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Insolvenzhilfe Prignitz schlägt Alarm

Neue Trends bei der Verschuldung Insolvenzhilfe Prignitz schlägt Alarm

Angestachelt von den Verlockungen des Konsums und Versprechungen wie „Erst kaufen, dann zahlen“ wurden viele Menschen in die Schuldenfalle getrieben. „Doch längst hat sich das Bild in der Schuldenberatung gewandelt“, berichtet Marlies Schmidt, Leiterin der Insolvenzhilfe Prignitz.

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Marlies Schmidt, Leiterin der Insolvenzhilfe Prignitz.

Quelle: MAZ

Auch Menschen, die sich nicht leichtfertig verschulden, sehen sich vor nicht mehr lösbare finanzielle Probleme gestellt. Krankheit, Tod, Pflege oder Trennung treiben immer mehr Menschen in die Schuldner- und Insolvenzberatung, stellt Marlies Schmidt, Leiterin der Insolvenzhilfe Prignitz, fest.

Da ist ein eigentlich finanziell gut gestellter Beamter, der aufgrund einer schweren Erkrankung ein Pflegefall wird und eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung nötig hat. Wie bei Beamten üblich ist er zu zwei Drittel gesetzlich krankenversichert, zu einem Drittel privat. Die Kassen streiten über die Pflegekosten mit dem Resultat, dass die Familie des Betroffenen auf einem Pflegekostenanteil von 5000 Euro monatlich sitzen bleibt. Ein Betrag, der auch ihre bislang gesunden finanziellen Verhältnisse, vollkommen übersteigt.

Schicksalsschläge werfen auch Rentner völlig aus der Bahn, berichtet Marlies Schmidt. Ein Beispiel: Beide beziehen 650 Euro monatlich. Ihr Leben ist mit Wohnung und Auto auf 1300 Euro ausgerichtet. Dann stirbt plötzlich ein Partner. Eine Rente fällt weg, als Ausgleich kommt eine kleine Witwenrente hinzu. Mit nicht mal 900 Euro monatlich ist dem bisherigen Leben die finanzielle Grundlage fast völlig entzogen. „Und schon beginnt sich die Schuldenspirale zu drehen“, berichtet Marlies Schmidt aus ihrem Beratungsalltag. Auch Selbstständige kommen in die Beratungsstelle am Bahnhofsplatz in Perleberg. Eine 62-Jährige erzählt, mit 600 Euro sei sie kaum über die Runden gekommen. Da habe sie sich Beihilfe beim Jobcenter beantragt, musste sich aber gesetzlich krankenversichern. Was sie auch nichts ahnend unterschrieb. Auf einmal bekam sie von der Krankenkasse eine Nachzahlungsaufforderung über 15.000 Euro mit dem Hinweis, seit 2007 bestehe für jeden eine Versicherungspflicht.

Unerwartete Nachzahlungen und falsche Bescheide führen immer häufiger zu unerwarteten finanziellen Belastungen. Das Jobcenter zum Beispiel stellt einer Familie einen falschen Bescheid aus; es kommt zu einem Erstattungsbescheid. Da es sich um eine Bedarfsgemeinschaft handelt, wird für jedes Familienmitglied ein Rückforderungsbetrag erhoben, selbst wenn es sich noch um ein Baby handelt. „Das summiert sich dann“, erklärt Marlies Schmidt. So startet ein 18-Jähriger gleich mit einem Schuldenberg ins Leben.

Nicht ganz zufällig stand die bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatung in diesem Jahr, an der sich auch die Insolvenhilfe Prignitz beteiligte, unter dem Motto „Arm und überschuldet – trotz Arbeit.“ Marlies Schmidt kann diesen Trend aus ihrer Tätigkeit nur bestätigen. Sie berichtet von einem Ehepaar, beide berufstätig, mit einem Einkommen von 1400 Euro. Doch allein, dass sie arbeiten gehen können, müssen sie für die Fahrkosten mehr als 600 Euro aufbringen.

Als eine große Lawine sieht sie die Altersarmut auf uns zukommten. In den letzten zehn Jahren ist sie um 40 Prozent gestiegen. Marlies Schmidt rechnet vor, mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro sind nicht mehr als 500 Euro Rente drin. Auf die Schuldnerberatung sieht sie ganz neue Probleme zukommen – existenzieller Art, die Erwerbstätige bis hin zur Mittelschicht erreichen.

Jede Beratung ist kostenfrei

  • Die Insolvenzhilfe Prignitzist ein anerkannter, gemeinnütziger Verein. Die Beratungsstelle in Perleberg – sie befindet sich am Bahnhofsplatz 8, Tel-Nr 03876/307491 – verfügt über die Anerkennung durch das Land Brandenburg, was zwingende Voraussetzung für die Insolvenzberatung ist.
  • Beratung, weiter gehende Betreuung sowie die Insolvenzberatung sind nicht mit Kosten verbunden. Selbständige – auch ehemalige – können sich ebenfalls an die Beratungsstelle wenden.
  • Das Recht auf eine Schuldner- und Insolvenzberatung steht jedem zu. „Doch viele scheuen sich vor diesem Weg“, stellt Marlies Schmidt fest. „Sie kommen oft zu spät, erst wenn es gar nicht mehr geht.“

Von Michael Beeskow

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