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Prignitz Kinder durchtränkt: Glück im Unglück
Lokales Prignitz Kinder durchtränkt: Glück im Unglück
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21:30 11.05.2016
Radweg und Straße zwischen Pritzwalk und Giesensdorf sind stark befahren. Für die beiden Jungen ist dies der Schulweg. Quelle: Atzenroth
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Pritzwalk

Es war wohl das Glück der beiden 12– und 15-jährigen Jungen, dass sie beide Brillenträger sind. So bekamen sie am Dienstagmorgen kein Dipel ES in die Augen. Auf dem Radweg zwischen Giesensdorf und Pritzwalk war das Mittel, mit dem der Eichenprozessionsspinner bekämpft werden soll, gegen 7.30 Uhr genau über den Brüdern abgelassen worden, als sie gerade dort Richtung Schule unterwegs waren – die Hubschrauberbesatzung dürfte nicht einmal bemerkt haben, dass ihre Fracht Menschen getroffen hatte, und flog weiter.

Landkreis: „Folgen sollten nicht dramatisiert werden“

Dorit Groß, die Mutter der beiden, hatte ihre Kinder sofort in die Notaufnahme ins Krankenhaus gebracht. Dort waren sie auf eventuelle Auswirkungen des Schädlingsbekämpfungsmittels hin untersucht worden – zum Glück gab es zunächst keinen positiven Befund. Die Mutter kündigte an, dennoch die ganze Sache weiter zu beobachten. Sie geht übrigens davon aus, dass es auch weitere Betroffene geben muss. „Die sind über die Straße geflogen und haben dort die Baumreihe besprüht, und da waren ja auch andere Menschen unterwegs.“

Der Landkreis bedauerte den Vorfall, doch eine Gefährdung der Gesundheit sei mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen. „So traurig die Sache auch ist, so sollten die Folgen doch nicht dramatisiert werden“, erklärte Jan Waldmann aus dem Gesundheitsamt. Zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners werde wie schon in der Vorjahren Dipel ES eingesetzt. „Allergische Reaktionen auf dieses Mittel sind nicht bekannt“, erklärte Jan Waldmann. Der Mitarbeiter des Gesundheitsamtes erklärte, Dipel ES werde nicht konzentriert gesprüht, sondern in einer verdünnten Lösung.

Giftige Wirkung erst im Verdauungstrakt der Raupen

Zu den Schutzvorkehrungen werde in der Anweisung zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners auf einen Abstand von 50 Metern zu Flächen angeben, auf denen etwa Kinder spielen. Wenn aber doch Menschen mit dem Mittel besprüht werden, sollen sie ihre Kleidung waschen und sich duschen. Das ist eine Sicherheitsvorkehrung.

Jan Waldmann verwies darauf, dass Dipel ES seit drei Jahren eingesetzt werde in der Prignitz und darüber hinaus in Brandenburg, aber auch in den Nachbarbundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Es sei nicht ein Fall bekannt, dass Menschen nach dem Kontakt mit dem Mittel Pusteln, Rötungen der Haut oder Entzündungen der Schleimhaut aufwiesen. Bei Dipel ES, das im Handel frei verkäuflich ist, handele es sich nicht um ein Kontaktgift, wie Jan Waldmann erklärte. Erst nach der Nahrungsaufnahme entwickele es im Verdauungstrakt der Raupen seine giftige Wirkung. Er verwies darauf, dass eine gesundheitliche Gefährdung vielmehr von den Brennhaaren der Eichenprozessionsspinner ausgehen, die gerade mit dem Mittel bekämpft werden. Wer Fragen habe könne sich direkt an ihn wenden unter 03876/71 3 5 04.

Von Bernd Atzenroth und Michael Beeskow

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