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Inspiration aus der Lenzer Wische

Kinderbuchautorin Tatjana Weih Inspiration aus der Lenzer Wische

Die Weite, die Stille, die Landschaft, der Horizont, der Fluss – das sind die Dinge, die Tatjana Weih inspirieren. Die Kinderbuchautorin hat es in die Lenzer Wische verschlagen – hier schreibt sie nicht nur ihre fantasievollen Geschichten, sondern illustriert diese auch selbst.

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Die Vögel in Tatjana Weihs Büchern sind in der Lenzer Wische zu Hause.

Quelle: Kerstin Beck

Lenzen. Irgendwo in der Lenzer Wische gibt es in einem Dorf ein Haus auf einer Wurt. Das eingeschossige Fachwerkgebäude, welches typisch für die einstig bäuerliche Bauweise dort ist, ist natürlich denkmalgeschützt und auch dementsprechend einfühlsam restauriert. Davor zwei hölzerne Tische mit Holzstühlen und dazwischen ein halbes Dutzend eigener und fremder Kinder in einem Alter, in dem die einen Probleme nicht mehr da sind und die anderen noch nicht.

Eine riesige Schüssel steht auf dem Tisch mit einem original italienischen Pastagericht. Erst kommen die Kinder dran, dann die Erwachsenen - neun Personen sind es insgesamt, und das Essen hätte auch gut für zwölf Leute reichen können.

„Sie können zwar manchmal auch nerven, aber ohne Kinder geht es einfach nicht!“ sagt Tatjana Weih, die nicht wie eine Mutter aussieht, sondern eher wie eine ältere Schwester.

Die gertenschlanke Frau, die eher wie ein Lausbub wirkt, ist Kinderbuchautorin, die ihre Werke zudem selbst illustriert – und das sehr liebevoll.

Traumhafte Landschaft

Traumhafte Landschaft.

Quelle: Kerstin Beck

„Ich mag hier einfach alles - die Weite, die Stille, die Landschaft, den Horizont, den Fluss“, schwärmt die gebürtige Berlinerin, die vor Jahren nur eines wollte: raus aus der Großstadt.

Zuerst ging es für Ehemann Ulf nach Fallersleben bei Wolfsburg, genau in jenen Ort, in dem besagter Hoffmann – der durch seine Kinderlieder bekannt wurde – das Licht der Welt erblickte.

Doch die Berlinerin und der Leipziger suchten nach landschaftlicher Schönheit, nach Ruhe und Stille, „die es dort nicht gibt“, und in der man nicht nur die Seele baumeln sondern auch etwas für sie tun kann – mit schöpferischer Betätigung.

„Mich zog es immer raus – erst waren wir im Wendland gelandet, dann suchten wir nördlich davon, und so haben wir das hier 2009 entdeckt und ein Jahr später gekauft. Für uns ist es auch zusätzlich sehr wichtig, dass wir damit in ein östliches Bundesland zurückgekehrt sind“, erklärt Tatjana Weih.

Vor sieben Jahren entschlossen sich Tatjana und Ulf Weih, ihr Domizil in der Lenzer Wische aufzuschlagen

Vor sieben Jahren entschlossen sich Tatjana und Ulf Weih, ihr Domizil in der Lenzer Wische aufzuschlagen.

Quelle: Kerstin Beck

Die Germanistin, die zudem Romanistik und Keltologie in Berlin studiert hat, sieht sich hier inmitten von Kuckuck, Schwalben und Störchen, Maulwurf, Grillen und Maikäfern genau am richtigen Platz, „denn hier ist der Ort, an dem ich kreativ werden kann!“ Und dann ist etwas zu hören, was einen Einblick in die unendliche Fantasie dieser Künstlerin gibt: „Ich wollte ja immer ans Meer, und hier bin ich es. In wenigen hundert Metern Entfernung fließt die Elbe, und die Elbe mündet in die Nordsee. Von der Nordsee geht es in den Atlantik, und von dort aus kann dann eine Flaschenpost, die man hier in die Elbe wirft, direkt nach Australien gelangen!“

Mit derselben Weite und Unbegrenztheit wie Tatjana Weih die Elbe sieht, sind ihre Bilderbücher und auch die Hauptfiguren ihrer spannenden Werke ausgestattet. Da gibt es Rabeneltern, die in Wirklichkeit gar keine sind, ein Bär wird einem Jungen zum liebevollen Vater, einige Frösche laden sich einen Storch Huckepack auf die Schultern und nicht umgekehrt. Eine junge Schneeeule fliegt nicht etwa am Tag, sondern jeden Abend zur Schule und Mama Kuckuck will selbst ein Nest bauen, anstatt ihre Eier woanders hineinzulegen. „Es sind immer Botschaften, die ich die Tiere und Vögel in ihren Geschichten verkünden lasse – sie sollen zum Nachdenken anregen und zum Bessermachen“, so die Autorin.

Postkarten mit Illustrationen der Autorin

Postkarten mit Illustrationen der Autorin.

Quelle: Kerstin Beck

Natürlich sind die Vögel, die in Tatjana Weihs Büchern wie „Das Kuckucksnest“ oder „Mein lieber Schwan“ vorkommen, hier in der Lenzer Wische beheimatet. „Da standen einmal im Herbst ganz viele Schwäne und Graugänse auf der Wiese, da kam mir sofort die Idee für eine Überwinterungsgeschichte“, erzählt die Künstlerin, die auch dieses Buch sehr einfühlsam mit Pastellfarben illustriert hat. Das Buch „Ein fliegender Blauwal“ handelt in der Lenzer Wische selbst, von einem „Spaziergang, immer demselben, durch den Garten, ein Stück den Deich entlang“, und sogar der Bauerngarten der Familie kommt in dem Buch vor. Erst im letzten Satz bekommt der Leser eine Ahnung davon, wer oder was mit einem fliegenden Blauwal überhaupt gemeint ist.

„Ich habe, wenn ich meine Bücher mache, dabei einen Riesenspaß“, verrät Tatjana Weih, die auch darüber erzählt, wie sie überhaupt zum Büchermachen gekommen ist: „Eines Tages fragte mich mein französischer Vater, den ich erst nach der Wende kennenlernen konnte, denn es war ja eine Grenze zwischen uns gewesen, ob ich nicht Lust hätte, eine Geschichte, die er als Kind geschrieben hatte, zu illustrieren. Ich hatte. Und dann begann ich, selbst Geschichten zu schreiben, und es war dabei für mich, als wenn ein Knoten geplatzt wäre!“

 Weih’sche Gartenidylle

Weih’sche Gartenidylle.

Quelle: Kerstin Beck

Elf Bücher gibt es inzwischen von Tatjana Weih zu lesen, darunter eine Übersetzung ihres Kinderbuches „Rabeneltern“ ins Französische. Auch Ansichtskarten, die den Büchern entnommen sind, hat sie drucken lassen. Die viel beschäftigte Autorin führt zudem Lesungen, Lesenächte sowie Projekttage in Schulen und Kitas durch.

Wer Tatjana Weih selbst einmal inmitten ihrer Bücher erleben möchte, muss jedoch weit fahren: am 6./7. August zum Kunsthandwerkermarkt nach Goslar, am 1. bis 3. Oktober zum Herbstmarkt auf Burg Neuhaus bei Wolfsburg, vom 25. bis 27. November zum Weihnachtsmarkt im Schloss Wolfenbüttel oder am 3./4. Dezember zum Adventsmarkt im Schloss Wolfsburg.

Von Kerstin Beck

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