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Prignitz Jugendliche Flüchtlinge feiern Zuckerfest
Lokales Prignitz Jugendliche Flüchtlinge feiern Zuckerfest
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00:17 10.07.2016
Beim Zuckerfest gibt es viele köstliche Speisen. Die Gäste lassen es sich gut schmecken. Quelle: Andreas König
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Pritzwalk

Es brummt und murmelt im Speiseraum. Die Pritzwalker Versorgungsstelle für unbegleitete minderjährige Asylbewerber hat sich ein wenig in ein orientalisches Restaurant verwandelt. Die Bewohner der Einrichtung feiern Zuckerfest – das offizielle Ende des Fastenmonats Ramadan. Die Tische an der Wand biegen sich förmlich unter der Last der Köstlichkeiten, doch noch ist das Buffet nicht freigegeben.

Vertreter des Landkreises hätten mehr Gäste erwartet

Einrichtungsleiter Rico Weißer und die anderen Mitarbeiter der vormals Clearingstelle genannten Einrichtung haben neben den 20 derzeit in der Versorgungsstelle wohnenden jungen Leuten auch alle ehemaligen Bewohnern eingeladen – sofern ihr Aufenthaltsort bekannt war. „Ein bisschen mehr hätte ich schon erwartet“, sagt Bildungs-Geschäftsbereichsleiterin Danuta Schönhardt. Doch das mehr Plätze als Feiernde zur Verfügung stehen, wird gleich gar nicht mehr auffallen.

Ramadan soll vermitteln, wie sich Hunger anfühlt

In freudiger Erwartung sitzen rund 60 Gäste auf den Stühlen, zücken ihre Smartphones und fotografieren und filmen in die Runde. Dolmetscher und Koch Ahmad Wafai erklärt den deutschen Gästen die Bedeutung des Zuckerfestes. Es ist das Ende des Fastenmonats Ramadan, in dem die Muslime tagsüber nicht essen, trinken, rauchen dürfen. „Es soll den Menschen, die nicht in Armut leben, das Gefühl vermitteln, wie es ist, wenn man nicht essen und trinken kann“, sagt er. Doch mit dem Zuckerfest sind die Tage der Entbehrung vorbei.

Ein hohes Fest für Muslime

Mit dem Zuckerfest, auch Fest des Fastenbrechens oder Ramadan-Fest genannt, feiern Muslime das Ende des Fastenmonats Ramadan.

In Pritzwalk wurde das Fest mit einer Schweigeminute für die Kinder und Jugendlichen eröffnet, denen es schlechter geht.

In der Versorgungsstätte des Land­kreises Prignitz in Pritzwalk waren seit ihrer Eröffnung Ende September 2015 bisher 127 unbegleitete minderjährige Asylbewerber untergebracht. 20 von ihnen sind spurlos „abgängig“. Bis zur Volljährigkeit der Verbliebenen ist das Jugendamt des Landkreises zuständig.

20 Jugendliche befinden sich derzeit in der Versorgungsstelle. akö

Deutsch-irakisches Duett rührt zu Tränen

Da die Mehrzahl der Anwesenden aus Afghanistan stammt, wird ein traditionelles afghanisches Lied gesungen. Hussein und Said, zwei junge Männer, zeigen einen rhythmischen Schreittanz. Dann gibt es ein deutsch-irakisches Duett zwischen Carmen aus Pritzwalk und dem jungen Arschad Raschon aus dem Irak. „Ich möchte nicht weg von dir, ich möchte bleiben, ich bin verrückt nach Dir“, heißt es in dem Lied. Arschad spricht schon recht gut deutsch, aber den Text des Liedes liest er, immer wieder zur Bühne tanzend, von einem Tablet-PC ab. Es endet, indem Arschad niederkniet, und Carmen eine Blume überreicht. Einige der Zuschauer wischen sich verstohlen die Augenwinkel.

„Mama Sarah“ tanzt im traditionellen Kleid den „Attan"

Schon vorher wanderten die Blicke der Gäste immer wieder zu der Frau in dem wunderschönen bunten Kostüm. Es ist ein traditionelles afghanisches Kleid, das Sozialarbeiterin Sarah Nagel trägt. Die Flüchtlinge nennen sie meist Mama Sarah. Jetzt aber reiht sich Sarah Nagel hinter Ahmad ein, und beginnt im Kreis zu tanzen, wobei alle paar Schritte rhythmisch in die Hände geklatscht wird. „Attan“ heißt der ebenfalls afghanische Tanz. Der Reigen wird immer kleiner und verebbt plötzlich. Die Zuschauer klatschen begeistert.

Alle erhalten Unterricht

Dann dürfen sich die Jugendlichen und ihre Gäste endlich zum Buffet begeben. Unbegleitete minderjährige Asylbewerber aus Afghanistan, Syrien, Pakistan und Guinea leben derzeit in der Pritzwalker Versorgungsstelle. „Sie alle haben Unterricht“, sagt Rico Weißer. Entweder an Schulen in Pritzwalk, oder in Glöwen, oder bei der Bildungsgesellschaft in Pritzwalk.

Fazludden möchte Medizin studieren

Fazludden aus Afghanistan gehörte zu den Neuankömmlingen der ersten Stunde. Ende September vergangenen Jahres kam er in Pritz­walk an. Damals sprach er vor allem Englisch und half seinen gleichaltrigen Schicksalsgenossen als Dolmetscher. Inzwischen ist er bei einer Familie in Giesensdorf, besucht die 9. Klasse des Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasiums in Pritzwalk und ist sich ziemlich sicher, was er später einmal werden will. „Ich möchte Medizin studieren, anderen helfen“, sagt er.

Von Andreas König

Rund 3500 Gäste haben das Eltern-Kind-Zentrum Edkidz des evangelischen Pfarrsprengels Pritzwalk inzwischen besucht. Eine gute Bilanz im ersten Jahr des Bestehens, finden die Organisatoren um Björn Walther. Der 1. Geburtstag des Ekdiz soll am 16. Juli mit einer Andacht im Freien und danach jeder mit Waffeln, Eis und Würstchen vom Grill gefeiert werden.

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