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Große Kunst in der Galerie

Pritzwalk Große Kunst in der Galerie

Es war ein Paukenschlag: Dass ein renommierter Künstler wie Michael Triegel in der Galerie der Kunstfreunde Pritzwalk ausstellen würde, hätte wohl vor wenigen Monaten noch niemand gedacht. Gemeinsam mit Bernd Streiter und Horst Kontak gestaltete er eine dreiwöchige Ausstellung, die noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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Im Freien eröffnete Horst Kontak die einmalige Ausstellung, an die man sich in Pritzwalk noch lange erinnern wird.

Quelle: Jens Wegner

Pritzwalk. Es hat sich etwas geändert in Pritzwalk. Früher hätte man das alte Ackerbürgerstädtchen an der Dömnitz nicht unbedingt mit großer Kunst assoziiert. Seit den „Sieben Künsten von Pritzwalk“ ist das anders, gibt es mitten in der Innenstadt ein Domizil für Kunst und einen Haufen Kulturverrückter, die sich in einem Verein zusammengeschlossen haben. Ständig warten die Kunstfreunde Pritzwalk um ihren rührigen Vorsitzenden Horst Kontak mit neuen Ausstellungen und Aktionen auf, und stetig steigt dabei das Niveau.

Im Juni gelang dann etwas, was bei allem Engagement für Außenstehende kaum zu glauben schien: In den Galerieräumen stellte mit Michael Triegel ein Großer der Kunstszene aus, im Verbund mit zwei Prignitzer Eigengewächsen, Kontak selbst und Bernd Streiter. Immerhin 130 Leute wollten bei der Eröffnung der Ausstellung dabei sein – für Pritzwalker Verhältnisse sind das eine ganze Menge Leute. Es war ein Ereignis, das Horst Kontak so schnell auch nicht vergessen wird: „Die Vernissage war ein Traum“, schwärmt er noch heute. Allein der Auftritt der Pritzwalker Sopranistin Sophia Körber, die kurzerhand vor der Galerie auf der Marktstraße eine Arie sang, wird im Gedächtnis haften bleiben. Immerhin eine Bundespreisträgerin Gesang, die ihre Wurzeln in Pritzwalk hat. Das passte schon zum Rahmen.

Im Stile alter Meister

Im Stile alter Meister: das Bild „Flora“ von Michael Triegel.

Quelle: Horst Kontak

Trotzdem war nicht jedem klar, wer da eigentlich seine Werke in den Räumen zeigte, in denen sich dereinst einmal ein Drogeriemarkt befunden hatte und den man sich trotz der dafür typischen Kassettendecke heute kaum noch anders vorstellen kann als einen Ort für Kunst und Kultur. Denn der Maler und Grafiker Michael Triegel gehört zu den ganz Großen seiner Zunft. 2015 etwa stellte Michael Triegel, so erinnert sich Bernd Streiter, gemeinsam mit dem Werk Werner Tübkes in der Kunsthalle Rostock aus. „Eine hochkarätige Exhibition zweier großer Meister ausgefeilter Gegenständlichkeit mit Bezügen zur Reformation (Tübke) und zum Manierismus (Triegel)“, wie Streiter findet. Einem breiteren Publikum wurde Triegel dadurch bekannt, dass er den deutschen Papst Benedikt XVI. porträtierte.

Büsten und Bilder von Bernd Streiter, die erstmals in Pritzwalk zu sehen waren

Büsten und Bilder von Bernd Streiter, die erstmals in Pritzwalk zu sehen waren.

Quelle: Bernd Atzenroth

Während man bei seiner Ausstellung in der Galerie Schwindt zu Leipzig 2014 sich noch in Dreierreihen vor die Villa stellte, um dann innerhalb von zwei Stunden die dort ausgestellten Bilder komplett aufzukaufen, ging es in Pritzwalk angesichts dieses Ausnahmekünstlers eher beschaulich zu. Dabei war es ein Hasardeurstück des Veranstalters, diesen Mann samt seiner wunderbaren Radierungen nach Pritzwalk zu bugsieren. Streiter und Triegel kannten sich noch aus Studienzeiten, das machte es Horst Kontak vielleicht etwas leichter, diesen Ausnahmekünstler in seiner Galerie zu präsentieren.

Die drei Künstler

Michael Triegel wurde 1968 in Erfurt geboren. 1995 erwarb er sein Diplom an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig. Der Künstler hat diverse Einzel- und Gruppenausstellungen in Europa und Nordamerika gestaltet. Triegel lebt und arbeitet in Leipzig.

Bernd Streiter wurde 1962 in Havelberg geboren. 1991 erwarb er sein Diplom an der HGB in Leipzig. Er arbeitet als Grafiker, Bildhauer und Illustrator. Seine öffentlichen Bronzeplastiken stehen in Mecklenburg und Brandenburg. Streiter lebt und arbeitet in Mödlich.

Horst Kontak wurde 1953 in Pritzwalk geboren. Er ist Autodidakt, Drechseln ist seine Passion. Kontak ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks in Hamburg und hatte diverse Ausstellungen in Deutschland und Österreich. Kontak lebt und arbeitet in Pritzwalk.

Aber Kontaks Engagement war es wohl, das letztlich den Ausschlag gab. Triegel brachte zur Eröffnung ein weiteres Werk mit, das nur dann zu sehen war und das er hinterher wieder mitnahm. „Flora“ zeigte exemplarisch, wie sehr sich Triegel den Stilen alter Meister verschrieben hat. Kontak aber ist überzeugt, dass Triegels Schaffen entgegen mancher Beurteilung sehr aktuell ist. Als Beispiel gilt ihm die Radierung „Ave Maria“. Triegel selbst und sein Galerist betonen diese Modernität des Werks auch besonders. Ein weiterer Höhepunkt seines Schaffens, der in Pritzwalk zu sehen war, war ein Ausriss aus der Fenstergestaltung der Köthener Kirche, die Triegel übernommen hatte.

Am 3. Juli ging die Ausstellung zu Ende, nach Streiters Geschmack schien „fast etwas still und unspektakulär ein Superlativ der bildenden Kunst in unserer idyllischen Provinz zu verebben“. Dabei sind auch Streiter und Kontak mittlerweile über die Prignitz hinaus bekannt. Kontak stellt seine gedrechselten Meisterwerke zwischen Hamburg und Österreich aus und bekommt große Artikel in Fachzeitschriften.

Bei der Finissage bewundern Besucher Horst Kontaks Drechselarbeiten

Bei der Finissage bewundern Besucher Horst Kontaks Drechselarbeiten.

Quelle: Bernd Atzenroth

Streiters Bronzeplastiken sind ebenso überregional gefragt und seine Radierkunst ist delikat, mit Hintersinn und Humor gewürzt. In Pritzwalk war all dies zum ersten Mal zu sehen. Sehenswert nicht nur seine Papstradierungen, welche er geschickt neben den klassisch-christlichen Bildungskanon seines Freundes Michael Triegel platzierte. Ein „Hingucker“ ist auch sein Porträt des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Streiter übrigens fühlt sich nicht unbedingt mit der Moderne in Einklang, sondern glaubt, dass er eigentlich besser im 19. Jahrhundert aufgehoben gewesen wäre.

Die Ausstellung in Pritzwalk zeigte drei Meister, die handwerklich und inhaltlich souverän ihre Sprache gefunden haben. Diese Meisterschaft ist der verbindende Aspekt zwischen, auch die Gegenständlichkeit ihrer Kunst bildete bei der Schau ein festes Band. „So eine spezielle Ausstellung wird man so schnell nicht wieder erleben. Doch nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung und so freuen wir uns auf das Werk von Andreas Dorfstecher und Ulrich Fischer“, sagt Streiter. Und Horst Kontak kündigte für diese nächste Doppelschau eine Besonderheit an: Es handele sich um einen Zyklus, bei dem der Schwerpunkt der Schau zunächst bei dem Schaffen des einen Künstlers liege und dann bei dem des anderen. Am 9. September beginnt die Ausstellung, die „Uli Fischer, Stoff – Andreas Dorfstecher, Holz“ betitelt ist. Die Dinge entwickeln sich weiter in Pritzwalk, allein Horst Kontak und die Seinen werden schon dafür sorgen.

Künstlertrio (vl)

Künstlertrio (v.l.): Bernd Streiter, Michael Triegel, Horst Kontak.

Quelle: Jens Wegner

Von Bernd Atzenroth

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