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Prignitz Historisch bis unters Dach
Lokales Prignitz Historisch bis unters Dach
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13:02 11.03.2018
Bauleiterin Annette Schulze-Mack (m.) zeigt Ronald Otto (l.) und Gordon Thalmann (r.) die historischen Spuren von vor fast 500 Jahren an der Grundmauer des Gebäudes. Quelle: Marcus J. Pfeiffer
Perleberg

Ursprüngliche Elemente mit neuen energetischen Standards zu vereinen, ist das oberste Ziel bei der aktuellen Sanierungsmaßnahme der Wohnungsgesellschaft Perleberg/Karstädt. Seit Herbst vergangenen Jahres wird das drittälteste Gebäude in der Perleberger Karl-Marx-Straße 8 denkmalgerecht saniert und so vor dem Verfall gerettet. Im Jahr 1555 errichtet, zählt es sogar zu den Top 10 der ältesten Gebäude im Land Brandenburg, ist sich Gordon Thalmann von der Baudenkmalpflege sicher. Er begleite das Projekt Tag für Tag und hat sich tiefgründig mit der Geschichte des Gebäudes auseinandergesetzt.

Das Vorhaben sei aus seiner Sicht schon eine Art Pilotprojekt. Sogar die Landesdenkmalpflege erwarte Ergebnisse dieses Vorzeigeprojektes. „Das Haus an sich ist schon was Besonderes“, so Thalmann. Insbesondere die Lage direkt an der Stadtmauer und die Nähe zum Stadtzentrum sei außergewöhnlich. „Bei der Stadtentwicklung und Stadterweiterung hat man vieles niedergelegt.

Die zerstörte Rückseite vor der Sanierung. Quelle: Wohnungsgesellschaft Perleberg/Karstädt

Doch hier blieb die ursprüngliche Situation mit wertvoller Geschichte erhalten“, führt der Baudenkmalpfleger fort. Um die Zeit des Zweiten Weltkriegs gab es bereits Pläne und eine Genehmigung zum Abriss des alten Gebäudes, doch man erkannte rechtzeitig die Besonderheit des stadtgeschichtlichen Werks. Zuletzt wohnte dort ein Apotheker. Seit der Wende stand es leer. Schließlich bestimmte ein Bauforscher das Baualter und datierte dieses bis in das 16. Jahrhundert zurück.

Bei dem Haus handelt es sich um einen sogenannten Ständer-Geschoss-Bau, es gibt keine bauliche Trennung der Geschosse. Vor der derzeitigen Sanierung war ein Großteil der hinteren Fassade offen. „Das Haus hatte auf seiner Rückseite ein großes Loch“, betont Bauleiterin Annette Schulze-Mack.

Bereits seit 2011 war das Anwesen anhand von Sicherungsmaßnahmen zusätzlich geschützt. Besonders stolz sind die Bauherren darauf, dass eine alte Querwand und Lehmbalken an der Decke erhalten blieben und auch ein historischer Treppenaufgang zum Dachgeschoss. „Das soll auch wieder gezeigt werden“, so Schulze-Mack. Derzeit arbeite ein Bauhistoriker an der Querwand, um diese zu verschalen, die Treppe befindet sich aktuell beim Tischler.

Noch voll eingerüstet wird das Gebäude saniert. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

„Jeder Tag ist anders, ich lerne neue Fachbegriffe kennen und wir lösen gemeinsam Probleme“, sagt Ronald Otto, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Perleberg/Karstädt. Der Wohnungsbau und die Sanierungen seien mit damals und heute nicht zu vergleichen. Trotzdem versuche man beides nach jetzigen Standards in der Karl-Marx-Straße umzusetzen. So soll auch nach der Sanierung das Historische zu sehen sein. „Mit der Dämmung ist es schwierig, innen Fachwerk zu erhalten. So wollen wir zumindest alte Wände und Balken an den Innenwänden wie in den Fluren sichtbar machen. Wir sanieren im Bestand“, so Otto, „damit auch die Außenwände historisch bleiben.“

Bereits vor einigen Jahren sanierte die Wohnungsgesellschaft das zweitälteste Gebäude der Stadt, das Knaggenhaus auf dem Großen Markt. Doch ein Vergleich beider Bauten ist kaum möglich. Insgesamt zählen über 20 Häuser der Wohnungsgesellschaft zum Sanierungsgebiet der Altstadt. „Eine Sanierung des aktuellen Gebäudes hätte ich anfangs nie für möglich gehalten“, sagt Otto. Doch nun entsteht eine Wohneinheit auf 135 Quadratmetern mit einer Investitionssumme von 520 000 Euro. „Dabei können wir nicht großflächig planen, sondern Woche für Woche. Bei fast jeder Wand und jedem Balken führen wir Gespräche und gehen auf Kompromisse ein“, so der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft.

Im Inneren ist viel zu tun. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Auch ein Teil der dortigen angrenzenden Stadtmauer liegt auf dem Grundstück und wird mit saniert. Hinzu kommt ein Hof in gemeinschaftlicher Nutzung mit Grünflächen. „Ein großes Lob geht an alle Beteiligten. Mit der Wohnungsgesellschaft haben wir eine gute Zusammenarbeit, das ist nicht selbstverständlich“, sagt Bauleiterin Annette Schulze-Mack.

Es soll ein Gesamtkomplex entstehen. Schon zuvor gab es Sanierungen in der angrenzenden Heilige-Geist-Straße. „Die Anwohner sollen nicht auf Ruinen schauen, Baulücken wollen wir schließen“, so Otto. Ein Augenmerk lege man bei den Maßnahmen auch auf Barrierefreiheit und Grünanlagen. Zuvor war der gesamte Hof verbaut. Dort stand ein Tischlerbetrieb. „Wir erwarben das Areal aus einer Zwangsverwaltung heraus und begannen mit dem Rückbau“, führt Ronald Otto fort. Der damalige Eigentümer wollte einen Supermarkt errichten, ging aber Pleite.

Jede Wand erfordert eine eingehende Behandlung. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Einen neuen Mieter für die aktuelle Sanierung des Hauses in der Karl-Marx-Straße gibt es noch nicht, berichtet Ronald Otto. „Ein erster Interessent ist aus persönlichen Gründen zurückgetreten.“ Jeder, der Interesse an historischen Bauten hat und sich vorstellen kann, in einem zu wohnen, wo es teilweise auch Türen gibt, die nur 1,70 Meter hoch sind, kann sich jederzeit bei der Wohngesellschaft melden. Nach derzeitiger Planung soll die Sanierung im Mai oder Juni dieses Jahres zum Abschluss kommen.

Von Marcus J. Pfeiffer

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