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Kein "Hauptgewinn" bei der "Sondershow"

Mitarbeiter des Pritzwalker Gewerbeamtes verhinderten eine nicht angemeldete Verkaufsveranstaltung Kein "Hauptgewinn" bei der "Sondershow"

Die Diskussion war kurz und intensiv - und hatte letztlich für die Mitarbeiter des Pritzwalker Gewerbeamtes den gewünschten Erfolg. In einer Gaststätte im Stadtgebiet sollte am MIttwoch eine behördlich nicht angemeldete Verkaufsveranstaltung stattfinden.

Pritzwalk. Auf Nachfrage vor Ort wurde diese vom mutmaßlichen Veranstalter als Informationsveranstaltung ausgelegt: "Wir informieren unsere Club-Mitglieder über neue Produkte." Nach dem Vorzeigen einiger Dokumente meldete sich eine Frau aus Blumenthal (Gemeinde Heiligengrabe) zu Wort: "In der Einladung wurde mir der Gewinn des Hauptpreises zugesagt, den möchte ich jetzt abholen."

Zu diesem Zeitpunkt waren bereits einige weitere "Club-Mitglieder" anwesend, die auf den Beginn der laut Anschreiben "einmaligen Sonderveranstaltung" warteten. "Wir setzen auf Transparenz!", steht in der Einladung, und weiter: "Auf uns können Sie sich verlassen!" Aussagen wie diese werden von der Firma offenbar häufiger benutzt, im Internet finden sich dazu jedenfalls Hinweise auf diversen Seiten zum Thema Verbraucherschutz. "Trotzdem gehen immer noch Bürger auf diese Angebote ein", sagen die Mitarbeiter des Pritzwalker Gewerbeamtes. Genau deshalb sollen solche Veranstaltungen verhindert werden. Doch das gestaltet sich in der Praxis nicht gerade einfach. Für fast keine Veranstaltung liegt eine Anmeldung vor. Angemietet werden meist Gaststätten, die sich dadurch Einnahmen erhoffen. "Wir haben alle Betreiber vor einiger Zeit gebeten, uns über solche Anfragen zu informieren", heißt es aus dem Gewerbeamt, "nur leider wird das kaum getan."

Die Dunkelziffer solcher Veranstaltungen ist nach Einschätzung der Verwaltungsangestellten extrem hoch. Nur durch Hinweise aus der Bevölkerung - so wie im Fall am Mittwoch - ist es möglich, die Angelegenheit auf Recht und Ordnung zu prüfen. In den seltensten Fällen erhalten die Gäste wirklich die versprochenen Gewinne oder Geschenke. Vielmehr werden sie durch geschickte Vorträge oft zum Kauf von meist überteuerten Produkten genötigt. "Ich wusste, wie sowas abläuft, wollte es mir aber gern mal selbst ansehen", sagte die junge Frau aus Blumenthal. Sie selbst sei bereits im Juni dieses Jahres von der Firma angeschrieben worden: "Da wurde mir mitgeteilt, dass ich einen Fernseher gewonnen habe. Leider hatte ich keine Zeit, den auch abzuholen."

In der Einladung für die gestrige Veranstaltung in Pritzwalk wurde dann ein "Hauptgewinn" versprochen, der während der "Sondershow" übergeben werden sollte. Doch dazu kam es nicht. Die ständigen Nachfragen der Mitarbeiter des Gewerbeamtes und auch der Frau aus Blumenthal führten kurzzeitig zu lauten Diskussionen, ehe der Veranstalter die "Sondershow" abbrach, noch bevor sie eigentlich begonnen hatte. "Das war eigentlich gleich klar. So etwas läuft immer nach dem selben Schema ab", beurteilten die Verwaltungsmitarbeiter das Vorgehen.

Die wenigen "Club-Mitglieder" mussten also auf ihre Gewinne verzichten. Die versprochene Verpflegung zum Preis von drei Euro entfiel ebenfalls - letztlich zahlten die Anwesenden ihren Kaffee selbst. Ihre drei Euro konnten sie aber trotzdem loswerden - dafür wurden auf dem Parkplatz aus einem Lieferwagen dann Präsente verteilt.

Darauf verzichtete die Frau aus Blumenthal allerdings. Ebenso würde sie gern auch auf weitere Einladungen der Firma verzichten: "Ich weiß nichtmal, woher die meine Adresse haben", sagte sie, "wahrscheinlich wurde ich ausgewählt, weil ich einen eher altmodischen Vornamen habe." Der sei allerdings nicht korrekt geschrieben worden, fügte sie an. Ihre Einladung hatte der mutmaßliche Veranstalter dann gestern gleich einbehalten.

Bereits vor einigen Wochen hatte das Gewerbeamt der Stadt Pritzwalk eine Warnung vor unseriösen Verkaufsveranstaltungen herausgegeben, um die Bürger vor dieser Art der Abzocke zu schützen (die MAZ berichtete). "Das Problem ist: Wir sind immer die Bösen", sagen die zuständigen Mitarbeiter der Stadtverwaltung, "denn wir bringen nicht nur die Gaststätten und Firmen um ihre Einnahmen - auch die Besucher freuen sich ja auf eine schöne Veranstaltung." Da es die in der Regel aber nie gibt, hoffen die Verantwortlichen des Gewerbeamtes weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung: "Wer so ein Schreiben bekommt, sollte sich einfach bei uns melden."

Von Jean Dibbert

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