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Imker wollen keinen Populismus bei Glyphosat

Gerdshagen/Teltow Imker wollen keinen Populismus bei Glyphosat

Glyphosat in Lebensmitteln verunsichert die Verbraucher. Das gilt auch für die Käufer von Honig, die sich fragen, wie belastet dieses Naturprodukt ist. Imkerin Marion Noack meint, dass das kein spezielles Bienenthema ist. Und Holger Ackermann, Sprecher des Landesverbandes Brandenburgischer Imker, fordert ein Umdenken beim Pflanzenschutz.

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Hektik an der Einflugluke: Die Carnica-Bienen von Marion Noack sind derzeit viel unterwegs.

Quelle: Beate Vogel

Gerdshagen/Teltow. Wer Honig produziert, muss mit Fragen nach der Glyphosat-Belastung rechnen. Das hat auch die Gerdshagener Imkerin Marion Noack erfahren: „Na klar fragen die Kunden. Manche befassen sich ganz intensiv mit dem Thema.“ Ihrer Meinung nach ist aber alles belastet: „Das ist kein spezielles Bienenthema.“ Sie sei „ganz schön geschockt“ gewesen, als sie hörte, dass das Unkrautbekämpfungsmittel im Urin von Menschen und auch in der Muttermilch festgestellt wurde. „Wir essen das Brot und wir trinken das Bier“, sagt die Imkerin.

Dass die Bienen auf das Herbizid reagieren, habe Marion Noack noch nicht festgestellt. „Man kann aber auch nicht sagen, dass sie nicht reagieren.“ Wenn es einer Biene nicht gut gehe, fliege sie aus dem Stock. „Die finde ich ja nicht wieder“, sagt die Gerdshagenerin. Und wenn die Vergiftung schwach sei, merke man es nicht. Sie ärgert sich vor allem über die Zulassungsvoraussetzungen für solche Mittel: „Bei Glyphosat muss man nachweisen, dass es schadet, bei Medikamenten ist es genau umgedreht.“

Frühlingstracht mit viel Raps zu Honig gemacht

Marion Noack hat 80 Völker. Sie hält große Stücke auf die Rasse Carnica, die als friedfertig und fleißig beschrieben wird. Momentan bilden die Jungköniginnen neue Völker. In ihrem Garten fliegen etliche männliche Bienen umher – ohne den unangenehmen Stachel. „Gucken Sie mal, ein Drohn“, sagt Marion Noack und erklärt: „Es heißt ja auch nicht Manne.“ Ihre Bienen haben in diesem Jahr schon Frühlingstracht mit viel Raps zu Honig gemacht, Heidelbeerhonig von der Pritzwalker Plantage und Sommertrachten, auch mal mit viel Linde.

Holger Ackermann, Sprecher des Landesverbandes Brandenburgischer Imker, der seinen Sitz in Teltow hat, sieht den Umgang mit Glyphosat durchaus als Problem, sagt er: „Wir sind aber zwiegespalten. Da muss man auch mal auf das Bundesamt für Risikobewertung vertrauen und glauben, was die sagen.“ Die Imker seien sicher nur ein kleines Rädchen in der Kette. Der Supergau sei der Fall eines Kollegen in der Lausitz gewesen, der an die Öffentlichkeit gelangt ist: „In dessen Honig wurde das 100-fache des erlaubten Wertes gemessen.“ Ackermann fordert ein Umdenken beim Pflanzenschutz. Ein Weg könnte sein, dass man stichprobenweise Honig entnimmt, wo zum Beispiel intensiv Landwirtschaft betrieben wird. Die Landwirte müssten sagen, was sie wann wo gespritzt haben.

Imker und Landwirte brauchen sich gegenseitig

„Das alles muss möglich sein, ohne den Landwirt zu kriminalisieren“, fordert Ackermann. „Was wir nicht wollen, ist Populismus.“ Viele Imker seien im ländlichen Raum tätig und wollen, dass es den Bienen gut geht. „Wir sehen uns als Partner und nicht nach dem Motto: Hier ist der Imker – da ist der Bauer.“ Beide brauchen sich gegenseitig.

Dabei sehe es im Moment eher so aus, dass es den Bienen in den Städten besser gehe als denen im ländlichen Raum. „Wahrscheinlich, weil es dort ein längeres Trachtangebot gibt“, erklärt Holger Ackermann und verweist auf die vielen Parks und Gärten in der Großstadt, die liebevoll gehegt und gepflegt werden und den ganzen Sommer über Blüten bieten. Auf dem Land dagegen werden vielerorts nur noch Mais und Getreide angebaut – beides trägt inzwischen Früchte oder wird geerntet. „Für die Bienen ist das wie in einer Wüste“, sagt der Sprecher des Imkerverbandes. Bienenhaltung in der Stadt sei möglich. „Aber im ländlichen Raum ist sie nötig, sie sind die Bestäuber“, betont Ackermann. Da gebe es viele Kulturpflanzen.

Glyphosat

Glyphosat ist eine wichtige Komponente einiger Breitbandherbizide und wird seit dem 1970er Jahren zur Unkrautbekämpfung in Landwirtschaft, Gartenbau und Privathaushalten eingesetzt. Im Vergleich zu anderen Herbiziden ist es gegenüber Tieren weniger giftig. Es wirkt gegen einkeim- und zweikeimblättrige Unkräuter.

Seit Jahren wird der Einsatz von Glyphosat in der Öffentlichkeit heftig diskutiert, nachdem wissenschaftliche Studien die Gesundheitsgefahren der Verbindung nachwiesen.

In Deutschland wird Glyphosat in der Landwirtschaft um die Aussaat herum, zwischen Ernte und Winterfrucht und stark eingeschränkt vor der Ernte eingesetzt. Einer Studie des Julius-Kühn-Instituts zufolge wäre der teilweise oder vollständige Verzicht auf das Mittel wirtschaftlich kaum vertretbar.

Von Beate Vogel

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