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Jäger setzen auf Selbstkontrolle

Initiative des Perleberger Jagdverbandes Jäger setzen auf Selbstkontrolle

Immer wieder kommt es zu tragischen Unfällen mit Waffen. Das Waffengesetzt wurde verschärft und die Polizei kündigt verstärkte Kontrollen an, auch wenn keine Verdachtsmomente vorliegen. Bislang einmalig ist die Aktion des Perleberger Jagdverbandes der auf Selbstkontrolle setzt. In den nächsten drei Jahren sollen alle Mitglieder kontrolliert werden.

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Waffenschränke sind ein Muss für Jäger, Sportschützen und alle anderen, die über eine Waffe verfügen.

Quelle: dpa

Perleberg. Natürlich ist alles bis ins Kleinste geregelt, wie Waffen aufbewahrt werden müssen, wie sie zu gebrauchen und zu transportieren sind. Und dennoch wird die Öffentlichkeit immer wieder durch tragische Zwischenfälle aufgeschreckt. In Wittstock erschoss sich vor einigen Jahren eine Studentin mit der Waffen ihres Großvaters. Sie hatte gesehen, wo er den Schlüssel für den Waffenschrank aufbewahrt. In Linow bei Rheinsberg erschoss eine 14-Jährige versehentlich ihre kleine Schwester, nachdem der Vater aus dem Haus gegangen war, ohne seine Waffe einzuschließen.

Aber nicht nur die Öffentlichkeit wird durch solche Ereignisse in Aufregung versetzt. Auch die Jägerschaft selbst ist beunruhigt. Der Perleberger Jagdverband hat jetzt beschlossen, ihre Mitglieder einer Selbstkontrolle zu unterziehen. Das ist bislang einmalig in Brandenburg und vielleicht auch in Deutschland. „Der Umgang mit Waffen ist ein sensibles Problem“, sagt Vorstandsmitglied Udo Becker. „Nach den Ereignissen in verschiedenen Bundesländern wurde das Waffengesetz verschärft. Kontrollen wird eine größere Bedeutung zugemessen.“

Gemeint sind damit aber Kontrollen durch die bei der Polizei angesiedelten Waffenbehörde. Diese Kontrollen sollen jetzt auch verdachtsunabhängig durchgeführt werden. Udo Becker, der über viele Jahre den Schutzbereich Prignitz der Polizei leitete, lehnt diese Kontrollen nicht ab. „Aber die Erhebung einer Gebühr von 75 Euro je Kontrolle lehnen wir konsequent ab.“

Die Selbstkontrolle wurde auf einer Versammlung des rund 450 Mitglieder zählenden Verbandes einstimmig beschlossen. „Wir haben als Jagdverband eine Verantwortung für unsere Mitglieder“, sagt Udo Becker. Jäger sind bevorzugte Personen; sie dürfen Waffen besitzen. Doch der Personenkreis, der über eine eigene Waffe verfügt, ist weitaus größer. Auch Sportschützen bewahren ihre Waffen zu Hause auf.

Im Prinzip kann aber auch jeder andere über eine Waffe verfügen. Voraussetzung ist allerdings, dass er der Waffenbehörde eine Gefährdung nachweisen kann. Es kann also auch ein Richter, ein Tankwart oder ein Juwelier eine eigene Waffe besitzen.

Auch das Sammeln von Waffen ist nicht verboten. Allerdings müssen jene, die nicht zum bevorzugten Personenkreis von Jägern oder Sportschützen gehören, den Nachweis erbringen, dass man mit den Waffen nicht schießen kann. Wer eine scharfe Waffe erbt und sie im Familienbesitz behalten möchte, muss sie zu eine Waffenwerkstatt etwa in Suhl einschicken und sie „beschussunfähig“ machen lassen, so der Fachbegriff.

Auch in der DDR verfügten Jäger über eigene Waffen, wie Udo Becker berichtet. Sie durften aber nicht in der Wohnung aufbewahrt werden. Die Förstereien unterhielten Waffenstützpunkte. Dort wurden die Waffen vor der Jagd abgeholt und danach wieder abgeben. „Das wurde ganz restriktiv gehandhabt“, sagt Udo Becker.

„Dem Umgang mit Waffen muss unsere höchste Aufmerksamkeit gelten“, fordert das Vorstandsmitglied. Dass beim geselligen Beisammensein nach einer Jagd die Waffen noch im Raum liegen, sei völlig inakzeptabel. Hier sei jeder aufgefordert einzuschreiten. „Das hat nichts mit falscher Kameradschaft zu tun“, sagt Udo Becker. Und er fordert: „Auch im täglichen Umgang müssen wir Jäger aufeinander achten.“ Wenn ein Alkoholproblem bestehe, dann müsse das auch angesprochen werden.

Udo Becker hält die Selbstkontrollen, die der Jagdverband jetzt durchführen will, für wirksamer als Kontrollen der Polizei, die nur auf Stichproben sein können.

Eine Gruppe von Mitgliedern des Jagdverbandes, die von der Waffenbehörde eingewiesen werden, will in den nächsten drei Jahren alle Mitglieder kontrollieren. Niemand soll angeschwärzt werden, doch es gehe um die Einhaltung der Vorschriften.

Von Michael Beeskow

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