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Gumtow Paar lässt die Wikingerzeit lebendig werden
Lokales Prignitz Gumtow Paar lässt die Wikingerzeit lebendig werden
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00:24 30.09.2018
Dagmar und Sönke Hahn aus Kunow tauchen in ihrer Freizeit am liebsten in die Zeit der Wikinger ein. Quelle: André Reichel
Kunow

Dagmar und Sönke Hahn wohnen im auf halber Strecke zwischen Kyritz und Perleberg gelegenen Prignitz-Dorf Kunow. Beim Blick aus dem Fenster können die beiden auf den wuchtigen Turm der Feldsteinkirche schräg gegenüber schauen. Das Hobby, mit dem sich das Ehepaar beschäftigt, ist jedoch weit älter als der mittelalterliche Sakralbau und das Dorf in dem sie leben, denn sie sind „Wikinger“.

So weit hergeholt ist das gar nicht, denn Dagmar und Sönke Hahn stammen aus Schleswig-Holstein, einer Region ganz im Norden Deutschlands, wo tatsächlich einst die Nordmänner lebten und ihre Spuren hinterließen.

Dagmar und Sönke Hahn tauchen mit ihrem ungewöhnlichen Hobby in die Zeit der Wikinger ein. Die beiden Kunower sind von der Wikingerkultur fasziniert.

Als „Nordleute“ sind Dagmar und Sönke Hahn sehr naturverbunden. Bestimmte Eckdaten im Jahreskreis spielen hierbei eine überaus große Rolle bei den Wikingern und somit auch für die beiden. So wird die allseits bekannte Sommersonnenwende von ihnen genau so gefeiert, wie die Tag- und Nachtgleiche am 23. September und am 20. März oder die Wintersonnenwende um den 21. Dezember. „Solche Daten waren für die Menschen früher von großer Bedeutung, denn für sie war es überlebenswichtig zu wissen, wann der Winter endet, die Saat in die Erde muss oder wann die Erntezeit beginnt“, sagt Dagmar Hahn.

Eintauchen in eine andere Welt

Für die beiden Wahl-Kunower sind jedoch noch viel mehr Aspekte an der Wikingerkultur so faszinierend, dass sie sich damit intensiv auseinandersetzen. Zur Tag- und Nachtgleiche vor einer Woche zogen sich Dagmar und Sönke Hahn eigens ihre Wikingerkluft an und setzten sich auf ihrem Hof unter den schöngewachsenen Kastanienbaum. Dabei tauchen beide vielmehr in eine andere Welt und eine andere Zeit ein, als dass sie sich verkleiden.

„Es ist wie eine Verwandlung, man wird ein anderer Mensch“, meint Sönke Hahn. Derart verbunden mit der Natur und den nordischen Ahnen, resümieren die beiden die bisherigen Ereignisse des Jahres.

Dagmar Hahn trägt an ihrem Gürtel ein kleines Horn mit Kräutern und Erde aus Haithabu darin – als Erinnerung an die alte Heimat. Quelle: André Reichel

Allzu oft konnten sie diesmal nicht in die Wikingerwelt eintauchen, bedauern sie. „Es war zu viel los, was uns davon abhielt“, so Sönke Hahn. Doch im Oktober wollen sie sich doch noch einmal auf den Weg in die alte Heimat nach Schleswig-Holstein nahe der dänischen Grenze machen. „Dann besuchen wir Haithabu, den einstigen Handelsplatz der Wikinger an der Schlei“, berichtet Sönke Hahn. Am mächtigen Erdwall, der noch heute dieses alten Ort umgibt, kam Dagmar Hahn schon als Kind oft vorbei. „Meine Großeltern wohnen in der Nähe und ich war jedes Mal total fasziniert von diesem Platz und seiner Geschichte“, erzählt Dagmar Hahn.

Tour durch Brandenburg mit Freunden und Kollegen

Lange Jahre beschäftigte sich die heute 60-Jährige dann jedoch nicht mehr mit den Wikingern. Dagmar Hahn arbeitete später fast 20 Jahre in einem großen Pharmakonzern. Dann lernte sie im Jahr 2000 ihren Mann Sönke kennen. Die beiden planten damals zusammen eine Tour durch Brandenburg mit Freunden und Kollegen. So lernten Dagmar und Sönke Hahn ihre künftige neue Heimat kennen, wurden selbst ein Paar und heirateten bald schon.

Erst ab dieser Zeit flammte bei Dagmar Hahn das alte Interesse an den Wikingern wieder auf und ihr Mann ließ sich davon bereitwillig anstecken, denn zusammen machten sie Ausflüge, unter anderen nach Haithabu und zu Mittelaltertreffen, von denen es in Norddeutschland einige gibt. „Dort lernten wir tolle Leute kennen und wollten wie sie auch in Gewandung dort hin“, erzählt Sönke Hahn.

Sein Schwert hütet Sönke Hahn wie seinen Augapfel

So legten sich die beiden nach und nach ihre Ausrüstung zu. Möglich authentisch sollte es alles sein. „Was wir selbst nicht herstellen können, lassen wir von Leuten machen, die ihr Handwerk verstehen“, so Dagmar Hahn. Ihre Schuhe etwa ließen sie sich von einem Sattler aus Niedersachsen nach Original-Vorlagen erstellen. Sein Schwert hütet Sönke Hahn wie seinen Augapfel. „Früher wurden Schwerter sogar vererbt“, berichtet der 66-Jährige.

Manches Mal müssen die beiden „Wikinger“ mit Klischees aufräumen. „Es gab weder Hörnerhelme, noch waren die Wikinger ständig auf Raubzügen unterwegs“, sagt Sönke Hahn. Vor fünf Jahren zogen beide in die Prignitz. Ein befreundetes Paar, das ein Haus bei Dannenwalde kaufte, brachte sie auf den Gedanken, in der Prignitz neue Wurzeln zu schlagen. Die Landschaft ist schön, doch Gleichgesinnte fanden sie hier bislang nicht. So schlagen sie eben allein die Schamanentrommel und träumen von alten Zeiten, als der Mensch noch in Einklang mit der Natur war.

Von André Reichel

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