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Jännersdorfer Heide gehört jetzt Blauwald

Jännersdorf/Stepenitz Jännersdorfer Heide gehört jetzt Blauwald

Die riesige Waldfläche an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern hat einen neuen Eigentümer: Der Forstbetrieb Blauwald aus Süddeutschland hat die Jännersdorfer Heide (Amt Meyenburg) verkauft. Geschäftsführer Thomas Venus will mit Flächen im Nachbarland ein riesiges Forstrevier bilden.

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Tonnenweise holten die Arbeiter vor rund zehn Jahren Munitionsschrott wie Patronenhülsen vom einstigen Übungsgelände der Sowjetarmee. Das Foto stammt aus dem Jahr 2004.

Quelle: Beate Vogel

Jännersdorf/Stepenitz. Das riesige Waldgebiet rund um den ehemaligen Truppenübungsplatz Jännersdorf (Amt Meyenburg) hat einen neuen Eigentümer: Der Forstbetrieb Blauwald aus Süddeutschland hat die Fläche vor einigen Monaten von Hans-Dieter Böhm und seinem Geschäftspartner Wilfried Horn gekauft. Das bestätigte auf Nachfrage Blauwald-Geschäftsführer Thomas Venus. „Unser Hauptanliegen ist die Forstwirtschaft, aber auch andere Nutzungsmöglichkeiten wie Naturschutz und Erneuerbare Energien sind in unserem Interesse“, umriss er die Betätigungsfelder der Firma.

Der Forstbetrieb Blauwald hat das knapp 3000 Hektar große Waldgebiet zur Arrondierung – Abrundung – gekauft: Zusammen mit einer Fläche auf mecklenburgischem Gebiet, die dem Unternehmen bereits gehört, soll ein großes Forstrevier gebildet werden: „Wir wollen eine Försterin einstellen, die die beide Flächen bewirtschaftet.“ In dem rund 3000 Hektar großen Revier sind laut Venus etwa 800 Hektar des Naturschutzgebietes „Marienfließ“ und Heide enthalten, „wo wenig Arbeiten nötig sind“. Ein Teil ist an einen Schäfer verpachtet. 2000 Hektar seien reiner Wald – „eine vernünftige Reviergröße“, findet der Geschäftsführer.

Munitionsberäumung ist abgeschlossen

In dem Areal liegen auch zwei der größten Solaranlagen Brandenburgs: Der 90 Hektar große Solarpark Jännersdorf und der 33 Hektar große Solarpark Krempendorf. „Bezüglich der Pachtverträge mit den Betreibern bleibt alles beim Alten“, so Venus. Mit Naturschutzverbänden und der Bevölkerung wolle der Forstbetrieb einvernehmlich agieren, versichert er. Alle Funktionen des Waldes sollen genutzt werden können – das gelte auch für die Erholungsfunktion: „Die Wege sind offen und stehen zur Verfügung.“ Sie waren vom Vorbesitzer von Munitionsresten beräumt worden. Weitere Auflagen bezüglich der Munitionsberäumung gebe es nicht.

Waldflecken werden von gänzlichen freien Arealen und sogar Gewässern unterbrochen

Waldflecken werden von gänzlichen freien Arealen und sogar Gewässern unterbrochen.

Quelle: Beate Vogel

Rund 640 Hektar groß war der Truppenübungsplatz – im russischen Jargon „Redlinskii“, den die Sowjetarmee seit Mitte der 1960er Jahre und bis 1992 nutzte. Durch die Jahrzehnte währende militärische Nutzung blieb – so kurios es klingt – ein weitläufiges Offenlandsystem mit mageren Sandtrockenrasen und Heiden erhalten. Wegen des hohen Naturschutzwertes ist ein Teil der Fläche – das Naturschutzgebiet „Marienfließ“ – als Gebiet entsprechend der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen.

Streit mit allen Parteien

Die Brandenburgische Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft verkaufte das knapp 3000 Hektar große und größtenteils bewaldete Areal im Juli 2003 an Hans-Dieter Böhm, den Besitzer der Lübzer Brauerei, und seinen Partner Wilfried Horn. Auflage war, ein nachhaltiges Nutzungskonzept für die Waldflächen zu erstellen. „Das klappte einige Jahre ganz gut, bis 2007 der Holzpreis rapide in die Höhe ging“, resümierte der Landesverband Brandenburg der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald auf seiner Homepage. In den nächsten zwei Jahren sei demnach auf der Fläche intensivst Holz eingeschlagen worden, teils sogar bis unter die gesetzlichen Vorgaben. Ein starker Sturm habe 2010 „die Quittung“ gebracht: Durch Windbruch entstanden Kahlflächen auf über 200 Hektar. Teils auf diesen Flächen, teils auf eigens gerodeten Arealen entstanden später die beiden Solarparks. Die Forst zeigte sich arg verstimmt.

Wegen der Munitionsbelastung hatte Eigentümer Hans-Dieter Böhm die Schilder angebracht und Wege gesperrt

Wegen der Munitionsbelastung hatte Eigentümer Hans-Dieter Böhm die Schilder angebracht und Wege gesperrt.

Quelle: Beate Vogel

Mit der Bevölkerung hatte Böhm ebenfalls Streit: Nach dem Kauf des munitionsbelasteten Geländes hatte der Waldbesitzer die Wege ins Waldgebiet mit Schranken abgeriegelt und quergepflügt. Betreten war aus seiner Sicht verboten: Das Gelände berge zu viele Gefahren. Viele Anwohner wunderte es, dass trotz dieser Gefahren mit schwerer Technik große Mengen Holz aus dem Wald geholt wurden. Erst nach jahrelangen Debatten – die Wege waren inzwischen vom Munitionsbergungsdienst beräumt – öffnete Böhm die Schranken wieder.

Von Beate Vogel

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