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Heft zum 350. Geburtstag von Gottfried Arnold

Perleberg Heft zum 350. Geburtstag von Gottfried Arnold

In der Reihe der Perleberger Hefte liegt nun eine Neuerscheinung vor. Sie ist anlässlich seines 350. Geburtstages dem Theologen Gottfried Arnold gewidmet, der bis zu seinem Tod 1714 als Superintendent in der Rolandstadt wirkte. Erstmals ist darin eine Originalpredigt des Kirchenmannes zu einem Hochwasser veröffentlich.

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Martina Hennies und Daniel Feldmann vor der Erinnerungstafel an Gottfried Arnold in der Jacobikirche.

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. In wenigen Tagen, am 5. September, jährt sich zum 350. Mal der Geburtstag von Gottfried Arnold, dessen Name heute das Gymnasium in Perleberg trägt. „Gottfried Arnold zum 350. Geburtstag“ heißt die Publikation in der Reihe „Perleberger Hefte“, die jetzt vorliegt und von Martina Hennies, Mitarbeiterin des städtischen Kulturamts, und Daniel Feldmann, amtierender Superintendent des Kirchenkreises Prignitz, am Mittwoch vorgestellt wurde in Gottfried Arnolds einstiger Wirkungsstätte – der St. Jacobi-Kirche in Perleberg.

Sanftere, verinnerlichtere, aber auch skrupolösere Sprache

Das 36 Seiten umfassende Heft besteht gewissermaßen aus drei Abschnitten. Der Schweizer Germanist und langjährige Redakteur der „Neuen Züricher Zeitung“ Roger Friedrich stellt das nicht geringe lyrische Werk Gottfried Arnolds vor. Dichter war Arnold vor allem von 1698 bis 1701 in seinen Quedlinburger Jahren, als er an seinem Hauptwerk „Kirchen- und Ketzerhistorie“ schrieb. Roger Friedric, der eine Dissertation über den dichtenden Theologen verfasst hat, zieht Vergleiche zu den Kirchenliedern Paul Gerhardts und Martin Luthers, wobei ihm die „sanftere und verinnerlichtere, aber auch eigentümlich modern skrupulöse Sprache“ Arnolds auffällt.

Das Cover des Heftes

Das Cover des Heftes.

Quelle: Beeskow

Nach dieser meist weniger beachteten Seite in Arnolds Schaffen rückt der unermüdliche Prediger und Verfasser von theologischen Schriften in den Mittelpunkt des Heftes. Erstmals wird der Öffentlichkeit eine Predigt Gottfried Arnolds zu einem verheerenden Hochwasser in Perleberg zugänglich gemacht. Am 14. und 15. Februar 1709 staute sich das Wasser der Stepenitz. Schließlich brach der vereiste Fluss auf. Wassermassen und Eisschollen ergossen sich in die Stadt. Tausende Menschen wurden von dem Hochwasser bedrängt, nicht wenige verloren ihr Dach über dem Kopf. Zwei Tage später, am darauffolgenden Sonntag hielt Gottfried Arnold, der 1707 in Perleberg die Stelle des Superintendenten übernommen hatte, sein Predigt. Das Hochwasser verstand er als eine Strafe Gottes für ein sündhaftes Leben. Doch Gott habe noch einmal Milde wallten lassen. Niemand sei in den Wassermassen umgekommen. Gottfried Arnold forderte die Perleberger auf, weniger die Trinkhallen zu besuchen und dafür häufiger die Kirche. Er sprach auch die Sonntagsarbeit an, die zu unterlassen sei.

Empfänglich für Erweckungserlebnisse

Superintendent Daniel Feldmann kommentiert im dritten Teil des Heftes diese Predigt. „Heute ist es uns fremd geworden, wie die Menschen damals dachten“, erklärt Daniel Feldmann. Arnold sei ein führender Vertreter des Pietismus gewesen. Erweckungserlebnisse, Erlebnisse, die zu einem Umdenken führen, hätten eine große Rolle für Gottfried Arnold gespielt.

Aber auch heute würden Menschen nach Wegen suchen, um mit Katastrophen umzugehen: die Elbehochwasser oder der Absturz der Germanwings. Es geht um Solidarität und ein Zusammenstehen, aber auch um das kritische Hinterfragen des eigenen Handelns.

Martina Hennies dankte ausdrücklich dem Perleberger Bürgerverein für die Finanzierung des Heftes. Die Reihe der Perleberger Hefte gibt es seit 1989. Im Vorjahr lebte die Publikation mit Heft 9 wieder auf. Mit der aktuellen Ausgabe zum 350. Geburtstag Gottfried Arnolds liegt nunmehr das 15. Heft in dieser Reihe vor.

Von Michael Beeskow

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