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Kirchenbild zeigt satanische Trauung

Mittelalterliche Malerei in Rohlsdorf Kirchenbild zeigt satanische Trauung

Eine stark sexualisierte Darstellung einer satanischen Hochzeit zeigt die mittelalterliche Malerei unter der Empore in der Rohlsdorfer Kirche. Hexe und Teufel geben sich das Ja-Wort – getraut von Luzifer, dem gefallenen Engel. Während der Renovierung der Kirche hat der Diplomrestaurator André Streich das Bild restauriert.

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Jahrhundertealte Fresken in der Kirche von Rohlsdorf: Hexe und Teufel (l.) werden von Luzifer (r.) getraut.

Quelle: Beate Vogel

Rohlsdorf. Hochzeiten in Kirchen sind nichts Ungewöhnliches. Weniger alltäglich ist es, wenn sich in einer Kirche die Darstellung der Eheschließung zwischen Hexe und Teufel findet, noch dazu in obszöner Form. Eine solche Malerei gibt es in der mittelalterlichen Kirche in Rohlsdorf (Amt Meyenburg).

Das einfache Gemälde aus dem Ende des 15. Jahrhunderts zeigt eine diabolische, dämonische oder satanische Hochzeit. Links sitzt eine Hexe mit großem Busen auf einem Hocker, dahinter schwebt der Teufel mit erhobener Männlichkeit. Gegenüber sitzt oder steht Luzifer, der gefallene Engel und Fürst der Finsternis, der die Trauung vornehmen soll. Er will sich das Licht aus einer geöffneten Laterne holen, aber es entweicht. Das Licht – deutlich in Gelb dargestellt – bedeutet Hoffnung.

Luzifers Gesicht ist bis auf ein Auge und die Nase nicht zu sehen: Die Fläche wurde in der Vergangenheit mit Zementputz ausgebessert, so dass die Malerei verloren ist. Die Darstellung der Dämonen sollte vermutlich abschreckende Wirkung haben für die Menschen des 15. Jahrhunderts, die noch gefangen waren in Ängsten vor Unerklärbarem.

Der massive Turm der Rohlsdorfer Kirche

Der massive Turm der Rohlsdorfer Kirche.

Quelle: Bernd Atzenroth

Sichtbar wurde die historische Putzmalerei schon vor 20 Jahren, als infolge von Schäden am Dach Regenwasser eindrang und die Bilder unter der Empore frei spülte. Als im vergangenen Jahr das Fundament der Feldsteinkirche trockengelegt wurde, begleitete André Streich, Diplomrestaurator für Wandmalereien, das Projekt über ein halbes Jahr und restaurierte auch die Malerei.

Streich hat nachgewiesen, dass einst die gesamte Kirche mit Malereien ausgefüllt war. Nur die Ostwand habe keine Fresken, da die ursprüngliche Wand 1882 wegen der Vergrößerung der Kirche weggerissen wurde. „Wir sehen ja leider nur einen Ausschnitt und wissen nicht, wie der Gesamtzusammenhang aussieht.“ Deshalb sei die inhaltliche Einordnung der Darstellung schwierig. Vielleicht stellten die Bilder eine hoffnungsvolle Geschichte dar, die den Menschen Vertrauen in ihr Leben und den Glauben gab. Es sei nun aber nicht geplant, die restlichen Malereien in der Rohlsdorfer Kirche freizulegen. Als äußerst selten würde Restaurator Streich die Abbildung nicht einstufen, obwohl er kein Fachmann auf diesem Gebiet ist, wie er sagt: „Im Vergleich zu anderen Kirchen ist diese Ausmalung nicht unbedingt typisch. Aber gewisse Parallelen gibt es zum Beispiel in der Kirche in Demerthin.“ Wobei diese eine andere Darstellung aus einer anderen Zeit zeige.

Hella Dibbert begrüßte bei der Neujahrswanderung die Besucher in der Rohlsdorfer Kirche

Hella Dibbert begrüßte bei der Neujahrswanderung die Besucher in der Rohlsdorfer Kirche.

Quelle: Bernd Atzenroth

Das Bild habe aber durchaus einen großen kulturhistorischen Wert, ist die Gemeindekirchenrätin Hella Dibbert überzeugt. Sie ist froh, dass die Kirche nun renoviert ist. Erst am vergangenen Wochenende hatte sie den Bau bei der Neujahrswanderung der Gemeinde Halenbeck-Rohlsdorf vorgestellt. Dank einer Spende der Agrargenossenschaft Halenbeck konnte die kleine Kirche im vergangenen Jahr renoviert werden. Geld kam außerdem vom Denkmalschutz, der Kommune, dem Kirchenkreis und der Kirchengemeinde.

Als Kulisse für Eheschließungen wird der Feldsteinbau auch in diesem Jahr wieder genutzt: „Im vergangenen Jahr hatten wir sieben Hochzeiten. Dieses Jahr sind 14 vorgesehen, davon aber nur eine kirchliche“, sagt Hella Dibbert.

Von Beate Vogel

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