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Ist der Wolf in Brandenburg „überschützt“?

Pritzwalk (Prignitz) Ist der Wolf in Brandenburg „überschützt“?

Ihm geht es um das Thema Wolf: Der unabhängige Bundestagskandidat Mario Borchert hatte zu einer Podiumsrunde in die Waldschule im Pritzwalker Hainholz eingeladen. Dabei sprach er mit Gleichgesinnten über die rechtlichen Aspekte der Thematik, etwa über den hohen Schutzstatus und das fehlende Jagdrecht für den Wolf.

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Bereits am Freitagabend hatte es eine Wolfsmahnwache in Birkholz (Gemeinde Karstädt) gegeben.

Quelle: Kerstin Beck

Pritzwalk. Er will das Thema Wolf „unüberhörbar in die Öffentlichkeit bringen“. Darum kandidiert Mario Borchert aus Damelack als unabhängiger Direktkandidat im Wahlkreis 56 für den Bundestag. Am Samstag wartete er in der Waldschule im Pritzwalker Hainholz mit seiner zweiten Großveranstaltung zu der Thematik auf, auf der sich ein Podium von Gleichgesinnten mit den rechtlichen Aspekten beschäftigte. Am Tag zuvor hatte er auch an einer Wolfmahnwache in Birkholz (Gemeinde Karstädt) teilgenommen. Moderiert wurde die Runde in Pritzwalk von Gregor Beyer, Vorsitzender des brandenburgischen Landesverbandes der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und ehemals für die FDP im Potsdamer Landtag. Neben ihm und Borchert waren auf dem Podium Christina Stettin, Geschäftsführerin des Prignitzer Kreisbauernverbandes, Schäfer Marc Mennle, der FDP-Landesvorsitzende Axel Graf Bülow und der Rechtsanwalt Mario Genth.

Das Podium mit Wolf im Rücken (vl)

Das Podium mit Wolf im Rücken (v.l.): Mario Borchert, Marc Mennle, Axel Graf Bülow, Gregor Beyer, Christina Stettin und Mario Genth.

Quelle: Bernd Atzenroth

Genth betonte, dass es kein einfaches Thema sei und viele rechtliche Fallstricke existierten. Er verwies auf die Berner Konvention von 1985, nach der der Wolf streng geschützt ist und die inzwischen von rund 50 Staaten unterzeichnet ist. Auch nach europäischem Recht besteht der strenge Schutzstatus, der in die Flora-und.Fauna-Habitat-Richtlinie übernommen worden ist. Sie war in Bundesrecht umzusetzen und fand daher Eingang in das Bundesnaturschutzgesetz: Als streng geschützte Art besteht für den Wolf ein absolutes Tötungsverbot. Es gibt jedoch die vage Möglichkeit für Ausnahmeregelungen bei Gesundheitsgefährdung und zur Abwehr von wesentlichen Gefahren.

Ein Knackpunkt für alle Anwesenden: Im Jagdrecht ist der Wolf bislang nicht verankert. Das bedeutet: Jäger haben keine Hegeverpflichtung, aber auch keinerlei Befugnisse zum Abschuss – ein Problem, das zum Beispiel beim Thema Nottötung, etwa nach Verkehrsunfällen, zum Tragen kommt. Genth, der selbst Jäger ist, würde in so einem Fall nach der derzeitigen Rechtslage „nicht den Finger krumm machen“ – weil man keine Jagdberechtigung hat, könnte man Jagd- und Waffenschein verlieren. Genth betonte, dass alle Bundesländer den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen könnten, doch lediglich Sachsen hat dies bislang getan. Momentan hoffen die Podiumsteilnehmer darauf, dass sich mit der anstehenden Verordnung des Landes Brandenburg zum Thema die Situation in ihrem Sinne verbessert.

Keine Rechtsgrundlage auf Entschädigung

„Der Wolf ist überschützt“, findet Axel Graf Bülow, „wir müssen ihn in das Jagdrecht aufnehmen.“ „Das Maß ist schon lange voll“, findet Christina Stettin und bezieht das auch auf andere geschützte Tiere wie den Biber. Sie glaubt, dass die derzeit genannten Wolfsbestandszahlen für Brandenburg, etwa 200 Tiere, weit untertrieben sind. Das größte Problem beim Wolf sei, dass er keine natürliche Scheu habe. Marc Mennle, Schäfer aus Sadenbeck, sagte, dass diese Scheu nur durch Bejagung zu erreichen sei. Er beklagt, dass es nach wie vor keine Rechtsgrundlage auf Entschädigung gibt, wenn der Wolf Schaden anrichtet und Tiere reißt. Mennle muss zum Schutz seiner Herde richtig investieren, etwa in 16 Herdenschutzhunde.

„Wir müssen die Politiker dafür sensibilisieren, dass nicht nur die Landbevölkerung Folgeträger von Mehrheitsentscheidungen sein kann“, erklärte Mario Borchert, „die, die mit dem Wolf zu tun haben, werden alleingelassen.“ Im Publikum wurde das noch weit drastischer formuliert. Mario Ortlieb, Landwirt aus Sarnow und Bürgermeisterkandidat in Pritzwalk, meinte: „Die, die den Wolf wollen, sollen für ihn bezahlen.“ „Wenn der Wolf im Jagdrecht ist, wer trägt dann die Schäden?“ wollte Dietmar Koppe, Jagdpächter aus der Nähe von Meyenburg, wissen. Genth und Beyer beruhigten ihn, hier werde nicht der Jäger haftbar gemacht.

„Wölfe sind keine gefährdete Tierart mehr“

Alle waren sich in einem Punkt einig: „Ich will, dass der Wolfsbestand reguliert wird, wir werden ihn aber nicht wieder wegbekommen“, erklärte Christina Stettin. Mennle ist es wichtig, dass „jeder Wolf, der Herdenschutzmaßnahmen überwindet, sofort entnommen werden kann“. Gregor Beyer erklärte, dass dies durchaus jetzt schon möglich sei, aber eines Verwaltungsaktes bedürfe. Borchert und andere sprachen sich für eine Bestandsregulierung aus, wie sie in Schweden praktiziert wird. Genth erinnerte aber daran, dass deswegen gegen Schweden von der EU ein Vertragsverletzungsverfahren laufe.

Rudolf Scholz, Jäger aus Pritzwalk, kann nicht nachvollziehen, warum der Wolf einen solchen Schutzstatus hat. Mit diesem Argument fand er offene Ohren. „Wölfe sind keine gefährdete Tierart mehr“, findet zum Beispiel auch Stettin. Die Berner Konvention zu ändern, werde aber das Bohren dicker Bretter bedeuten, sagte dazu Beyer. Borchert kündigte an, dass er auch nach seiner Wahlkampagne am Thema dranbleiben will.

Von Bernd Atzenroth

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