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Prignitz Halenbeck: Viel Chemie für schmale Ernte
Lokales Prignitz Halenbeck: Viel Chemie für schmale Ernte
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02:15 20.08.2015
Trotz Blütenpracht im Frühjahr: Die Schädlingsinvasion auf den Rapsfeldern der Region sorgte für hohe Ernteausfälle. Quelle: Claudia Bihler
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Üblicherweise ist Uli Kieback, Pflanzenbau-Chef der Agrargenossenschaft Halenbeck, ein zurückhaltender Mensch. Doch wenn er über das seit vergangenem Herbst geltende Beizverbot für Rapssaat spricht, dann kann er auch mal loswettern: „Das Beizverbot für Rapssaat hinkt der modernen Technik völlig hinterher. Das betrifft eventuell den Rapsanbau in Baden-Württemberg, wo noch mit vorsintflutlicher Technik gearbeitet wird und Spuren des Beizmittels beim Drillen freigesetzt werden. Hier arbeiten wir aber mit modernem Gerät, das Beizverbot ist völliger Quatsch.“

Ein winziger Schädling ist es, der alljährlich die Rapsernten der Landwirte bedroht: Der Große Rapserdfloh „Psylliodes chrysocephalus“ befällt die Pflanzen bereits nach der Saat im Herbst und bohrt sich später in die Pfahlwurzeln des Kreuzblütlers Raps. So geschwächt, produziert die Pflanze weniger Rapssaat – Ernteausfälle drohen. Um einen Befall zu mindern, setzt die Landwirtschaft schon seit Jahren sogenannte Saatgutbeizen ein. Doch für die gilt seit vergangenem Jahr und noch für die kommende Vegetationsperiode ein Anwendungsverbot: Es wird vermutet, dass die Beizen die Widerstandskraft von Bienen schwächen.

Raps macht weiter Sorgen

Die Beizen halfen auch gegen Kleine Kohlfliegen, weitere Rapsschädlinge.

Bei der Rapsaussaat, die unmittelbar bevorsteht, sind die Beizen jedoch auch für diese Vegetationsperiode nicht zugelassen.

Fachverbände empfehlen gegen den Rapserdfloh den Einsatz von Pyrethroiden, Kontaktgifte, die einem natürlichen Insektizid ähnlich sind und gegen fast alle Insekten wirken sollen.

Allerdings werden zunehmend Resistenzen gegen diese inzwischen weit verbreiteten Mittel beobachtet.

„Jetzt müssen wir aber bereits im Herbst zwei- bis dreimal mit alternativen Insektiziden flächendeckend über die Felder fahren“, sagt Kieback: „Auch dort, wo blankes Erdreich ist.“ Werden durch die Beizen zielgerichtet nur bestimmte Schädlinge ausgeschlossen, trifft die Totalbehandlung alles, was auf dem Acker lebt. „Zudem entwickelt der Rapserdfloh Resistenzen“, hat Kieback beobachtet. Dass seine Ernte dennoch „durchschnittlich“ ausfiel, ist dem Umstand zu verdanken, dass die Halenbecker den exakt richtigen Zeitpunkt zum Ausbringen der Pflanzenschutzmittel erwischt haben. Kieback: „Da muss man dann schon auch mal auf dem Bauch im Rapsfeld herumkriechen.“ Viel lieber wäre ihm aber, wenn wieder Beizen verwendet werden könnten: „Eine sinnvolle Methode.“

Deutlich weniger Ertrag hat Heiko Hartmann, Chef der Arargenossenschaft Preddöhl einbringen können: Mehrfaches Spritzen hat lediglich dafür gesorgt, dass zwei Drittel der Ernte gerettet werden konnte: „Im kommenden Jahr baue ich weniger Raps und dafür mehr Getreide an.“ Wegen hoher Schäden hatte Hartmann bereits im Frühjahr Alarm geschlagen.

Beim Kreisbauernverband Prignitz weiß Geschäftsführerin Gisela Stettin, dass die Ernte überall zwischen zehn und 20 Prozent schmaler ausgefallen ist als gewöhnlich: „Und das, obwohl wir wesentlich mehr Pflanzenschutzmittel eingesetzt haben, obwohl wir den Einsatz eigentlich minimieren wollen.“ Viele hätten bereits im Herbst ihre frisch bestellten Felder umgebrochen und stattdessen Sommergetreide ausgesät.

„Wir schreien ja gar nicht nach mehr Chemie“, sagt Stettin, „aber wir brauchen eine effiziente Lösung, die einen Schutz vor Parasiten so gewährleisten kann, dass durchschnittliche Rapserträge von 33 bis 38 Doppelzentnern pro Hektar Fläche möglich sind.“

Von Claudia Bihler

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