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Prignitz Kittelschürzen-Duo mit Biss in Perleberg
Lokales Prignitz Kittelschürzen-Duo mit Biss in Perleberg
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00:23 09.12.2015
Nehmen kein Blatt vor den Mund: Ilse und Margarete. Quelle: Jens Wegner
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Perleberg

„Hier fehlt ’ne Schraube”, bemerkte Daniela Dörfel alias Margarete, als sie ihren etwas wackeligen Stuhl untersuchte. „Die Möbel hier sind ja auch schon hundert Jahre alt. Fast so alt wie du”, antwortete ihr Chady Seubert als Ilse bissig. Ilse und Margarete, die beiden Alten, traten am Freitag im Perleberger Café 2910 am Großen Markt auf und begeisterten rund 20 Gäste.

Gekonnt ironisch reagierten sie schon am Anfang, als ein Gast ihre Kittelschürzen lobte. Das seien Kleider, betonten sie – das sei Design! „Wenn ick erst in Wallung komme, zieh’ ick mir aus. Denn kannste sehen, wat für’n Kleid dit is”, antwortete Margarete fast beiläufig. Durch ihre Auftritte und politischen Gespräche – beispielsweise mit dem Ministerpräsidenten Dietmar Woidke – sind sie längst über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt. Nun präsentieren sie sich musikalisch mit ihrem Programm „Lyrische Musike”. Mit „gut gemachtem Dilettantismus mit Tiefsinn und garantierten Ohrwürmern” wurde in der Ankündigung nicht zu viel versprochen. Allerliebst und bissig äußerten sich die beiden Urgesteine musikalisch. Immer mit einem Plausch verbunden, denn die Damen lieben kontroverse und aufreibende Themen. Dabei ging es um Liebe und Vergänglichkeit, aber auch um die Autobahn oder die industrielle Landwirtschaft. Das Metronom tickte noch – aber die Gäste applaudierten schon. „In der Prignitz wird immer öfter zu früh geklatscht”, lautete nur ein Kommentar über die schnelle Zustimmung mancher lokalpolitischer Lösungsvorschläge. Ilse und Margarete forderten auf, mehr zu hinterfragen und gegebenenfalls zu widersprechen.

„Wir sind jetzt auch im Filmgeschäft: 322 Klicks hatte unser Video bei Youtube schon”, freute sich Ilse. Das sei zwar nicht so viel wie die eine Million Klicks anderer Beiträge. „Dafür sind aber alle 322 Klicks von unseren Freunden.” Ulmen sterben langsam aus, lautete eine Botschaft. Der Ulmen-Tanz, bei dem alle Gäste aufgefordert waren mitzumachen, läutete deshalb die Pause des knapp zweistündigen Programms ein.

Der Ulmen-Tanz: symbolisches Hin-und-her-wiegen wie die Bäume. Quelle: Jens Wegner

Von Jens Wegner

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