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„Ich kroch auf allen Vieren in die Bahn“

Horrorerlebnis Deutsche Bahn „Ich kroch auf allen Vieren in die Bahn“

Erna Kirsch aus Pritzwalk lebt seit Jahrzehnten mit ihrer Behinderung wegen Kinderlähmung. Doch so gedemütigt wie bei einer Bahnfahrt von der Schmerz­sprech­stunde in Groß Pankow nach Pritzwalk fühlte sie sich noch nie. Wegen der hohen Bahnsteigkante musste sie auf allen Vieren in den Waggon kriechen. Die Service-Hotline der Bahn ließ die Rentnerin eiskalt abblitzen.

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Die Rentnerin Erna Kirsch hat schlimme Erfahrungen auf dem Bahnhof Groß Pankow gemacht.

Quelle: Andreas König

Pritzwalk/Groß Pankow. Flucht, Vertreibung und Kriegswirren - seit Jahrzehnten leidet Erna Kirsch an den Folgen der Kinderlähmung. Ebenso lange ließ sie sich davon nicht unterkriegen. Aber so gedemütigt wie kürzlich auf dem Bahnhof in Groß Pankow hat sich die 72-Jährige Seniorin aus Pritz­walk selten gefühlt. „Ich musste dorthin zur Schmerztherapie“, berichtet Erna Kirsch. Während die Hintour von Pritzwalk im Bus vergleichsweise angenehm verlief, entwickelte sich die Rückreise zum wahren Horrortrip. „Zunächst bin ich nach der Sprechstunde von der Augenklinik zu Fuß zum Bahnhof zurückgegangen“, sagt Erna Kirsch.

Rentnerin kannte die Gegebenheiten am Bahnhof Groß Pankow nicht

Das klingt für die meisten Gesunden Menschen nach einem ausgedehnten Spaziergang, doch Erna Kirsch ist auf ihren Rollator angewiesen. Als die Rentnerin den Bahnhof von Groß Pankow erreicht hatte, war sie heilfroh. Doch das Schlimmste sollte erst noch kommen. „Ich war vorher noch nie in Groß Pankow und kannte daher auch die Gegebenheiten am Bahnhof nicht“, sagt Erna Kirsch. Umso größer war ihr Schreck, als der Zug einfuhr. „Von der Bahnsteigkante bis zur Waggontür war ein Höhenunterschied von bestimmt einem halben Meter“, sagt Erna Kirsch. Diese Kluft konnte die bewegungseingeschränkte Frau nicht mit dem Rollator überwinden.

Der Bahnhof in Groß Pankow

Der Bahnhof in Groß Pankow.

Quelle: König

In den Wagen heben wegen Schmerzen unmöglich

„Die Mitarbeiter der Bahn boten mir zwar an, mich in den Wagen zu heben, aber ich bin aufgrund meiner Krankheit so schmerzempfindlich, dass ich das nicht ausgehalten hätte“, sagt Erna Kirsch. In ihrer Not kniete die 72-jähige, schwerkranke Frau nieder und „kroch auf allen Vieren in den Waggon“, schildert Erna Kirsch ihr Erlebnis. Der Anblick habe auch die Bahnmitarbeiter betroffen gemacht. Die Reisende selbst sagt: „So sehr habe ich mich noch nie erniedrigt gefühlt.“ In anderen Zügen, zum Beispiel denen der Eisenbahngesellschaft Potsdam zwischen Pritz­walk und Meyenburg, würden die Mitarbeiter eine selbstgebaute Konstruktion verwenden, um behinderten Menschen die Reise zu erleichtern.

Patzige Antwort vom Mitarbeiter des Service-Telefons

Erna Kirsch wollte sich bei der Bahn erkundigen, wie sich Menschen mit Behinderung auf dem Bahnhof Groß Pankow verhalten sollen. „Ich habe eine Servicenummer gewählt, aber der Mitarbeiter hat mir erklärt, ’wir können nicht für jeden zuständig sein.’“ Ich habe ihn dann gefragt ’Wissen Sie, wie viele behinderte Menschen es in Deutschland gibt, die auf die Bahn angewiesen sind?’ Er antwortete ’Das interessiert mich nicht’ und hat aufgelegt. Ich dachte, ich bin im verkehrten Film.“ Die Pritzwalkerin würde liebend gern auf die Bahnreise verzichten, aber in den nächsten Monaten muss sie die Strecke noch ein paar Male zurücklegen. „Ich habe jetzt schon Angst vor Groß Pankow“, sagt sie.

Bahn entschuldigt sich und bietet Hilfe an

Die MAZ schilderte den Fall Gisbert Gahler vom Regionalbüro Kommunikation der Bahn. „Wir haben Einstieghilfen an den Zügen, diese können aber den großen Abstand in Groß Pankow nicht überbrücken. Derzeit planen wir die Modernisierung des Bahnhofs und insbesondere der Bahnsteige für nächstes Jahr. Wir bedauern, dass die Kollegin in der zentralen Hotline ihrem Dienstleistungsauftrag nicht entsprochen hat. Die Reisende kann sich bei den Kollegen von DB Station und Service melden. Die Kollegen organisieren dann eine alternative Transportmöglichkeit zu den notwendigen Arztterminen zum Beispiel per Taxi, solange die Bahnsteige noch nicht modernisiert worden sind.“

Von Andreas König

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