Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Johanni in der Prignitz

Mellen Johanni in der Prignitz

Sankt Johannis Regengüsse verderben die besten Nüsse. Glüh’n Johanniswürmchen helle, schöner Juni ist zur Stelle. Wenn sich die Glühwürmchen verstecken, wird Regen in der Früh dich wecken. Bauernregeln zum Johannistag, die früher den Alltag der Menschen bestimmten. Es gibt sogar eigene Prignitzer Regleln zum Johannistag, der am Sonnabend ist: Nur Küken, die vor Johanni schlüpfen, gedeihen auch

Voriger Artikel
Unwetter: Die Bahn kommt, aber viel zu spät
Nächster Artikel
Sirene raubt Anwohnern den Schlaf

Zerdrückt man die Blüten der Johanniskrautpflanze, tritt eine tiefviolette Farbe aus

Quelle: Kerstin Beck

Mellen. Was sind eigentlich Lostage? Gebräuchlich ist nur noch das Wort „Los“, bei dem es gilt, ein „gutes Los“ zu ziehen oder ein „glückliches Los“ – also Geschick – zu haben.

Als Lostage galten in früherer Zeit die einem bestimmten Heiligen gewidmeten Tage, die nach altem Volksglauben Vorhersagen über die Wetterverhältnisse der folgenden Wochen oder Jahreszeiten ermöglichten. Damit kam diesen Terminen eine große Bedeutung zu: Schließlich war es wichtig, die Aussaat oder die Ernte zu einem optimalen Zeitpunkt vornehmen zu können.

Der Siebenschläfertag am 27. Juni steht uns noch bevor: Nach altem Glauben soll das Wetter an diesem Tag entscheidend für die nächsten sieben Wochen sein. Regnet es am 27. Juni, so sind für die nächsten 49 Tage Niederschläge zu erwarten.

Johannistag als „Lostag“ der Landbevölkerung

Bis dahin gibt es aber bereits noch einen anderen Lostag: den „Johannistag“. Gewidmet ist dieser dem Kirchenheiligen Johannes dem Täufer, der am 24. Juni „zur Zeit des Herodes, des Königs von Judäa“, wie es bei Lukas 1,5 heißt, geboren wurde. Der jüdische Bußprediger und Wegbereiter Jesu überdeckt mit seinem Geburtsfest eine viel ältere Tradition, die mit der Christianisierung abgeschafft werden sollte: die Sonnenwendfeier.

In Mellen gab es diese Feier noch – zumindest im 1938 erschienenen ersten Band der „Wunderbaren Fahrten und Abenteuer der kleinen Dott“. Dabei sieht das Mädchen zu, wie die Erwachsenen durch das unweit des „Hünengrabes“ entfachten Johannisfeuer springen, dass jedem Springer neues Leben und Kraft spenden soll.

Im „Haus- und Lesebuch Die Prignitz“ schreibt E. Weitland vom Johannistag: „In der Prignitz konnte ich erfahren, in der Mittagsstunde sonnt der Teufel sein Geld. In der Mittagsstunde kann man auch vergrabenes Geld brennen sehen. Drei Tropfen Blut aus der Blüte des Johanniskrautes in die Wäsche getan, sollten gegen den Biss junger Hunde schützen. Die Bäuerin sonnte an diesem Tag alle ihre Leinwand und ihre Kleidungsstücke.

Kleidung sonnen sollte gegen Motten schützen

Das sollte gegen Motten schützen. Sie sammelte auch allerlei Kräuter und Blumen zur Teebereitung.“ Zu den „Blutstropfen“ des Krautes sei noch gesagt: Diese erscheinen in tiefvioletter Farbe, wenn man die Blüten zerquetscht. In Olivenöl eingelegte Blüten, die das Öl dunkelrot färben, lassen dieses zu einem probaten Mittel gegen Verbrennungen, Wunden und Narben werden.

Auch wurden Johanniskränze mit sieben verschiedenen Heilkräutern geflochten und vor die Stalltüren gehängt, damit das Vieh gesund blieb. Solche Kränze gab es auch noch vor 20 Jahren in der Lenzer Wische.

Und natürlich gibt es eine Vielzahl von Wetterregeln zu diesem Tag: Vor Johanni bitt um Regen, hernach kommt er ungelegen. Glüh’n Johanniswürmchen helle, schöner Juli ist zur Stelle. Johannis tut dem Winter wieder die Türe auf. Bis Johannes wird gepflanzt, ein Datum, das’ dir merken musst. Der Kuckuck kündet teure Zeit, wenn er nach Johanni schreit. Regnet’s am Johannistag, regnet es noch vierzehn Tag. Johanni trocken und warm, macht den Bauern nicht arm. Vor dem Johannistag man keine Gerste loben mag.

Johanniskäfer kündigen gutes Wetter an

Wenn Johanniskäfer hell leuchten im Garten, dann ist gut Wetter zu erwarten. Wenn sich die Glühwürmchen verstecken, wird Regen in der Früh dich wecken. Zeigt das Wetter um Johanni sich schön, kannst Glühwürmchen du Hochzeit feiern seh’n; doch fällt viel Regen auf dein Haus, halten wie du im Stillen sie aus. Tritt auf Johannes Regen ein, so wird der Nußwuchs nicht gedeih’n. Sankt Johannis Regengüsse verderben die besten Nüsse.

Dazu noch eine Prignitzer Regel: Nur Küken, die vor Johanni schlüpfen, gedeihen auch.

Und zuletzt noch ein völlig anderes Wort für Johannistag. Da an diesem Tag auch die Spargelsaison endet, wird der 24. Juni auch als „Spargelsilvester“ bezeichnet.

Von Kerstin Beck

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg