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KTG-Betriebe werden umgekrempelt

Putlitz KTG-Betriebe werden umgekrempelt

Vor gut vier Wochen hat die Gustav-Zech-Stiftung den Landwirtschaftsbereich der KTG-Agrar aus der Insolvenzmasse übernommen. Zunächst gab es eine Finanzspritze, nun werden Böden analysiert und die Geschäfte umstrukturiert: Auf den Höfen soll niemand entlassen werden.

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Die Zech-Stiftung als Familienstiftung will die Arbeit auf den ehemaligen KTG-Höfen strukturiert wieder in Gang bringen.

Quelle: Christian Schmettow

Putlitz. Unter desaströsen Umständen hatten die Landwirtschaftsbetriebe in den Wochen und Monaten vor der Insolvenz der KTG-Agrar AG gearbeitet: Pflanzenschutzmittel konnten nicht mehr beschafft werden, weil die Lieferanten keine mehr brachten, Löhne wurden teilweise nicht bezahlt. Lohnunternehmen waren nicht mehr bereit, für die KTG zu arbeiten. Die Dieseltanks der Landwirtschaftsgeräte blieben leer, wegen Treibstoffmangels konnte die Ernte kaum noch eingebracht werden.

Vor gut vier Wochen dann war klar: Die Gustav-Zech-Stiftung würde die Agrargeschäfte der KTG aus der Insolvenzmasse herauskaufen. Kaum hatte die Familienstiftung die Geschäfte übernommen, wurden zunächst 20 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um den Landwirtschaftsbetrieb wieder zum Laufen zu bringen. Inzwischen sind die Agraraktivitäten unter einer neuen Dachgesellschaft zusammengefasst worden, der Deutschen Agrarholding.

Bestandsaufnahme und Analyse

„Bestandsaufnahme und Analyse“ standen zuerst auf deren Arbeitsprogramm. Und die ist zunächst erschreckend ausgefallen, sagt Felix Colsman, Geschäftsführer der neuen Gesellschaft. Er musste sich sofort mit der restlichen Ernte auseinandersetzen: „Auf manchen Flächen stand das Unkraut höher als die Feldfrucht“, sagt Felix Colsman, „manche Schläge konnten nur noch untergepflügt werden, das hat so manchem Landwirt im Betrieb die Tränen ins Auge getrieben.“ Recht massiv ist die Zech-Stiftung dann auch in den Betrieb eingestiegen: 20 Millionen Euro stellte sie sofort zur Verfügung.

Im Gegensatz dazu, dass auch in den letzten Monaten vor der KTG-Pleite immer noch von „riesigen stillen Reserven“ die Rede war, die vor allem aus Flächenbesitz bestehe, gehörte der KTG mit wenigen hundert Hektar nur noch ein ganz geringer Teil der Landwirtschaftsflächen. Die meisten waren verkauft und zurückgepachtet worden. In diese Pachtverträge ist nun die Zech-Stiftung mit der Agrarholding eingetreten. Colsman: „Und wir wollen langfristig gute Beziehungen zu den Verpächtern haben.“ Ohnehin sei man eine Familienstiftung – was auch bedeute: „Wir wollen die Böden gut pflegen.“

Nährstoffbilanz wird überprüft

Zu den ersten Maßnahmen gehöre demzufolge auch, zunächst zu prüfen, in welchem Zustand die Böden sind. „Die Nährstoffbilanz muss stimmen“, sagt Colsman, „auch wenn Gärreste aus Biogasanlagen gute Dünger sind, eignen sie sich nicht für alle Zwecke. Wo nötig, wurde der ph-Wert mit Kalk reguliert. Der Phosphorhaushalt wird überprüft.“ Ob es – wie bei der KTG üblich – zwei Saaten in einem Jahr auf dem gleichen Feld geben wird, kann Felix Colsman heute noch nicht sagen. Er ist aber skeptisch – wegen des heimischen Klimas. Über den Winter wurden nun die meisten Böden mit einer Begrünung versehen: „Wir sind ja auch noch bei der Detailanalyse.“

Bereits heute allerdings sichert Colsman zu: „Von den Leuten in den Landwirtschaftsbetrieben wird kein einziger entlassen.“ Stattdessen soll auf den Höfen ein Kulturwandel stattfinden. Hatten bisher alle Betriebsteile streng hierarchisch ihre Anweisungen „von oben“ erhalten, will die Zech-Stiftung mit ihrer Agrarholding genau das aufbrechen. Die einzelnen Landwirtschaftsbetriebe werden als Gesellschaften erhalten bleiben, die Betriebsleiter sollen mehr Kompetenzen bekommen, sagt Felix Colsman.

„Wir machen vor allem klassische Landwirtschaft. Aber die Betriebsleiter sollen auch die Möglichkeit haben, hier und dort Experimente zu machen, wie etwa Kürbisanbau im Spreewald, der in der Region, in der Gurken angebaut werden, auch hervorragend hinpasst.“ Mais für Biogasanlagen soll nur in dem Umfang gepflanzt werden, wie er sich mit der Fruchtfolge verträgt.

Verantwortung wird in die Betriebe verlagert

Die höhere Verantwortung der einzelnen Betriebe für ihre Landwirtschaftsaktivitäten wird dagegen in der Verwaltungszentrale in Oranienburg deutlich werden – die soll verschlankt werden, Entlassungen sind dort nicht ausgeschlossen.

In der Zentrale waren bereits direkt nach der Übernahme der Geschäfte durch die Zech-Stiftung die Ereignisse nach MAZ-Informationen eskaliert, als ein ehemaliges Aufsichtsratsmitglied einen völligen Aussetzer bekommen hatte: Offenbar, nachdem sich dessen Unternehmensanteile als mehr oder weniger wertlos herausgestellt hatten, hatte es in der Zentrale Computertechnik und andere Büroeinrichtung herumgeworfen und zerstört und völlig außer sich auf einen Tisch uriniert – anschließend war es mit einem Porsche davongefahren.

In der deutschen Agrarholding soll eine völlig neue Unternehmenskultur herrschen, sagt Colsman: „Wir möchten mit allen unseren Partnern wie den Verpächtern und den Lohnunternehmen gut zusammenarbeiten. Die Mitarbeiter werden in diesen Tagen ebenfalls über unsere neuen Strukturen informiert.“ Arbeit liegt noch eine Menge vor den neuen Eigentümern – etwa die Neuanschaffung der meisten Landwirtschaftsmaschinen: „Für die waren ja kaum noch Ersatzteile gekauft worden.“

Von Claudia Bihler

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