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Julia Krahn krempelt Wunderblutkirche um

Bad Wilsnack Julia Krahn krempelt Wunderblutkirche um

Die in Mailand lebende Künstlerin Julia Krahn befasst sich derzeit mit der Geschichte der Wunderblutkirche und bereitet eine ganz besondere Ausstellung vor. Der Titel lautet „Figura“. Darin will die 38-Jährige unter anderem Materialien mit Kirchenbezug nutzen und sie in einem ganz anderen Kontext darstellen.

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In den Nischen des Schwibbogens baut Julia Krahn ihre Ausstellung auf.

Quelle: Andreas König

Bad Wilsnack. Die Kunst von Julia Krahn ist gleichzeitig riesig und winzig klein. Im Schwibbogen genannten Gang, der von der Bad Wilsnacker Wunderblutkirche einst zum abgebrannten Herrenhaus der Familie von Saldern führte, stehen Ziegelsteine, ein Holzkreuz, der Torso eines Apostels ohne Kopf und vieles mehr. Julia Krahn bereitet ihre Ausstellung „Figura“ vor, die am Sonnabend eröffnet wird.

Seit Februar dieses Jahres hat sich die in Italien lebende Künstlerin mit der Wunderblutkirche und ihrer wechselvollen Geschichte befasst. In vielen Gesprächen mit den Menschen aus Bad Wilsnack und Umgebung gewann sie einen Eindruck davon, was an der monumentalen Kirche wirklich wichtig ist. „Es sind die Hostien, der Kreuzgang, die Pilgerzeichen und die Fragen, die sich daraus für uns ableiten“, sagt Julia Krahn. Das klingt zunächst nicht originell, aber was sie daraus macht, ist durchaus atemberaubend.

Skulpturen aus Porzellan

„Mein Ziel ist es, dass sich die Betrachter von der Form lösen, und sie dennoch wiedererkennen“, erklärt die 38-Jährige. Das sieht dann beispielsweise so aus: Ein Kreuz, das Julia Krahn aus einer wurmstichigen Kirchenbank gesägt hat, wird in eine der Nischen des Schwibbogenganges gestellt und mit winzigen weißen Skulpturen versehen. Es sind Gebilde aus Porzellan mit runden „handschmeichelnden“ Formen, wie Julia Krahn sagt. Das können geschwungene Figuren sein, die an einen Fötus erinnern oder kugelförmige Stücke, die irgendwann ein Gesicht zu zeigen scheinen. Erst in eine Reihe gelegt, erschließt sich bei manchen Arbeiten das Motiv. „Es sind bekannte Formen, die etwas ins uns auslösen“, sagt Julia Krahn. Die Formen in der abstrakten Darstellung zu erkennen, das ist Aufgabe der Betrachter. Ihre Ausstellung nennt sie konsequenterweise Figura.

Die Installation strotzt vor Symbolik. Der Schwibbogen war einst der Gang, der den feinen Herrschaften einen bevorzugte Zugang zur Kirche ermöglichte, um den Gottesdienst von Logenplätzen aus zu verfolgen“, sagt die Künstlerin. Seit das „Schloss“ genante Gutshaus in den 1970er Jahren abgebrannt ist, endet der Gang im Nichts. „Aber er hat 14 Fenster und Nischen, genau genommen sogar vierzehneinhalb“, sagt Julia Krahn. Natürlich erinnert das an die übliche Darstellung des Kreuzweges Jesu. Und so wird der Schwibbogen zum Kreuzgang, ein Apostel zur Mutter Gottes, zwei Ziegelsteine zu Jesus und Simon, der diesem hilft, sein Kreuz zu tragen.

Bewunderung für Menschen, die glauben

Auch mit den Hostien, die ja den Grundstein zur Wunderblutlegende bildeten, hat sich Julia Krahn befasst. „Ich habe einige neue Hostien hergestellt, die allerdings nicht das alte Wilsnacker Pilgerzeichen zeigen, sondern den vitruvianischen Menschen Leonardo Da Vincis. „Bei uns in Italien ziert dieses Bild die Rückseite der „Euro-Münze“, sagt Julia Krahn. Die Hostien, die eigentlich den Leib Christi symbolisiert, wird in dieser Darstellung gleichzeitig zum Symbol für Geld. „Die Frage dahinter ist: „Was nähren wir in der Kirche, den Körper oder die Seele“, sagt die Künstlerin.

Julia Krahn mit einer der überdimensionalen Hostien

Julia Krahn mit einer der überdimensionalen Hostien.

Quelle: Andreas König

Dass bei der Kollekte in der Kirche während des Gottesdienstes Geld gesammelt wird, empfand Julia Krahn schon im Kindesalter als unpassend. „Ich bin streng katholisch aufgewachsen“, sagt die Künstlerin. Inzwischen glaubt sie nicht mehr an Gott, aber: „Ich bewundere die Menschen, die glauben können. Glaub ist etwas sehr wichtiges für die Menschen, sonst hätte er sich nicht in allen Teilen der Erde herausgebildet, wenn auch in unterschiedlichen Formen“. Daher versteht sie ihre Arbeit auch nicht als bloße Kritik an der Kirche. „Von einer Kirche, egal ob katholisch oder protestantisch geht eine unheimlich große Energie aus“, findet die Künstlerin.

Energiegeladen dürfte auch der Performance-Teil ihrer Ausstellung werden. Am 23. September ab 16 Uhr will sie zwölf ausgemusterte Kirchenbänke auf der Schlossplatte hinter der Wunderblutkirche für eine besondere Vorstellung nutzen. „Die Kirchenbänke werden umgekippt und eröffnen so einen neuen Blick gen Himmel“, sagt Julia Krahn Außerdem soll so das Innere der Kirche nach außen gekehrt werden. Bis Oktober kommt Julia Krahn noch nach Bad Wilsnack. Der Reformationstag ist der Schlusspunkt ihres Engagements.

Von Andreas König

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