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In flottem Tempo durch den Wald

Bölzke In flottem Tempo durch den Wald

Gründonnerstag wurde auf dem Prignitzer Annenpfad die Pilgersaison eröffnet. Gut 100 Wanderer gingen auf die Strecke, die sie nach dem Frühstück in Bölzkes Kirche zum Mittagessen ins Kloster Stift Heiligengrabe und zum Kaffeetrinken nach Alt Krüssow in die Wallfahrtskirche führte.

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Gut zu Fuß ging es ab Bölze bei Sonnenschein auf die Strecke – bis Heiligengrabe hielt der Himmel auch „dicht“.

Quelle: Claudia Bihler

Bölzke. Ein wenig überrascht waren die Erwachsenen schon, als sie feststellten, dass die Kinder aus dem Heiligengraber Hort zum Auftakt der Pilgersaison auf dem Annenpfad einen ordentlichen Schritt vorlegten. Und trotz des einen oder anderen Abstechers in die nächstgelegene Pfütze hielten sie ebenso flott über die gesamte Etappe durch: „Dabei haben wir noch nicht mal Tempo gemacht“, schworen die Kinder am Zwischenziel im Kloster Stift Heiligengrabe unisono, wo sie alle einen Pilgerstempel erhielten.

Wie die jüngsten Pilger hatten auch alle anderen der Wanderer winddichte Jacken, Regenschutz und gute Laune im Gepäck. 22 Kilometer lang ist der Annenpfad, auf dem traditionell am Gründonnerstag die Pilgersaison eröffnet wird. Mit den guten Worten des Pritzwalker Vizebürgermeisters Ronald Thiel, des Heiligengraber Bürgermeisters Holger Kippenhahn und dem Pilgersegen von Pfarrer Mario Friedrich ging es nach der Begrüßung von Ralf Doerks vom Förderverein auf die Strecke, auf der es in diesem Jahr allerhand Neues zu erleben gibt.

Gruppenfoto zum Pilgerstart vor der Kirche in Bölzke

Gruppenfoto zum Pilgerstart vor der Kirche in Bölzke.

Quelle: Claudia Bihler

Doch zunächst wurden die Pilger aus der Region und weit darüber hinaus in der geheizten Bölzker Kirche empfangen, wo es neben einem Frühstück direkt eine Einstimmung auf die bevorstehende Strecke gab: In der Kirche gibt eine Dauerausstellung einen Überblick über das Pilgern – unter anderem über die historisch wichtige Pilgerstrecke nach Jerusalem.

Noch in diesem Jahr wollen die Bölzker zudem ein weiteres Thema in einer Ausstellung behandeln, in der es pünktlich zum Lutherjahr um Pilgern und Reformation gehen wird. Bereit lagen in Bölzke auch Pilgerpässe, die die Wanderer an allen drei Stationen – also auch in Heiligengrabe und in Alt Krüssow – abstempeln lassen konnten und wo sie gleichzeitig Informationen zur Strecke bekamen.

Reinhard Helm mit einer Pilgerplakette des Annenpfades

Reinhard Helm mit einer Pilgerplakette des Annenpfades.

Quelle: Claudia Bihler

Auf der Strecke selbst waren im vergangenen Jahr die neuen Wegweiser aufgestellt worden. In diesem Jahr kamen nun so genannte Zählstelen hinzu: „Wir wollen wissen, wie viele Pilger hier in jedem Jahr unterwegs sind“, sagte Reinhard Helm vom Förderverein der Bölzker Kirche, „natürlich können wir sagen, wie viele Wanderer die Kirchen besucht haben.“ Das sind inzwischen mehrere Hundert. „Aber da viele gar nicht erst in die Kirchen hineingehen, mussten wir uns was einfallen lassen.“ Die rustikal gesägten Stelen funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Jeder Wanderer, der an den beiden Stelen vorbei kommt, nimmt einen Stein aus dem oberen Fach und wirft ihn in das untere: Über 100 Steine fanden gestern so den Weg in die entsprechende Box – entsprechend der Zahl der Teilnehmer.

Einweihung der Zählstelle im Stiftsforst

Einweihung der Zählstelle im Stiftsforst.

Quelle: Claudia Bihler

„Für uns ist wichtig, einen Überblick zu bekommen“, sagte Helm: „Denn wenn die Umgehung um Heiligengrabe gebaut wird, ist noch nicht klar, wie die Fußgänger auf dem Annenpfad die Strecke überqueren sollen, auf der zwischen Leitplanken mit Tempo 100 gefahren wird.“ Die Organisatoren des Annenpfades würden sich dazu eine Fußgängerbrücke wünschen.

Die Heiligengraber Hortkinder sind sicher, dass sie im kommenden Jahr zwei Etappen mitwandern werden

Die Heiligengraber Hortkinder sind sicher, dass sie im kommenden Jahr zwei Etappen mitwandern werden.

Quelle: Claudia Bihler

Durch den Stiftsforst ging es weiter nach Heiligengrabe, ins Kloster Stift, wo Äbtissin Erika Schweizer die Pilger in der Stiftskirche begrüßte – auch, um diesen die Deckenmalereien zu zeigen. Die haben Restauratoren im vergangenen Jahr gefunden und restauriert. Nach dem Mittagsgebet in der Wunderblutkapelle – oder auch ohne Gebet – waren die Pilger zur Mittagsrast zum Imbiss eingeladen, den das Stift liebevoll vorbereitet hatte. Pünktlich zum Mittagessen entluden sich auch die Regenwolken über Heiligengrabe. Nach dem Essen zog wieder die Sonne auf – die schwierigste Etappe lag vor den Wanderern, denn in Richtung Alt Krüssow war viel freies Feld bei Gegenwind zu überqueren.

Ankunft vor der Heiligengraber Stiftskirche

Ankunft vor der Heiligengraber Stiftskirche.

Quelle: Claudia Bihler

Immerhin lockte in der Alt Krüssower Kirche bereits die Kaffeetafel – und ein Blick auf die neuen Glasfenster, mit denen die ehemalige Wallfahrtskirche heute aufwarten kann. „Wir waren sieben Tage an der Nordsee wandern“, berichteten Petra Beyer aus Wutike und Angelika Döring, die heute in Berlin lebt: „Und heute Abend gehen wir noch zum Osterfeuer in Wutike.“ Ausgerüstet waren die beiden gut: Angelika Döring: „Ich habe sogar Ersatzschuhe dabei.“ Beide genossen den Weg: „Nach einer solchen Wanderung ist man völlig entspannt.“ Jüngste Pilgerin war die elf Monate alte Lisbeth aus Bölzke, die von Papa Tino Gründemann, Mama Henrike Helm und Hund Boskar begleitet wurde. Dass Pilgern nicht nur für religiöse Menschen ist, denkt die Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann von der „Atheistenpartei“ Die Linke: „Innere Einkehr ist auch für Atheisten gut, und ein bisschen Demut schadet auch der Politik nicht“, sagte sie. Bereits fürs nächste Jahr haben sich Heiligengrabes Hortkinder wieder angekündigt: „Dann gehen wir aber zwei Etappen mit.“

Von Claudia Bihler

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