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Prignitz Heiko Reissigs galante Geburtstagsgala
Lokales Prignitz Heiko Reissigs galante Geburtstagsgala
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00:18 30.09.2016
In der Pause gibt es ein Wiedersehen mit Heiko Reissigs (M.) ehemaligem Lehrer Manfred Deuble (r.). Quelle: Beck
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Wittenberge

Samstagnachmittag im Wittenberger Kultur- und Festspielhaus: „Ich lade mir gern Gäste ein“, heißt die Show, die in einer Stunde stattfindet, und die ersten Gäste kommen jetzt tatsächlich schon in den Saal. Die Plätze sind ausverkauft, aber sicher ist sicher.

Der Gastgeber, Heiko Reissig, hat doppelten Grund zur Freude: Sein Geburtstag war zwar bereits schon im Februar, aber jetzt geht gleich die große Show anlässlich seines 50. Wiegenfestes und seines 40-jährigen Bühnenjubiläums über die Bühne, „denn ich wollte hier in Wittenberge, wo ich geboren bin, feiern!“

Momentan ist der liebenswert-freundliche Kammersänger, der noch in kariertem Hemd und hellbrauner Hose steckt, aber nicht ansprechbar - es ist das Lampenfieber, „später, in der Pause bitte!“. Das haben hier alle, und das bestätigt sogar Entertainer, Moderator und „Schätzen Sie mal“-Experte Lutz Hoff, der schon hinter der Bühne sitzt und mit Ehefrau Irina noch mal seine „Gags“, die ihm dann später so leicht über die Lippen kommen werden, genauestens überprüft: „Ohne Lampenfieber geht es nicht, das gehört einfach dazu!“. Und dann kommt ein dickes Lob dazu: „Eine ganz tolle Bühne hier!“

Renata Ravell Quelle: Kerstin Beck

Unbeweglich wie eine Säule steht Travestiekünstlerin Renata Ravell hinter dem Vorhang, obwohl sie erst in einer Dreiviertelstunde „dran ist“. Sopranistin Alexandra Lachmann, die das „Geburtstagskind“ von ihrem Studium her kennt, sitzt dagegen ganz allein auf der anderen Seite und sagt: „Bitte schreiben Sie unbedingt, dass ich vor Herrn Reissig den Hut ziehe, er hat uns alle hierher organisiert und unter einen Hut gebracht!“

Gegen die stickige Luft ist eine Tür am Bühnenausgang geöffnet. Hier steht - scheinbar ganz nachlässig, aber immer voller Aufmerksamkeit - Harms Henning mit seinem Feuerwehr-Kollegen: „Wir haben alles abgenommen, Konfetti-Werfer und Fontänen, es kann also losgehen!“ Beleuchtungs- und Bühnenmeister Dietmar Drawe und Stefan Zastrow sind ebenfalls auf ihren Posten, und Punkt 16 Uhr geht es wirklich los.

Bevor Heiko Reissig dann unter großem Applaus seine Gäste mit „Heut ist der schönste Tag“ begrüßt, gibt es erst einmal etwas ganz Kurioses: Eine Aktuelle-Kamera-Ansage von Klaus Feldmann, der 1983 als Nachrichtensprecher den Vaterländischen Verdienstorden bekam und der dem Gratulanten auch die besten Glückwünsche des Ministerrates der DDR übermittelt - es ist ein kleiner Vorgeschmack auf das Kommende. Denn nun treten die eingeladenen Freunde auf, in bester bunter Showmanier der 60er und 70er Jahre, fröhlich dazu die Moderation durch Lutz Hoff, der einen Fuß in der Bandage trägt: „Den habe ich verletzt im Verkehr, aber zusammen mit einem Verkehrsmittel!“

Regina Thoss überraschte das Publikum mit ihrem feurigen Temperament. Quelle: Kerstin Beck

Hinreißend nun Alexandra Lachmann mit „Oh mein Papa“, danach Volker Jung, Stefanie Simon und Bert Beel. Und bevor Steffi & Bert weitermachen, gefolgt von Mikhael Mordvinov am Flügel, Kammersängerin Christine Wolff sowie Kammersänger Johannes von Duisburg und endlich auch Renata Ravell mit „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, gibt es eine große Überraschung: Dem Jubilar wird von Karina Willam, die extra aus Wien angereist ist, der österreichische Musikkulturpreis verliehen. Und dem steht die Stadt Wittenberge nicht nach: Waltraud Neumann, die stellvertretende Bürgermeisterin, steht nun mit Pressesprecherin Christiane Schomaker neben Heiko Reissig, der sich nun ins Goldene Buch der Stadt eintragen darf. „So war es, so ist es, und so wird es immer sein“ kommentiert „Paul Lincke“, der natürlich auch mit von der Partie ist und hinter dem sich Jürgen Schmidt versteckt, das Geschehen. Dabei darf natürlich auch der Wittenberger Shanty-Chor nicht fehlen. Dazu gibt es noch einen Auftritt einer der gefeiertsten Sängerinnen aus früheren Zeiten: Regina Thoss sorgt mit ihrem noch immer feurigen Temperament für stehende Ovationen, und zuletzt gibt es ein wunderbares Bild: Bert Beel, Heiko Reissig, Regina Thoss, Volker Jung, Johannes von Duisburg und dahinter die „Buhnenkieker“ intonieren „Sierra Madre“. Und nun die Pause.

Hier ist Heiko Reissig keine Ruhe vergönnt. Es gibt ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Lehrer Manfred Deuble aus Wittenberge. Und dazu den Hinweis: „Hören Sie sich unbedingt noch Walter Scholz an, der kürzlich beim Papst war und auch bei Königin Silvia, wenn er seine Trompete bläst, kommen bei den Leuten die Tränen!“

Trompeter Walter Scholz war kurz zuvor beim Papst und auch bei Königin Silvia zu Gast. Quelle: Kerstin Beck

Bis dahin gibt es aber noch etwas völlig „Irres“: „Angelique und Kavalier“ lassen die Hüte tanzen, und der Herr des Duos versteht die seltene Kunst der „Chapeaugraphie“: Im Zehntelsekundentakt verändert der smarte Gigolo sinnigerweise bei „Let’s twist again“ seine Kopfbedeckung und zugleich seine Identität und auf der Bühne erscheinen Gestalten wie Napoleon Bonaparte, der „alte Fritz“, Egon Olsen oder ein betender Eremit, der sich plötzlich in sich selbst überschlägt.

Ein bisschen Zeit ist noch, und zuletzt gibt es neben dem großen Feuerwerk die Zugabe „Das macht die Wittenberger Luft!“ Aber so, wie es Lutz Hoff prophezeit hat, dass Heiko Reissig „nach der Show zu seinen Eltern in seine Kammer geht, denn er ist ja ein Kammersänger“, wird es bestimmt nicht ausgehen: In Reihe 14 sitzen Eltern, Verwandte, Freunde, Bekannte und Schulkameraden des Künstlers, die sich auf einen schönen privaten Ausklang des Abends freuen.

Großartig: Angeliques „Kavalier“, der sich in deiner „Chapeaugraphie“ mit sich selbst überschlägt. Quelle: Kerstin Beck

Von Kerstin Beck

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