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Prignitz Jungs fahren im Trecker zum Gymnasium
Lokales Prignitz Jungs fahren im Trecker zum Gymnasium
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02:15 03.07.2017
Christopher Jarzebski (r.) und Marcus Meine aus Bergsoll bei Meyenburg fahren neuerdings mit ihren ZT-Traktoren zum Gymnasium. Quelle: Andreas König
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Bergsoll/Pritzwalk

Dass dieser (Chaos-)Tage öfter mal ein Traktor mit ausgelassen feiernden Schülern durch Pritzwalk rollt, daran hat man sich fast schon gewöhnt. Aber wenn zwei im Vergleich selbst zu den größten Geländewagen riesige ZT-Traktoren auf dem Parkplatz des Johan-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasiums stehen, ist das schon ungewöhnlich.

Christoper und Marcus kennen sich seit dem Kindergarten

Doch für Christopher Jarzebski und Marcus Meine aus Bergsoll gehört der Umgang mit den Landmaschinen zum Alltag. Er ist zugleich eines ihrer liebsten Hobbys. Die beiden kennen sich seit Kindergartentagen und besuchen nun dieselbe Schule, wenn Marcus auch bereits in der 11. Klasse ist und Christopher noch in der 10. Die beiden Traktoren vom Typ Fortschritt ZT (die Abkürzung steht für Zugtraktor) stammen aus Schönebeck bei Magdeburg, wo sie bis zur Wende in großen Stückzahlen vom Band liefen. Marcus’ blauer Trecker ist 1969 gebaut worden, Christophs roter Traktor stammt aus dem Jahr 1975. Marcus Meine ist mit seinem ZT am ersten Tag des zu Ende gehende Schuljahres erstmals zum Unterricht gefahren. Bei Christopher ist das seit Freitag erstmals möglich, denn er hat erfolgreich seine Fahrschulprüfung bestanden.

Mit dem Schnuller auf Opas Traktor

„Ich bin schon mit dem Schnuller im Mund auf dem Trecker von meinem Opa mitgefahren“, sagt Marcus Meine. Bei der ersten Ausfahrt zur Kartoffelernte geschah dann das Malheur. Dem kleinen Jungen fiel vor Schreck der Schnuller in den Häcksler, was ihm den Ausruf „Opa, mein Nuckel“ entlockte. Die Familie besitzt etwas Wald, bei dessen Bewirtschaftung sich der ZT sehr gut einsetzen lässt.

Verein soll „Kinder der Technik“ heißen

Fast noch liebe als Treckerfahren ist den beiden Gymnasiasten das Schrauben an den Großfahrzeugen. Zu diesem Zweck möchten sie sich mit Gleichgesinnten in einem Verein zusammentun. Treffpunkt ist die elterliche Werkstatt von Christopher. „Acht Interessenten sind wir schon“, sagt Christopher Jarzebski. Und auch einen Vereinsnamen haben sich die Tüftler bereits ausgedacht: „Kinder der Technik“ soll ihr Zusammenschluss heißen. „Es sind ja fast alles DDR-Landmaschinen, die noch immer funktionieren“, sagt Marcus Meine. „Mitmachen kann jeder, der Spaß am Schrauben hat.“ Etwas technisches Verständnis sollten potenzielle Mitstreiter jedoch mitbringen.

Ersatzteile sind heutzutage kein Problem mehr

Apropos Technik: Während es früher mitunter sehr schwierig war, Ersatzteile für die ZT-Traktoren zu bekommen, ist das heute kein Problem mehr. „Wir sind auf Teilemärkten unterwegs und bei Treckertreffen wie dem in Kuhsdorf“., erzählt Marcus Miene. „Da kriegt man eigentlich alles, was gebraucht wird.“ Dass sie sich für Oldtimer-Technik entschieden haben, hat auch finanzielle Gründe. „Die neuen Traktoren kann man ja nicht bezahlen“, sagt Marcus Miene mit Kennermine. Da sie ihre Schätzchen von den Eltern bekommen haben, fällt die Anschaffung nicht so ins Gewicht. Allerdings sind die Kraftstoffkosten auch nicht von Pappe. Zwar verfügt ein ZT über einen 120 -Liter-Tank, doch kommt man damit nicht so furchtbar weit. 300Kilometer etwa.

Manche finden es cool, manche verrückt

Während manche Mitschüler bereits in stattlichen Karossen zum Unterricht vorfahren. legen die beiden Jungs aus Bergsoll darauf gar keinen so großen Wert. Bei ihren Mitschülern in Pritzwalk sorgen die ungewöhnlichen Fortbewegungsmittel für gemischte Reaktionen. „Die einen finden es cool, die anderen sagen, wir spinnen doch“, fasst es Christopher Jarzebski zusammen.

Beruflich gehen die beiden andere Wege

Trotz des für Gymnasiasten gar nicht mal so typischen Interesses für Landtechnik wollen die beiden Trecker-Liebhaber ihre berufliche Zukunft in anderen Branchen finden. Christopher plant, ein Fachabitur abzulegen und Maschinenbau zu studieren, Marcus will zur Bundesweh gehen. „Fahrzeuginstandhaltung ist ja auch dort ein großes Thema“, sagt er überzeugt.

Von Andreas König

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