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Prignitz Kampfkunst mit integrativem Charakter
Lokales Prignitz Kampfkunst mit integrativem Charakter
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00:17 06.08.2016
Beim Üben mit dem Langstock folgen die Kämpferinnen ganz bestimmten Bewegungsabläufen, die ihnen die Trainerin vorher zeigt. Quelle: Beate Vogel
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Preddöhl/Gerdshagen

„Atme durch die Nase ein und aus. Lausche in die Ferne.“ Ruhig leitet Mascha Rohner die Aufwärmphase ein. Dann ist Elastizität gefragt: „Gehe in den Vierfüßerstand, lass den Bauchnabel zu Boden fallen und zur Decke kreisen.“ Bei der nächsten Übung wird gekichert: Hände und Füße am Boden, den Po in die Luft: „Und jetzt mit dem Po einen Kreis an die Decke malen“, sagt die Trainerin.

Mascha Rohner ist eine von vier Trainerinnen, die beim 4. Preddöhler Frauen-Kampfkunst-Sommer des Vereins Preddöhl International (PI) ihre Kunst an die Teilnehmerinnen weitergeben. „Die Jüngste ist 17, die Älteste wird nächsten Monat 70“, weiß Ute Pemöller von PI. Die Frauen kommen für eine Woche hartes Training aus ganz Deutschland, aber auch aus Norwegen, Spanien oder Holland. „Einige sind auch aus der Region“, so Pemöller. Vormittags gibt es zwei Einheiten, nachmittags meist eine. Trainiert wird in der Mehrzweckhalle in Gerdshagen, zum Beispiel Tritt-Training bei Li Schlüter, Karate bei Lydia Lang von PI, Freikampf bei Birgit Tönnies oder eben Langstock bei Mascha Rohner. Alle sind sie Meisterinnen ihres Fachs, haben mehrere Gürtel.

Sieht einfach aus, ist aber kompliziert

Mascha Rohner macht jetzt mit den Frauen Stockübungen. Locker zeigt sie die Abläufe, schwingt den Langstock über die Schulter, wechselt die Hände, beugt und streckt sich. „Links vor, schlage zum Knie, Daumen nachschieben, wechsle in die linke Hand, mache den Stock lang und gehe einen Schritt zurück.“ Nicht allen gelingt es, ihr zu folgen. Sieht einfach aus. Ist aber mindestens so kompliziert wie Tangoschritte. Später lassen die Sportlerinnen die Stöcke gegen den der Gegnerin knallen. Manche der Frauen sind geistig behindert, eine hat das Down-Syndrom. Eine Sonderbehandlung bekommen sie aber nicht: „Wir arbeiten mit unserer Karateschule von Anfang an integrativ“, erklärt Ute Pemöller. Sie hält nichts davon, Menschen mit Behinderungen in einer „Parallelwelt“ unterzubringen.

Lydia Zijdel hebelt ihre Gegnerin mit einem geschmeidigen Griff einfach aus. Quelle: Beate Vogel

Das sieht auch Lydia Zijdel so. Die 65-Jährige hat drei Schwarze Gürtel in Aikido und drei in Karate. Sie ist auf ihrem Gebiet eine Koryphäe, hat Selbstverteidigung für Behinderte entwickelt. Seit sie mit 32 Jahren einen Autounfall hatte, sitzt Lydia Zijdel im Rollstuhl. Das hat ihr Leben geändert, sagt die Niederländerin – und zwar nicht nur körperlich. „Ich hatte eine Karriere vor mir. Aber das war nicht mehr meine Zukunft.“ Sie wurde Aktivistin in der Frauen- und Behindertenbewegung, war Präsidentin der Europäischen Frauenlobby. Und verschrieb sich dem Kampfsport. Lange hat sie in Deutschland unterrichtet, dann überall in Europa. „Jetzt war ich viel in Entwicklungsländern unterwegs“, erzählt sie. Das sei aber nur ein Hobby, „ich könnte 80 Stunden pro Woche arbeiten, ich habe viel Energie“.

Klassenfahrten und Gruppenreisen

Der Verein Preddöhl International bietet unter anderem Kurse zur Entspannung, Gewaltprävention oder Stressbewältigung, aber auch Selbstbehauptung, Selbstvereidigung und Kampfkunst. Auf dem Hof gibt es eine Schlittenhundmeute, Pferde und Ponys und allerlei Tiere zum Knuddeln.

Geeignet sind die Angebote zum Beispiel für Klassenfahrten, Gruppenreisen oder Kindergeburtstage.

Karatekurse gibt PI zum Beispiel über den Pritzwalker Sportverein SV Drehscheibe. Dort sind noch Plätze frei.

Infos über www.preddoehl-international.de oder www.sv-drehscheibe.de.

Selbst in Deutschland werde den Behinderten zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, findet Zijdel. Weltweit finde immer noch ein selektives Denken statt, nicht so wie unter dem Dach des Nationalsozialismus – aber „zum Beispiel bei der Möglichkeit, dass man Kinder mit Down-Syndrom nicht zur Welt kommen lässt.“ Vielleicht sage das ja irgendwann auch jemand über Menschen mit Querschnittslähmung. „Obwohl ihr ja einen Minister habt, der behindert ist“, sagt sie. Der müsse sich aber immer beweisen, fast so wie Frauen in der Berufswelt. Beweisen muss sich Lydia Zijdel in ihrer Kunst nicht mehr. Locker holt sie ihre Gegnerin mit einer geschmeidigen Handbewegung von den Füßen, hebelt sie aus.

In der Gruppe, die Mascha Rohner an den Langstöcken trainiert hat, war der Unterschied zwischen den Teilnehmerinnen jedenfalls kaum zu merken. Zum Abschluss wird gedehnt. Das kann die eine so gut oder schlecht wie die andere.

Von Beate Vogel

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