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Kämpferin gegen den Stress

Wenn Lehrer lernen Kämpferin gegen den Stress

Eine starke Persönlichkeit ist für Pädagogen die Basis für eine erfolgreiche Arbeit mit Kindern, sagt Helle Jensen. Die dänische Familientherapeutin und Buchautorin leitete am Donnerstag an der Evangelischen Gemeinschaftsschule in Heiligengrabe einen Workshop für Lehrkräfte.

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Helle Jensen mit Gunar Rihn, der die Gesamtleitung der Evangelischen Gemeinschaftsschule in Heiligengrabe inne hat.

Quelle: Björn Wagener

Heiligengrabe. Eine starke Persönlichkeit ist für Pädagogen die Basis für eine erfolgreiche Arbeit mit Kindern, sagt Helle Jensen. Die dänische Familientherapeutin und Buchautorin gab am Donnerstag in der Evangelischen Gemeinschaftsschule in Heiligengrabe ihre Erfahrungen an Lehrkräfte und Erzieher weiter.


MAZ:
Sind heutzutage schon Kinder im Stress?

Helle Jensen: Ja, die Anforderungen steigen. Untersuchungen in Schweden haben gezeigt, dass schon Kinder in der 4. oder 5. Klasse den Leistungsdruck deutlich spüren. Es ist auch in unserer Kultur verankert, dass von jedem verlangt wird, perfekt zu sein. Außerdem bringt das Internet mit Smartphones, I-Pads und alldem sehr viele Impulse hervor, die dazu führen, dass es Kindern zunehmend schwer fällt, sich zu konzentrieren und zu fokussieren. Allerdings wird der Umgang mit der Technik inzwischen entspannter, weil er nicht mehr so neu ist. Dennoch ist es wichtig, ein Lernumfeld zu schaffen, das den Kindern hilft, ganz bei sich zu sein und sich selbst wieder mehr wahrzunehmen.

Wie kann man das erreichen?

Helle Jensen: Sehr wichtig sind die Beziehungen zwischen Lehrern und Kindern. Der Lehrer sollte seine ganze Persönlichkeit einsetzen, um den Unterricht zu gestalten und vor allem authentisch sein. Kinder hören nur zu, wenn eine Autorität hinter dem Lehrer zu spüren ist. Dabei meine ich aber keine altmodische Autorität, sondern die Stärke auf persönlicher Ebene. Es geht um Respekt und Toleranz zwischen Lehrern und Schülern, aber auch zwischen den Schülern untereinander. Das ist die Basis für das, worum es in der Schule geht – das Lernen. Dabei sollte eine entspannte Konzentration herrschen. Und ein Kind kann sich nur entspannen, wenn es keine Angst vor dem Lehrer hat.

Darum ging es ja auch bei Ihrem Vortrag am Dienstag mit anschließendem mehrtägigen Seminar und Workshop, an dem rund 20 Pädagogen und Erzieher aus der Region teilnahmen. Wie haben Sie die Kursteilnehmer erlebt?

Helle Jensen: Ich habe einen sehr guten Eindruck von ihnen gewonnen. Wir haben viele praktische Übungen gemacht, die wir auch in Dänemark schon mit Kindern und Lehrern praktiziert haben. Im Vordergrund steht dabei immer das Entwickeln von Achtsamkeit und Empathie. Denn der Umgang miteinander ist das Wichtigste im Schulalltag, auch wenn eine gute technische Ausstattung der Schule natürlich ebenfalls von großer Bedeutung ist.

Gibt es Unterschiede in der Herangehensweise in Schulen in Dänemark und Deutschland?

Helle Jensen: Generell nicht. Ich arbeite viel in Deutschland, und ich sehe, dass die Herausforderungen in der Arbeit mit Kindern in den unterschiedlichen europäischen Ländern doch sehr ähnlich sind. In Dänemark ist die Kommunikationstechnik an den Schulen noch präsenter. Die Schüler dort nutzen etwa I-Pads und I-Phones für den Unterricht, aber auch für viele andere Sachen. Gerade deshalb ist es so wichtig, mit Fokussierung zu arbeiten. Denn die mobile Vernetzung ist vorhanden und wird bleiben. Ich bin auch schon Lehrern begegnet, die Stunden eingerichtet haben, in denen es keine elektronischen Geräte gibt. Das ist für alle sehr erholsam. Es macht etwas mit dem Lernumfeld.

Worin sehen Sie die größten Gefahren?

Helle Jensen: Gefährlich wird es, wenn Kinder keinen Kontakt mehr zu Menschen haben, weil sie sich nur noch mit dem I-Pad beschäftigen. Es schadet ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung. Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder dadurch die Fähigkeit verlieren, ihre Aufmerksamkeit willentlich zu steuern und zu fokussieren.

Von Björn Wagener

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