darüber schließlich eine nicht mehr funktionierende Kalaschnikow und im Besucherbuch der Eintrag: „Alle Zäune und Mauern gehören ins Museum. Auch die von heute. Kein Mensch ist illegal.“

Von Kerstin Beck

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