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Prignitz Grünstraße: Verkehrslage soll besser werden
Lokales Prignitz Grünstraße: Verkehrslage soll besser werden
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00:20 15.09.2017
Das Messgerät zur Verkehrszählung steht derzeit in der Pritzwalker Schlachthausstraße. Es soll helfen, Verkehrsströme zu leiten. Quelle: Beate Vogel
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Pritzwalk

Der über 80-jährige Gerd Schlinke hat sich in den vergangenen Wochen geärgert. Es ist Erntezeit. „Der komplette landwirtschaftliche Verkehr fährt durch die Stadt“, erzählt der Pritzwalker, der in der Grünstraße wohnt. Er fühlt sich durch Lärm, Staub und Abgase, die die großen, schweren Fahrzeuge mit Hänger hinterlassen, enorm gestört: „Zumal wir doch eine Umgehungsstraße haben – die könnten sie doch benutzen.“ Wenigstens nach 20 Uhr, findet Schlinke. Denn geerntet werde bis weit nach Mitternacht – und so lange fahren auch die Traktoren durch die Grünstraße, die auch viel zu schnell unterwegs seien. Sein Vorschlag: „Kann man nicht eine Zone 30 für die ganze Stadt einrichten?“

Zone 30 für die Grünstraße abgelehnt

Heiko Möbius vom Fachbereich Straßenwesen in der Stadtverwaltung Pritzwalk kennt das Problem – nicht nur aus der Grünstraße. Bereits 2015 hatte Pritzwalk einen Antrag auf die Einrichtung einer Zone 30 für die Grünstraße bei der zuständigen unteren Straßenverkehrsbehörde beim Landkreis gestellt. „Der Antrag ist leider abgelehnt worden.“ Möbius erklärt das mit den gesetzlichen Eckdaten für eine solche Zone, an die sich die Verkehrsbehörde halten müsse: „Hoher Fußgängerverkehr, kein überörtlicher Verkehr, keine Ampeln, extreme Belastung für die Anwohner und so weiter.“ Das treffe alles nicht zu, hieß es in der Begründung. Die Verkehrsdichte erreiche auch nicht den Wert, der eine extreme Belastung darstellt. Möbius hat volles Verständnis für den Ärger der Anlieger: „Wenn ein Mensch etwas als laut empfindet, dann ist es für ihn laut – egal was die Messergebnisse sagen.“

Messreihe ergab moderate Werte

Ein Messgerät zur Verkehrszählung stand in den vergangenen Jahren auch in der Grünstraße, berichtet Möbius. So wurden etwa zwischen dem 26. November und dem 4. Dezember 2015 aus Richtung Magazinplatz 8837 Fahrzeuge gemessen, täglich also 1140. 91 Prozent von ihnen waren mit weniger als den erlaubten 50 Stundenkilometern unterwegs, die Hälfte davon fuhr weniger als 41 km/h. So hoch war auch die durchschnittliche Geschwindigkeit. Eine Messreihe vom 28. Juni bis 6. Juli 2016 ergab ähnliche Werte, wenngleich wegen einer reparaturbedingten Sperrung der Ortsumgehung die Frequenz höher war. 22 688 Fahrzeuge fuhren in eine Fahrtrichtung, so Möbius. Von diesen blieben knapp 80 Prozent unter 50 km/h, 28 Prozent unter 40. Das Durchschnittstempo lag bei 45 km/h. Der Anteil des Schwerlastverkehrs lag bei unter 5 Prozent. „Und um den Bedarf oder die Belastung genau nachzuweisen, stellen wir die Verkehrszählgeräte auf.“ Derzeit steht der kleine weiße Kasten in der Schlachthausstraße.

Problem erkannt

Seit 2012 machen sich laut Möbius die Stadtverwaltung, Anwohner und Politik Gedanken, wie die Verkehrssituation in Pritzwalk verbessert werden kann. „Wir haben die Probleme komplett erkannt und arbeiten daran.“ Voraussetzung sei gewesen, dass die Stadt Baulastträger für die Straßen ist. Die Grünstraße etwa ist seit Inbetriebnahme der Ortsumgehung 2008 in ihrer Zuständigkeit. Unter anderem wurde ein Straßenausbaukonzept entwickelt (die MAZ berichtete), das jetzt in die Diskussion um einen künftigen Leitfaden für die Verkehrsentwicklung in der Stadt einfließen soll. Probleme wie die in der Grünstraße sollen darin berücksichtigt werden.

Nichtsdestotrotz müssen auch die Landwirte irgendwo fahren. „Die Ortsumgehung ist für sie tabu, weil sie als Kraftfahrstraße für Fahrzeuge ab 60 km/h zugelassen ist“, erklärt der Fachmann. „Durch den Lärm, den sie auf den schlechten Straßenbelägen in der Stadt machen, empfinden die Leute es als doppelt so laut.“ An der Lösung wird aber gearbeitet, betont Möbius.

Von Beate Vogel

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