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Prignitz Hefte im Amtsgericht vorgestellt
Lokales Prignitz Hefte im Amtsgericht vorgestellt
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00:17 25.07.2016
Bei der Vorstellung der Hefte dabei: Frank Jüttner, Annett Jura, Wolfram Hennies und Egbert Simons (v.l.n.r.) Quelle: Bernd Atzenroth
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Perleberg

Der Saal im Perleberger Amtsgericht war voll, so voll, wie es selbst dessen Leiter Frank Jüttner lange nicht erlebt hatte. Dabei ging es gar nicht um einen spektakulären Fall, sondern gleich um etwa 30 Verfahren. So viele sind nämlich in Band 13 und 14 der Perleberger Hefte dokumentiert. In Heft 13 sind es die älteren Kriminalfälle aus vergangenen Jahrhunderten, während sich neuere Verfahren im Heft 14 wiederfinden. Zusammengetragen hat sie der promovierte Historiker Wolfram Hennies, der seit vielen Jahren lang auch als Journalist tätig ist und unter anderem für die MAZ einige Jahre lang aus dem Perleberger Amtsgericht berichtet hatte. Das fertige Produkt, eben die beiden genannten Hefte, liegt nun vor und wurde am Freitag im Amtsgericht öffentlich vorgestellt.

Für Bürgermeisterin Annett Jura war der Termin eine Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte, denn Anfang der neunziger Jahre wurde sie hier als Bürokauffrau ausgebildet. „Wo, wenn nicht hier, hätte man diese beiden Hefte präsentieren sollen?“ fragte das Stadtoberhaupt rhetorisch in die Runde. Jüttner erinnerte an die lange Geschichte der Gerichtsbarkeit in Perleberg: „Sie gehört zu den Standortfaktoren. Im Moment ist das Amtsgericht die einzige Landesbehörde in Perleberg“, meinte Jüttner in Gegenwart des Neuruppiner Landgerichtspräsidenten Egbert Simons, der ebenfalls unter den Besuchern der Veranstalltung war.

Auch Perleberg hatte seinen „Hauptmann von Köpenick“

Wolfram Hennies hatte für die Gäste zwei Geschichten herausgesucht, die er ihnen nahebrachte. Zum einen eine Perleberger Version des Hauptmanns von Köpenick, die für den Angeklagten in dem Verfahren mit sechs Monaten Haft und einem Jahr Ehrverlust endete, zum anderen ein typisches Nachwendeverfahren am Perleberger Amtsgericht mit einem Protagonisten, der sich den Führerschein nicht leisten konnte, aber trotzdem Trabi fuhr, der keine Arbeit hatte, aber gerne alle Sozialstunden ableistete. Hennies betonte im Nachgang zu der kleinen Lesung, dass die Fälle auch immer die soziale Situation in einer Gesellschaft widerspiegeln. Im 19. Jahrhundert habe es ein paar Geschichten gegeben, die sehr betroffen machten: „Für Mundraub wanderte man Jahre ins Gefängnis“, erklärte Hennies. Angesichts dessen hielt Jüttner ein kleines Plädoyer für das jetzt obwaltende humane Strafrecht, „denn was wäre die Alternative?“

Launig trug Wolfram Hennies die Kriminalfälle vor. Quelle: Bernd Atzenroth

Natürlich enthalten die Geschichten auch Angaben über den berühmtesten Perleberger Kriminalfall, nämlich das Verschwinden des englischen Gesandten Lord Bathurst im Jahr 1809. Das Meiste aber, was Hennies vor allem aus Amtsblättern und Zeitungsartikeln zusammengetragen hatte, sofern er nicht selbst im Gerichtssaal gesessen hatte, war eher unspektakulär. Manchmal handelte es sich aber auch um kleine Schmonzetten, die eher zum Schmunzeln anregen, wie etwa den beiläufigen Diebstahl einer gefrorenen Ente. Annett Jura stieß sofort auf einen Fall, in dem es darum ging, wie sich eine Ehefrau ihres Mannes entledigte. „Die Begeisterung für Strafrechtsfälle in der Bevölkerung ist geblieben“, ist sie sich sicher und glaubt daher auch, dass sich viele Menschen für die beiden Hefte interessieren werden. „Ich fand die Auswahl der Fälle sehr schön“, lobte auch Jüttner.

Bereits in zwei Wochen gibt es wieder einen Kulturtermin im Amtsgericht: Dann steht die Eröffnung einer weiteren Ausstellung mit Bildern und Werken von Germut Miesch an.

Von Bernd Atzenroth

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