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Kirchenkreis setzt auf Elektroautos in Wittstock

Der Umwelt zuliebe Kirchenkreis setzt auf Elektroautos in Wittstock

Der evangelische Kirchenkreis Wittstock-Ruppin ist seit März mit einem Elektroauto unterwegs. Obwohl die Anschaffung nicht billig war, hält Pfarrer und Fahrer Nicolai Jünger das Geld für gut angelegt – in den Umweltschutz und in die langfristige Energie-- und Geldersparnis. Kommunale Verwaltungen in Ostprignitz-Ruppin wollen es der Kirche nun gleichtun.

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Zehn bis zwölf Stunden Ladezeit benötigt das Auto an der normalen Steckdose. Bei Tempo 90 kommt Nicolai Jünger damit 250 Kilometer weit.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Nach knapp zwölf Stunden Ladezeit entfernt Pfarrer Nicolai Jünger das Stromkabel aus dem Elektroauto. Der Wagen ist nun voll aufgeladen. „An der Haussteckdose dauert das so lange“, sagt er. Bei einer Starkstromzufuhr über eine „Wallbox“ genannte Ladestation benötige das Fahrzeug nur die Hälfte der Zeit. „Die wollen wir uns jetzt anschaffen“, so der Pfarrer.

Nicolai Jünger zeigt Ingeborg Ruge die technischen Finessen des Autos

Nicolai Jünger zeigt Ingeborg Ruge die technischen Finessen des Autos.

Quelle: Christian Bark

Das Elektroauto, mit dem Nicolai Jünger gleich von der Superindentur in Wittstock nach Sewekow fahren wird, ist seit März in Besitz des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin. Genutzt wird es von Nicolai Jünger und seiner Frau Linda, die ebenfalls als Pfarrerin arbeitet, sowie vom Superintendenten Matthias Puppe. Die Anschaffung des 30 000 Euro teuren Gefährts war und ist nicht ganz unumstritten in einigen Gemeinden, wie Nicolai Jünger bemerkt. „Von dem Geld hätten Kirchenfenster ausgebessert werden können“, gibt der Pfarrer die Hinweise einzelner Kritiker wieder. Doch Jünger ist fest davon überzeugt, dass das Geld gut investiert wurde – auch in den Umweltschutz. „Die vielen gefahrenen Kilometer im letzten Jahr rechtfertigen ein so schadstoffarmes Fahrzeug“, sagt er. Bisher hätten er und seine Frau die Strecken mit dem Privatwagen zurücklegen müssen – einem Benziner. In etwa acht Jahren haben sich die Kosten nach Einschätzung Matthias Puppes amortisiert – auch umwelttechnisch. „Denn die Produktion erforderte schließlich auch Schadstoffausstoß“, bemerkt Nicolai Jünger.

Auf dem Navi sind die nächsten Ladestadtionen aufgelistet

Auf dem Navi sind die nächsten Ladestadtionen aufgelistet.

Quelle: Christian Bark

Er startet den Wagen, das Fahrzeug ist kaum zu hören. „Da muss man schon aufpassen, dass einen vorausfahrende Radler auch hören“, sagt der Pfarrer. Ansonsten fahre sich das Auto aber hervorragend. Bei Tempo 90 würde Jünger mit der Stromladung etwa 250 Kilometer weit kommen. Auf dem Navigationssystem sind naheliegende Stromtankstellen ausgewiesen, notfalls holt aber eine kleine Solaranlage auf dem Dach noch einige Volt heraus. Ein Stromkabel hat Nicolai Jünger auch im Kofferraum, wie er, in Sewekow angekommen, zeigt. Dort holt er bei der Kirchenältesten Ingeborg Ruge die Kirchenbücher für die Gemeinde Dranser Land ab. Ingeborg Ruge hatte sie bisher gepflegt, jetzt sollen sie in der Superindentur zentral verwahrt und fortgeführt werden, sagt Nicolai Jünger.

Auf dem Autodach gibt es sogar eine kleine Solaranlage

Auf dem Autodach gibt es sogar eine kleine Solaranlage.

Quelle: Christian Bark

Das rote Elektroauto weckt auch Ingeborg Ruges Neugierde. Nicolai Jünger zeigt ihr die Automatikgangschaltung, den Motorraum, den nur noch ein Fachmann reparieren könnte, und lädt die Kirchenälteste auf eine kurze Spritztour die Straße runter ein. „Das Elektroauto der Kirche ist ein guter Anfang für den Umweltschutz“, sagt sie. Der Kirchenkreis könne sogar noch mehr tun, wie Nicolai Jünger sagt. Zum Beispiel mit Solarplatten auf den Kirch- oder Pfarrhausdächern. Das verbiete allerdings oft der Denkmalschutz, und ziegelrote Solarmodule gebe es seines Wissens nach nicht oder sie wären sehr teuer. Auf dem Dach des Kreisverwaltungsgebäudes in der Neustädter Straße in Neuruppin erzeugt hingegen eine Photovoltaikanlage Strom. Noch in diesem Jahr erfolgen dort Maßnahmen zur energetischen Sanierung, wie die Umrüstung von Beleuchtungsanlagen, die Erneuerung oder Umrüstung Heizungsanlagen sowie Wärmedämmung in Schul- und Verwaltungsgebäuden, teilt eine Sprecherin der Kreises mit. Im IT- Bereich gebe es modernere und sparsamere Technik, die Zahl der Drucker sei seit 2013 deutlich reduziert worden. Im Fuhrpark will der Landkreis Ostprignitz-Ruppin auch umweltfreundlicher werden. „Die Beschaffung von zwei Elektroautos ist für das Jahr 2017 im Haushalt enthalten“, sagt die Sprecherin.

Auch die Stadt Neuruppin soll Ende des Jahres über ein Elektroauto verfügen, kündigt eine Stadtsprecherin an. Seit 2014 sei bereits ein Hybridauto Erdgas/Benzin im Einsatz. Zudem würden die elf Dienstfahrräder rege genutzt. Beim Netzbetrieb der Neuruppiner Stadtwerke sind mehrere Elektro-Werkstattwagen im Einsatz.

Von Christian Bark

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