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Große Sorgen um das Moor

Dannenwalde Große Sorgen um das Moor

Die vom Dannenwalder Heimatverein und dem Ortsbeirat organisierte Luchwanderung wurde mit gut 60 Teilnehmern besser angenommen, als gehofft. Vor Ort berichtete Naturschützer Anselm Ewert vom Zustand des 800 Hektar großen Areals. Doch was er zu erzählen hatte, war alles andere als erfreulich.

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Diese Torfstiche bei Bärensprung sind die letzten noch existierenden im ganzen Luch.

Quelle: André Reichel

Dannenwalde. Mit gut 60 Teilnehmern war die Naturwanderung am vergangenen Sonntag am Rande des Dannenwalder Luchs sehr gut besucht. Damit hätten selbst die Organisatoren vom Dannenwalder Ortsbeirat und vom Heimatverein kaum gerechnet. Für ihre geführte Wanderung konnten sie unter anderen den Ornithologen und Naturschützer Anselm Ewert aus Kehrberg gewinnen, der in seinem beruflichen Leben in Neuruppin bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Ostprignitz-Ruppin tätig ist.

Am Sonntag allerdings referierte Anselm Ewert rein als Privatmensch und nahm bei seinem nüchternen und durchweg düsteren Zustandsbericht zum Dannenwalder Luch kein Blatt vor den Mund. Angesichts der malerischen Landschaft, in die das 800 Hektar große Luch eingebettet ist, überraschte Ewert damit so manchen, der dort anwesenden Naturfreunde. „Auf den ersten Blick mag es hier ja auch schön aussehen, doch in Wirklichkeit ist das Luch eine Agrarwüste, in der nur noch Hochleistungsgräser und wenige Tiere existieren können. Von der einstigen Artenvielfalt ist nichts mehr vorhanden“, sagte Anselm Ewert.

Unterwegs erfuhren die 60 Teilnehmer der Wanderung viel über das Luch

Unterwegs erfuhren die 60 Teilnehmer der Wanderung viel über das Luch.

Quelle: André Reichel

Seinen Anfang nahm die ganze Problematik bereits mit der Urbarmachung Ende des 18. Jahrhunderts. „Die damaligen Eingriffe waren noch halbwegs verträglich und auch verzeihlich, denn sie wussten ja nicht um die Konsequenzen ihres Handelns“, so Anselm Ewert. „Schlimmer waren die Meliorationsarbeiten zu DDR-Zeiten, die haben dem Luch mit seiner Trockenlegung den Rest gegeben“, sagte Ewert weiter.

Verwundert ist der Naturschützer darüber, dass man heute noch wider besseren Wissens im Angesicht des deutlich spürbaren Klimawandels weiterhin Moore, wie das Dannenwalder Luch trockenlegt. „Sie sind schließlich die größten und besten Speicher von Treibhausgasen, die es auf der Welt gibt“. Wird Torf trocken, mineralisiert dieser, zersetzt sich und dann nie mehr in der Lage, Wasser aufzunehmen. „Auf lange Sicht werden solche Flächen so auch landwirtschaftlich unbrauchbar“, machte Anselm Ewert deutlich.

Preußenkönig ließ im Dorf vier Häuser bauen

Seinen Anfang nahm die gut besuchte Luchwanderung an einem Gedenkstein, den die Dannenwalder im Jahr 1912 anlässlich des 200. Geburtstags des Preußenkönigs Friedrich der Große am westlichen Ortsausgang aufgestellt hatten. Dort berichtete der Orts-Chronist Helmut Widrat eingangs aus der Geschichte Dannwaldes, die mit dem Preußenkönig Friedrich dem Großen eng verbunden ist. Der ließ 1777 im Dorf vier Häuser bauen und dort pensionierte Soldaten einquartieren.

Eine zweite Ansiedlung fand 1781 statt. Nun begann auch vom Preußenkönig angeordnet, die Urbarmachung des Luchgebietes. „1794 entdeckte man auf 220 Hektar Fläche eine meterdicke Torfschicht, die von nun an als Heizmaterial im großen Stil abgebaut wurde“, berichtete Helmut Widrat.

Orts-Chronist Helmut Widrat (r) berichtete aus der Geschichte Dannenwaldes

Orts-Chronist Helmut Widrat (r.) berichtete aus der Geschichte Dannenwaldes.

Quelle: André Reichel

Unterwegs am Rande des Luchs übernahm Heimatfreund Hans Merten aus Dannenwalde das Wort. Am Standort eines ehemaligen Torfstecherhauses berichtete er anschaulich über das beschwerliche Leben der Arbeiter. Mit dem Bau der Prignitzer Kleinbahn 1898 neigte sich die Zeit der Torfstecherei den Ende entgegen.

Die vier Kilometer lange Luchwanderung endete auf dem Luisenhof bei Friedheim. Auf dem Gehöft von Mitorganisator Helmut Adamaschek war schon alles für ein stärkendes Mahl vorbereitet. Es gab Kuchen, Getränke und reichlich Bratwurst frisch vom Grill.

Von André Reichel

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