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Im blauweißen Bus durch Perleberg

Auf Streife mit der Polizei Im blauweißen Bus durch Perleberg

Die beiden Polizisten Josephin Hintze und René Clement fahren Streife. Der Dienst ist abwechslungsreich: Er kann aufregend, aber auch langweilig und ermüdend sein, je nachdem, was gerade geschieht. Von gelegentlichen Beleidigungen durch Verkehrssünder lassen sich die Beiden ihre Freude am Beruf nicht verderben.

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Josephin Hintze und René Clement im Einsatz in Perleberg.

Quelle: Beate Vogel

Perleberg. Langsam rollen Polizeikommissarin (PK) Josephin Hintze und Polizeimeister (PM) René Clement im VW T 5 durch die Perleberger Altstadt. Während Clement den blauweißen Bus steuert, hält Hintze Ausschau. „Wir drehen jetzt erst mal eine Stadtrunde“, erzählt sie. Nebenbei lauscht sie auf „Einstein“. So lautet der Funkrufname für die Polizeidienststellen, die über das Polizeipräsidium Potsdam angefunkt werden.

Seit 6 Uhr sind die beiden jungen Kollegen im Einsatz. Sie fahren Streife, eine Zwölf-Stunden-Schicht. Die Tour geht durchs Gewerbegebiet Schwarzer Weg, dann Richtung Karstädt. „Eine feste Route haben wir nicht“, erklärt Hintze. Clement fährt auf der B 5 in Richtung Karstädt. Kurz biegen die beiden zum Vereinsheim des MC Bandidos ab. „Das gehört zu unseren täglichen Aufgaben, hier zu bestreifen“, so die 27-Jährige. In jedem Revier ist immer mindestens ein Funkwagen im Einsatz, also drei in der Prignitz, vier in OPR. Zu Schwerpunktzeiten wie am Wochenende werden die Kräfte aufgestockt. Auch aus Nachbarrevieren kommt Unterstützung. Revierpolizisten sind zusätzlich zu den Funkwagen im Dienst, auch außerhalb der Bürozeiten. Hier gilt der Schlüssel: 1:4000 bis 1:5000 – also ein Funkwagen pro 4000 bis 5000 Einwohner.

Da kommt eine Meldung herein: „Verkehrsunfall Wittenberger Straße Ecke Marienplatz, mit Bus und Pkw.“ Der 29-jähriger Clement beschleunigt. Blaulicht macht er nicht an: Das ist hier nicht nötig. Am Unfallort zeigt sich, dass der silbergraue Golf dem Bus beim Halten hinten aufgefahren ist. Während der Golf nach Totalschaden aussieht, ist beim Bus der Auspuff zugedrückt. Das große Fahrzeug kann allein ins Depot fahren. Hintze und Clement nehmen freundlich, aber routiniert den Unfall auf. Der 29-Jährige lässt sich schildern, was geschehen ist, seine Kollegin sichert den Verkehr. Im Einsatzfahrzeug klappt sich Clement den kleinen Schreibtisch auf und füllt den Unfallbericht aus, nachdem er die Papiere der Unfallbeteiligten geprüft hat. Um die Räumung der Unfallstelle kümmern sich die Betroffenen selbst. Das ging schnell. PK Hintze macht Meldung an die Zentrale, sie gibt durch, was die Unfallaufnahme ergeben hat. Dazu gehört eine grobe Schätzung des Sachschadens. Je älter das Auto, desto geringer der Schaden. Am Ende wird abgemeldet. Damit die Zentrale weiß, in welcher Position sich die Kollegen draußen befinden, geben sie einen Zahlencode durch: „1“ zum Beispiel heißt „Auf Streife“, „4“ bedeutet „Am Einsatzort angekommen“. Kurz darauf die nächste Meldung: Blechschaden auf dem Aldi-Parkplatz im Schwarzen Weg. Hier geht die Unfallaufnahme noch schneller. „Manchmal haben wir auch Schichten, da passiert zwölf Stunden lang gar nichts“, so PK Hintze. Dann verstummt das Funkgerät, über das sonst permanent Meldungen nicht nur aus der Prignitz, sondern auch aus Oranienburg oder Hennigsdorf eingehen. 3131 heißt die Streife der beiden Polizisten.

Clement hat seinen Traumberuf ergriffen, erzählt er: „Das war ein Kindheitstraum, mit Blaulicht auf dem Dach durch die Stadt zu fahren.“ Seine 27-jährige Kollegin wollte ursprünglich etwas ganz anderes machen: „Ich habe mich zunächst für die Bundeswehr interessiert, dann aber für den Polizeidienst entschieden.“ 2010 trat sie nach der dreijährigen Ausbildung ihren Dienst an. Der 29-jährige Clement ist seit 2013 dabei. Beide verbindet die Liebe zum Beruf: mit Menschen reden, draußen unterwegs sein und auf keinen Fall den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen. Dabei müssen sich die Polizisten auch Beleidigungen anhören, etwa, wenn sie Lasermessungen vornehmen. „Kümmern Sie sich mal lieber um die richtigen Verbrecher“ oder „Habt ihr nichts Besseres zu tun?“ „Sowas hören wir öfter“, sagt Hintze. Allgemein habe sie das Gefühl, dass die Bürger nicht viel von der Polizei halten.

Der Dienst ist nicht immer einfach. So tragen die Kollegen mehrere Kilogramm Ausrüstung mit sich. Hintze trägt eine Schussweste, die Vorschrift ist. Die 27-Jährige zeigt ihren Gürtel: Die Waffe, ein Ersatzmagazin, Pfefferspray, schwarze Lederhandschuhe, der Schlüssel für die Handfesseln, die Handfesseln, Schlagstock und Taschenlampe hängen um ihre Hüften. „Das wiegt einiges“, sagt sie.

Aufregendes haben die beiden schon erlebt, obwohl sie noch nicht lange im Dienst sind. Bei Clement war es eine temporeiche Nachtfahrt durch Wittenberge, „ohne Licht und über alle Kreuzungen drüber“. Seine Kollegin hatte einmal im Praktikum „so richtig Angst“: Mit einem älteren Partner wollten sie einen verkehrswidrig fahrenden Autofahrer festsetzen, den sie bis auf dessen Grundstück verfolgt hatten. Dort war eine Party im Gange und plötzlich hätten sich die beiden Polizisten zehn, 15 angetrunkenen und aufgebrachten Leuten gegenüber gesehen. Bis jetzt habe Hintze bei Konfrontationen ihr Gegenüber aber auch in brenzligen Situationen immer über Kommunikation beruhigen können. Ruhig blieb der letzte Teil der Streifenfahrt vor der Mittagspause: Der blauweiße VW ist inzwischen einmal über Karstädt bis Groß Warnow gefahren, über Stavenow, Nebelin und Dergenthin nach Perleberg.

Von Beate Vogel

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