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Hölzerne Engel in Sadenbeck gelandet

Restaurierte Figuren sind zurück Hölzerne Engel in Sadenbeck gelandet

Fast zwei Jahre waren sie entschwebt, jetzt sind zwei hölzerne Figuren von kunsthistorischem Rang in die Heimatkirche nach Sadenbeck zurückgekehrt. Ein Taufengel und ein Schalldeckelträger, beide um 1730 entstanden, wurden aufwendig restauriert. Die Gemeinde heißt die himmlischen Boten am 10. Oktober mit einem Festgottesdienst willkommen.

Sadenbeck 53.186750450908 12.266364097595
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Der Taufengel in der Kirche von Sadenbeck bei Pritzwalk.

Quelle: Andreas König

Sadenbeck. Wurmstichig waren beide, und die Fraßlöcher in den hölzernen Körpern vermochten auch die Restauratoren nicht zu stopfen. Aber alles in allem hat die Sadenbecker Kirche ihre – wenn auch hölzernen – Kronjuwelen nun zurückerhalten. „Schauen Sie sich an, wie filigran die Gewänder gearbeitet sind“, schwärmt Susanne Gloger und streicht vorsichtig über das Gewand des Taufengels. Die Figur hat ihr Gesicht zurückerhalten – und auch die Füße sind, ja was? Wie neu kann man nicht sagen, denn die Restauratoren Thoralf Herschel und Matthias Schmerbach haben große Mühe darauf verwandt, den richtigen Ton zu treffen, sowohl bei der Farbe als auch bei der bildhauerischen Handschrift.

Die Löcher des Holzwurms sind immer noch zu sehen, doch der Schädling ist mit Gas vertrieben worden

Die Löcher des Holzwurms sind immer noch zu sehen, doch der Schädling ist mit Gas vertrieben worden.

Quelle: Andreas König

Zwei hölzerne Figuren waren im Sadenbecker Pfarrhaus gefunden worden: ein Taufengel und eine ebenfalls an einen Engel gemahnende Schalldeckelträgerin. Letztere stützte einst den dachartigen Schalldeckel, der den Worten des von der Kanzel predigenden Pfarrers den rechten Nachdruck verlieh. Beide müssen vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts aus der Kirche verbannt worden sein. Die Gemeindechronik vermerkt dazu Folgendes: „Im Jahre 1833 musste die Kirche wegen der zugenommenen Bevölkerung vergrößert werden. Bei dieser Gelegenheit wurde sie fast ganz neu gebaut und alles, Bilder und Schnitzwerk, aus derselben entfernt.“

Der Engel und die Altarfigur kamen auf den Dachboden der Kirche. Dort hat sie Hildegard Burmeister, langjährige Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, als Kind noch gesehen. „Später lagen sie drüben im Pfarrhaus“, erinnert sich Hildegard Burmeister.

Bewundern den Sadenbecker Taufengel (vl)

Bewundern den Sadenbecker Taufengel (v.l.): Margarete Hecht, Ilona Giese und Susanne Gloger.

Quelle: Andreas König

Nach knapp zweijähriger Tour durch Berlin und Brandenburg sind beide Figuren nun zurückgekehrt. Zunächst waren sie in einer Engelausstellung in der Paul-Gerhardt-Kirche in Berlin Prenzlauer Berg zu sehen, wo sich bei ihrem traurigen Anblick viele Spendenwillige erbarmten. Auch der Förderkreis Alte Kirchen, Privatleute und Firmen taten ihr Übriges, sodass die Restaurierung der Figuren finanziell zu leisten war. Mit einigem Erfolg: Der Engel hat wieder Kopf und Füße und verschiedene Schadstellen wurden ausgebessert. Aber die Flügel und die Hände fehlen. Während Hildegard Burmeister das Abbild des himmlischen Boten in seiner jetzigen Gestalt noch gelten lässt, hätte sie sich für die zweite Figur etwas mehr gewünscht. „Dass da kein Kopf ist, finde ich schade“, sagt die Sadenbeckerin. Susanne Gloger erklärt: „Das sind nun mal die Spuren der Geschichte, die kann man nicht alle verwischen. Ich jedenfalls finde beide Figuren sehr gelungen“, sagt sie und hilft dem Maurermeister Winfried Giese und dem Tischler Denny Bittner dabei, den Sockel für die Altarfigur an der Feldsteinwand der Kirche zu positionieren. Und als der Platz gefunden ist und die prüfenden Blicke vom schwebenden Engel zu dessen leider kopflosem Verwandten schweifen, stellt sich doch ein geradezu himmlisches Wohlgefallen ein. „Ja“, sagt Susanne Gloger, „das ist sehr schön geworden.“

Susanne Gloger zeigt die Figur des Schalldeckelträgers

Susanne Gloger zeigt die Figur des Schalldeckelträgers. Sie ist weiblich – und kopflos. Das verschwundene Haupt konnte nicht mehr rekonstruiert werden.

Quelle: Andreas König

Dass die neuen alten Figuren in der Kirche auch den Geschmack der übrigen Sadenbecker Gemeindeglieder treffen, hofft Ilona Giese von der Gemeinde inständig. Schon, weil so viel Geld, Mühe und Arbeit in den Figuren stecken. „Also ich finde auch den Kopf sehr gelungen“, sagt sie. Da der Engel nach seinem Auffinden im Schuppen des Pfarrhauses nur noch einen von Würmern und anderem Ungeziefer nahezu glatt genagten Rundling auf dem Hals trug, waren die Restauratoren Thoralf Herschel und Matthias Schmerbach auf ähnliche Figuren aus gleicher Zeit angewiesen. Die Sadenbecker Figuren stammen laut Thoralf Herschel nicht wie vermutet aus der Werkstatt des Havelberger Bildhauers Heinrich Joachim Schultz. „An dessen Qualität reicht die der Sadenbecker Figuren nicht ganz heran. Wahrscheinlich war es einer seiner Schüler“, sagt Thoralf Herschel. In der Kirche von Schönfeld bei Perleberg gibt es zwei Figuren, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von demselben Bildhauer erschaffen wurden.

Sadenbecker und Interessierte aus Nah und Fern haben am Sonnabend, 10. Oktober, ab 14 Uhr Gelegenheit, die Engel mit eigenen Augen zu sehen. Susanne Gloger hält einen Fachvortrag. Anschließend gibt es Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. Und diese Speisen schmecken wohl so himmlisch, dass sie selbst Engeln munden.

Von Andreas König

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