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Jugendamt zieht Konsequenzen

Nach dem Fall der verwahrlosten Kinder in Kuhbier Jugendamt zieht Konsequenzen

Der Fall der verwahrlosten Kinder in Kuhbier hat für Aufsehen gesorgt. Was das kreisliche Jugendamt tun kann, um solchen Vorfällen vorzubeugen, sagt Jugend- und Bildungsgeschäftsbereichsleiterin Danuta Schönhardt.

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Danuta Schönhardt

Quelle: Andreas König

Prignitz. Jugend- und Bildungsgeschäftsbereichsleiterin Danuta Schönhardt spricht mit der MAZ über den Umgang mit Kindesmissbrauch und -verwahrlosung.

MAZ: Wie viele Fälle von Kindeswohlgefährdung gab es im vergangenen Jahr und wie viele sind in diesem Jahr bekannt geworden?

Danuta Schönhardt: 2014 gab es 154 Meldungen. In 48 Fällen ist eine Kindeswohlgefährdung bestätigt worden. In 23 Fällen wurde sofort mit einem Schutzplan gearbeitet und der Verbleib der Kinder in der Familie gesichert. Insgesamt kam es zu 53 Inobhutnahmen. Dazu zählen auch Kinder und Jugendliche, die um Inobhutnahme bitten. Ebenso gehören dazu unbegleitete Minderjährige.

Was sind die häufigsten Tatbestände bei der Kindeswohlgefährdung?

Schönhardt: Die meistgenannten Anhaltspunkte sind mit jeweils fast einem Drittel aller Meldungen die Vernachlässigung (35) und der Verdacht auf Misshandlungen (21) von Kindern, gefolgt von der Verwahrlosung des Haushaltes (17).

Wie reagieren Sie, gibt es gehäufte Vorfälle in einzelnen Regionen des Kreises?

Schönhardt: In 71 Fällen wurde ein Hausbesuch innerhalb von 24 Stunden durchgeführt. Jedes Vorgehen bei Verdacht einer Kindeswohlgefährdung wird nach einer Anweisung und einem abgestimmten Verfahren geprüft. Einen lokalen Schwerpunkt im Landkreis, nach Sozialräumen, können wir nicht bestätigen.

Wächst die Zahl der Kindeswohlgefährdungen?

Schönhardt: Das kann man natürlich erst am Ende des Jahres sagen. Aber 2014 hatten wir wie erwähnt 53 Inobhutnahmen. Bis zum 1. September 2015 waren es bereits 51 Inobhutnahmen.

Was genau ist eine Inobhutnahme, wie läuft so etwas ab?

Schönhardt: Die Mitarbeiter der von uns beauftragten Einrichtung „Falkennest“ in Pritzwalk gehen den Hinweisen nach. Sie fahren in aller Regel zu zweit zu den Familien und überprüfen, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt. Ist das der Fall, ordnet das Jugendamt eine Inobhutnahme an. Kleinere Kinder kommen in der Regel in Pflegefamilien, Kinder über vier Jahre werden meist zunächst im „Falkennest“ untergebracht.

Wie lange dauert die Maßnahme?

Schönhardt: Eine Inobhutnahme endet mit Übergabe der Kinder an die Personensorgeberechtigten, wenn die gewichtigen Anhaltspunkte, die zu einer Gefährdung geführt haben, nicht mehr vorhanden sind. Die Eltern müssen mit dem Jugendamt oder anderen Institutionen an ihren Problemen arbeiten sowie Hilfen annehmen und ausschöpfen. Dies erfolgt nach tiefgründiger Prüfung und Nachprüfung eines Sozialarbeiters aus dem Allgemeinen Sozialen Dienst. Grundsätzlich ist es das natürliche Recht der Eltern und die ihnen obliegende Pflicht, ihre Kinder zu pflegen und zu erziehen.

In wie vielen Fällen ist das Kindeswohl wiederholt gefährdet?

Schönhardt: In acht Familien kam es 2015 zu mehr als einer Meldung von Kindeswohlgefährdung. Doch in keinem Fall wurde eine akute Kindeswohlgefährdung nach der Prüfung bestätigt.

Die Grenze zwischen Wachsamkeit und Denunziation ist sicher schwer zu ziehen: Wie sollen sich Nachbarn, Freunde, Verwandte verhalten, wenn sie den Verdacht auf Kindswohlgefährdung hegen?

Schönhardt: Kindesmisshandlung kann bereits dort beginnen, wo Kinder durch Strafen, Klapse, Überforderung oder Liebesentzug geschädigt werden. Erzieherinnen und Lehrer sind behördlich dazu angehalten, zu intervenieren. Aber auch das soziale Umfeld darf sich nicht darauf verlassen, dass es sich – wie oft von den misshandelnden Eltern behauptet – um Spielunfälle handelt, oder dass bereits Unterstützung für das Kind auf dem Weg ist. Im Gegenteil: Je mehr Menschen mit einer Meldung reagieren, desto hellhöriger wird eine Behörde reagieren. Daher sind wir dankbar für aufmerksame Mitmenschen, die Hinweise oder Beobachtungen haben, dass ein Kind möglicherweise gefährdet ist. Wichtig ist, dass Meldende nicht eigenmächtig handeln, sondern sich an die zuständigen Stellen wenden.

Von Andreas König

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