Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Junge geht seit Monaten nicht zur Schule

Streit in Meyenburg eskaliert Junge geht seit Monaten nicht zur Schule

Ein Vater, der mit allen Mitteln seinem Sohn zu seinem Recht verhelfen will, eine Schulleitung, die sich zu Unrecht an den Pranger gestellt sieht, und dazwischen Eltern, Lehrer und Schüler, die sich seit Monaten mit der Sache befassen müssen: Ein gewaltsamer Zwischenfall an einer Grundschule in Prignitz hat ein nicht enden wollendes Nachspiel.

Voriger Artikel
Bombensprengung in Breese ohne große Ankündigung
Nächster Artikel
Thiel warb bei SPD um Unterstützung

Ort des Geschehens: die Geschwister-Scholl-Grundschule in Meyenburg.

Quelle: Bernd Atzenroth

Meyenburg. Es ist eine Geschichte, die Meyenburg schon seit einem Vierteljahr bewegt: Hintergrund ist eine Auseinandersetzung zwischen einem Achtjährigen und einem Siebenjährigen auf dem Gelände der Geschwister-Scholl-Grundschule im November 2016, bei dem der Ältere den Jüngeren in den Bauch getreten haben soll. Dieser Vorfall wird im Kern von niemandem bestritten – ganz anders verhält es sich mit einem zweiten Ereignis Anfang Dezember, bei dem besagter Siebenjähriger sogar kurz bewusstlos gewesen sein soll: Der Täter im ersten Fall und ein weiterer Schüler sollen ihn in der Schultoilette mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen und gewürgt haben.

Ob dem so gewesen ist, ist aber bis heute höchst umstritten. Bislang beruht die Darstellung ausschließlich auf der Aussage des Siebenjährigen, der seitdem nicht mehr in der Schule gewesen ist. Seine Eltern aber sind der festen Überzeugung, dass all dies genauso passiert ist, und fordern härtere Konsequenzen für den oder die Täter. Der Schulleitung werfen sie vor, durch unterlassene Hilfe im ersten Fall den zweiten erst ermöglicht zu haben. Vater Philipp R. hat in beiden Fällen Strafanzeige gestellt.

Diese beiden Anzeigen sind genauso unterwegs zur Staatsanwaltschaft wie eine Gegenanzeige der Mutter eines vermeintlichen Täters im zweiten Fall wegen Verleumdung, wie Dörte Röhrs von der Polizeidirektion Nord in Neuruppin bestätigte. Denn die Darstellungen von anderen Eltern, Lehrern und Kindern hinsichtlich des zweiten Vorfalls unterschieden sich diametral von der von R. und seinem Sohn – mancher bestreitet sogar, dass dieser überhaupt stattgefunden habe.

Schriftwechsel füllt einen Aktenordner

Eine befriedigende Aussprache für beide Seiten hat es bis heute nicht gegeben – während R. sagt, dass dies die Schulleitung verhindert hätte, betonte diese, dass so etwas nicht möglich gewesen sei, weil das Kind nicht in der Schule war. Auch beim einem Aussprachetermin, der im Februar doch zustande­ kam, bestanden die unterschiedlichen Darstellungen fort.

Inzwischen füllt der Schriftwechsel zwischen dem Vater und der Schule, aber auch dem Amt Meyenburg als Schulträger, dem Staatlichen Schulamt und sogar dem zuständigen Ministerium einen ganzen Aktenordner. Denn R. ist überzeugt, dass an der Schule nichts oder zumindest nicht genug getan worden ist, um seinen Sohn zu schützen. Auch gebe es keine ausreichende Prävention gegen Mobbing an der Schule. Auch den Prignitzer Kreistag hatte die Angelegenheit schon erreicht – R. hatte AfD-Kreistagsmitglied Thomas Schlaffke eingeschaltet, der dazu dann auf der Sitzung am 26. Januar eine Anfrage gestellt hatte.

Vater stellt Zusammenhang mit Inklusion her

R. hatte die Vermutung geäußert, dass der achtjährige Täter geschützt werden solle, weil es sich um einen Inklusionsschüler handele und die Schule auf die finanzielle Förderung für ihn nicht verzichten wolle. Die zuständige Vertreterin des Schulamts spielt aus seiner Sicht hier eine entscheidende Rolle, daher hat er gegen sie eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht: „Sie hat bisher erfolgreich geschafft, ein Anti-Mobbing System in der Prignitz zu verhindern“, sagt R..

Gegen all dies verwahren sich aber wiederum die Schulleitung und auch viele Eltern der Schule. Es stimme nicht, dass nichts unternommen worden sei, betonen Schulleiterin Margit Strüfing und ihre Stellvertreterin Annett Schröder im Gespräch mit der MAZ. Der Achtjährige sei zum Beispiel für den Tritt in den Bauch des Siebenjährigen nicht nur mit einem Schulverweis, sondern auch mit einer anderen Strafe, Fußballverbot, belegt worden. Um einen Inklusionsschüler handele es sich keineswegs, und ohnehin bekomme die Schule keinerlei Förderung für Inklusion. Auch in der Schule habe man sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Zur Aufarbeitung sei zum Beispiel mit allen Eltern der betroffenen Klassen gesprochen worden. Jede 3. Klasse durchlaufe ein Anti-Mobbing-Training.

Wie es weitergehen soll, ist noch unklar: Diskutiert wird, das siebenjährige Opfer und den Täter im ersten Fall in unterschiedlichen Klassen unterzubringen, sobald der Siebenjährige wieder die Schule besucht – umstritten ist aber, welcher der beiden die Klasse wechseln soll.

„Ich kenne unsere Schulleitung als fair“

Vollends vergiftet scheint die Atmosphäre, seit sich R. nicht nur an die MAZ, sondern auch an überregionale Medien gewandt hatte. Seit einer Veröffentlichung in der Bild-Zeitung hat R. offenbar große Teile der Elternschaft, auch die der Klasse seines Sohnes, gegen sich, die sich mit ihrer Schule und der Schulleitung solidarisieren. Wie er selbst, so wandten sich auch diese an die MAZ. Denn sie haben nicht nur Angst um ihre Kinder, die mittlerweile samt und sonders im Bann der Auseinandersetzung stehen, sondern auch vor R., der seit dem Vorfall zunächst ständig auf dem Schulhof Kinder angesprochen oder sogar gepackt haben soll, bis er einen Schulverweis erhielt – R. bestreitet dies jedoch. Ihre Schulleitung nehmen die Eltern aber gegen jegliche Vorwürfe in Schutz. „Ich kenne unsere Schulleitung als fair und weiß genau, dass sie generell stets deeskalierend unterwegs ist“, äußert eine Mutter, „bei den Kindern ist unsere Schulleitung dafür sehr beliebt.“

Gewalt ist nicht zu bagatellisieren

„Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich glaube, dass meinem Kind Unrecht widerfährt“, kommentierte Meyenburgs Amtsdirektor Matthias Habermann das Verhalten von R., das er aber dennoch nicht nachvollziehen kann. „Verstehen könnte ich es nur, wenn die Schule wirklich nichts getan hätte.“

Immerhin in einem sind sich alle Beteiligten einig: Gewalt an Schulen, zumal zwischen solch jungen Schülern, ist nicht zu bagatellisieren. Sie wird im übrigen auch von anderen Schulen aus der Region gemeldet. Allerdings glaubt Polizeisprecherin Dörte Röhrs nicht, dass derlei häufiger vorkommt als früher. „Heute wird es aber eher zur Anzeige gebracht“, schildert sie ihre Erfahrung.

Von Bernd Atzenroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz
fc5d6dfc-f246-11e7-8014-111f668204de
Perleberg damals und heute

Perleberg ist eine traditionsreiche Stadt, die 2014 ihre 775-Jahr-Feier hatte. Tradition hat Perleberg auch als Kreisstadt – seit 200 Jahren ist sie bereits Verwaltungssitz, und dank der Absage der Kreisgebietsreform wird sie das auch weiter bleiben. Die Stadt konnte sich viel von ihrer Altstadtsubstanz bewahren – viel davon ist seit der Wende wieder richtig schick geworden. Hier ein paar Vergleiche, wie sich die Stadt entwickelt hat.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg