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Gumtow Der Verfassungsschutz reicht der Prignitz die Hand
Lokales Prignitz Gumtow Der Verfassungsschutz reicht der Prignitz die Hand
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19:11 16.04.2019
Die Hauptakteure samt aller Referenten bei der Sicherheitskonferenz 2019 des Landkreises Prignitz am Dienstagnachmittag in Vehlow. Quelle: Matthias Anke
Vehlow

Für den Brandenburger Verfassungsschutz ist die Prignitz verglichen mit anderen Regionen des Landes nach wie vor weniger ein Thema. Das sagte Axel Heidrich, Referatsleiter für die Auswertung des politischen Extremismus beim Verfassungsschutz in Brandenburg, bei der diesjährigen Sicherheitskonferenz des Landkreises Prignitz.

Gleichwohl legte Heidrich den Gästen eine gewisse Wachsamkeit nahe und erläuterte dazu ein Beispiel aus Brandenburg/Havel. Dort wurde vor nicht allzu langer Zeit ein als öffentliche Begegnungsstätte getarnter Treffpunkt für radikale Islamisten entdeckt.

Telefonnummern mit Verfassungsschützern ausgetauscht

„Das ist nur eine Warnung, ohne dass wir Hinweise haben, dass es auch hier Gebetsräume gibt“, sagte Axel Heidrich und appellierte: „Geben Sie uns Hinweise, wenn Ihnen etwas auffällt. Wenn Sie Fragen haben, stehen wir für Bewertungen bereit.“

Axel Heidrich vom Brandenburger Verfassungsschutz während seines Vortrags bei der Sicherheitskonferenz des Landkreises Prignitz in Vehlow. Quelle: Matthias Anke

Später wurden die entsprechenden Visitenkarten samt aller Kontaktdaten wie Telefonnummern für solche Fälle ausgetauscht. Dabei gelte das Augenmerk auch dem Spektrum des Links- sowie Rechtsextremismus oder des Phänomens der sogenannten Reichsbürger, worüber Heidrich jeweils immer auch mit Blick auf die Prignitz referierte und dabei zugleich zu mehr Sensibilität in der Bevölkerung anregte.

Viele Vertreter quer durch die Gesellschaft bei der Sicherheitskonferenz

„Sicherheit ist nicht nur Sache der Polizei, Sicherheit geht uns alle an.“ Mit diesen Worten begrüßte schon zu Beginn der Prignitzer Landrat Torsten Uhe die Teilnehmer der Sicherheitskonferenz, und zwar mit Blick nicht nur auf die wie üblich „behördlichen“ Gäste, sondern auch die zahlreichen „Vertreter des gesellschaftlichen Engagements“.

Bei der Sicherheitskonferenz 2019 des Landkreises Prignitz in Vehlow. Quelle: Matthias Anke

Ehrenamtliche waren gekommen, Vertreter des Kreisseniorenbeirats, des Jagdverbandes, gar Kleingärtner. Aber eben auch Vertreter des Landkreises und sämtlicher Kommunen und anderer Einrichtungen waren dabei bis hin zum Schulamtsleiter.

In der Gastgebergemeinde Thema Kriminalität zweitrangig

Dieses Mal trafen sie sich im Gumtower Dorf Vehlow, wo in der örtlichen Gastwirtschaft Gumtows Bürgermeister Stefan Freimark das Thema Kriminalität zumindest in seiner Gemeinde als ein zweitrangiges, aber doch existierendes bezeichnete.

„Von Kriminalität sind Städte immer etwas mehr betroffen. Das heißt aber nicht, dass wir keine Kriminalität haben“, sagte Freimark: „Es ist aber nicht brennend. Nicht das erste Thema, das die Bürger bewegt.“

Aufklärungsquote in der Prignitz erneut gesteigert

Landrat Uhe hatte den Gästen ein „anspruchsvolles Programm“ angekündigt. Darin galt wie immer der Lagebericht der Polizei als „gesetzt“. Dieter Umlauf, Leiter der Polizeiinspektion Prignitz, erläuterte die aktuelle Statistik, wonach der landesweit rückläufige Trend auch in der Prignitz abzulesen ist.

Die Hauptzahl der Straftaten konzentriere sich wie gehabt in den drei großen Städten Pritzwalk, Perleberg und Wittenberge: zusammen etwa 73 Prozent der rund 4600 im Jahr 2018 erfassten Fälle.

Die Aufklärungsquote konnte erneut gesteigert werden auf jetzt 63,8 Prozent. Dass zwei von drei Fällen aufgeklärt werden, liege daran, „dass man sich kennt“. Umlauf dankte allgemein „allen aufmerksamen Bürgern. Davon leben wir auch“.

Bevölkerung zunehmend sensibilisiert

Landrat Uhe bemerkte: „Wir konnten schon voriges Jahr sagen, dass die Prignitz sicher ist. Jetzt ist sie noch sicherer geworden.“ Ein Grund dafür sei in der zunehmenden Sensibilisierung der Bevölkerung zu sehen.

Im Detail gibt es auffällige Entwicklungen. „Wir haben ein zunehmendes Problem mit Straftaten im Straßenverkehr, die Fälle ohne gültigen Führerschein, unter Alkohol oder mit Drogen“, sagte Dieter Umlauf.

Alkohol und Drogen auch als auffällige Hauptunfallursachen

Anja Autzen, Sachbereichsleiterin Ordnung, Verkehr und Bußgeldstelle der Kreisverwaltung, und ein weiterer Vertreter der Verkehrsunfallkommission konnten das in ihrem Vortrag bestätigen.

Laut Statistik gab es auch den größten Anstieg unter allen Hauptunfallursachen bei Alkohol und Drogen: Waren es 2017 noch 31 Fälle, bei denen es insgesamt neun Verletzte gab, stieg die Zahl 2018 auf 48 Unfälle an mit insgesamt 22 Verletzten und erreichte damit wieder ein Niveau von vor fünf Jahren. Seither war die Fallzahl eigentlich gesunken.

„Das lässt uns aufhorchen, wenn eine Zahl so erheblich steigt“, sagte Umlauf.

Der „Druck“, der noch 2017 per Kontrollen auf die Straße gebracht werden konnte, sei anschließend nicht so erhalten geblieben, wie es erforderlich gewesen wäre. Daher gebe es Handlungsbedarf.

Unfallschwerpunkte erläutert

Zudem wurden die aus Sicht der Verkehrsunfallkommission bestehenden problematischsten Unfallschwerpunkte erläutert.

Die aktuell vier größten Unfallschwerpunkte im Landkreis Prignitz

Aus Sicht der Unfallkommission des Landkreises gibt es aktuell vier problematische Unfallschwerpunkte in der Prignitz.

Zwei davon befinden sich in Wittenberge. Es sind dort die Kreuzungen Perleberger Straße/Karl-Marx-Straße sowie die Parkstraße/Wilhelm-Külz-Straße. An beiden Orten gilt die Vorfahrtsmissachtung als Ursache, an der Kreuzung Perleberger Straße/Karl-Marx-Straße vor allem bei ausgeschalteter Ampel.

Wildunfälle, aber auch die Geschwindigkeit sind die Hauptunfallursachen auf der Bundesstraße 189, die einen Unfallschwerpunkt zwischen Pritzwalk und Groß Pankow darstellt.

Auch hinsichtlich der Wildunfälle, die in der Prignitz seit vielen Jahren trotz etlicher Projekte konstant zunehmen, gelte Rücksichtnahme. Das Wild lasse sich im Verhalten nicht ändern.

Ein vierter Unfallschwerpunkt ist in Perleberg der Kreisverkehr Hamburger Straße. Veränderte Markierungen sollen helfen.

Über das Thema „Ablenkung im Straßenverkehr“, maßgeblich durch Handys, sprach Anja Autzen ausführlich: „Man geht mittlerweile davon aus, dass jeder dritte Unfall durch Ablenkung passiert.“

Dabei sei Ablenkung als solche allerdings auch sehr vielschichtig von der Freisprechanlage bis zum Landschaftsbild, das Handy also nur eine Ursache von vielen. Anja Autzen: „Multitasking? Nein, das können wir nicht!“

Uhe dankte ihr anschließend: „Dieser Vortrag war auch gewählt worden, um das Thema Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme wieder mehr in die Öffentlichkeit zu tragen.“

Kay Kasüschke, der Landespräventionsbeauftragte, bei der Sicherheitskonferenz 2019 des Landkreises Prignitz in Vehlow. Quelle: Matthias Anke

Abschließend stellte Kay Kasüschke seine Arbeit als Landespräventionsbeauftragter vor. Er betonte dabei vor allem, wie wichtig es ist, sich zu vernetzen, solle jeglicher Art von Kriminalität effektiv vorgebeugt werden.

Dazu passte eben auch, dass bei dieser Sicherheitskonferenz der Verfassungsschutz – den Landrat Uhe bisher vielmehr nur als eine „Black Box“ empfand – der Prignitz die Hand reichte. „Es ist entscheidend, dass wir aufmerksam in unserer Gesellschaft sind.“

Von Matthias Anke

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