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Iris Berben in Wittenberge

Verbrannte Texte und verfemte Musik Iris Berben in Wittenberge

Iris Berben bekommt für ihre Bühnenprogramme zu Verbrechen der NS-Zeit viel Aufmerksamkeit. Am Wochenende war sie mit „Verbrannte Bücher – verfemte Musik“ gemeinsam mit dem Klenze-Quartett im Festspielhaus Wittenberge zu Gast und fesselte das Publikum

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Iris Berben stand zusammen mit dem Klenze-Quartett auf der Bühne.

Quelle: Jens Wegner

Wittenberge. Gut 400 Gäste erlebten am Sonnabend die Grand Dame des deutschen Fernsehens, Iris Berben, bei ihrem Auftritt im Kultur- und Festspielhaus Wittenberge. „Verbrannte Bücher – verfemte Musik” lautete der Titel ihrer musikalisch umrahmten Lesung, mit der sie ihr Engagement um die einst verbotene Kunst im Dritten Reich fortsetzt und sich dem düsteren Teil deutscher Geschichte widmet. Am Wochenende des Volkstrauertages gewährte sie mit ihrem Programm einen ganz speziellen Einblick in eine teuflische Zeit, die im industrialisierten Mord an vielen Menschen gipfelte.

Für die Projekte „Das Tagebuch der Anne Frank – Tagebücher von Joseph Goebbels” und „Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier – Zeugnisse von Holocaust-Opfern” wurde die 65-Jährige mit zahlreichen Ehrungen bedacht. Sie las Passagen aus Büchern wie „Die letzten Tage der Menschheit” von Karl Kraus (1874 bis 1936) oder „Der Soldat von La Ciotat” von Bertolt Brecht (1898 bis 1956). Musikalisch begleitet wurde die Lesung durch das Klenze-Quartett – Solisten des Bayerischen Staatsorchesters München. Es waren Stücke von Gideon Klein, Zikmund Schul oder Pavel Haas zu hören. Die ausgewählten Texte wurden wegen ihres „undeutschen Geistes”, dessen Kriterien im Dunkeln blieben, vernichtet. Alle Schriften, die weit entfernt von Idealisierung, Glorifizierung, Illusionierung der Nationalsozialisten waren, galten als „entartete Kunst”. Die von jüdischen Schriftstellern wurden generell verboten. Im Zuge der „Gleichschaltungsmaßnahmen” schlug dann ebenso für die Musik die „Stunde der Wahrheit”. Die Komponisten wurden in mancher Hinsicht sogar noch mehr instrumentalisiert als die Männer und Frauen des geschriebene Wortes. Alle rationale, unemotionale Musik und jede Form moderner, zeitgenössischer Musik galt damals als „zersetzend” und „unerwünscht” und fiel damit in die Kategorie der entarteten Kunst, der „verfemten” Musik. Für die Zuhörer im Festspielhaus genauso verstörend, wie für die Schauspielerin Iris Berben.

Von Jens Wegner

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