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Klares Nein zu Gewalt an Frauen

Fahnenaktion in Perleberg Klares Nein zu Gewalt an Frauen

Die Gewalt an jungen Mädchen und Frauen ist weltweit sehr hoch. Auch Prignitzerinnen beteiligten sich am Mittwoch an der Fahnenaktion von Terre des Femmes, um Solidarität zu bekunden und zugleich in der Region die Menschen zu sensibilisieren. Eine große Zahl an Frauen und Kindern suchen jährlich im Frauenhaus in Wittenberge eine Zuflucht.

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Fahnenaktion vor der Perleberger Stadtverwaltung mit Annett Jura (r.) und Renate Röder (2.v.r.)

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. Frei leben – ohne Gewalt. In großer Schrift stehen die Worte auf der Fahne, die am Mittwoch vor der Perleberger Stadtverwaltung an der Karl-Liebknecht-Straße gehisst wurde. Weltweit wehten 60 000 dieser Banner zum Aktionstag von Terre des Femmes, der Menschenrechtsorganisation, die ein Nein zu Gewalt an Mädchen und Frauen fordert.

„Die Gewalt an jungen Mädchen und Frauen ist sehr hoch“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte in der Rolandstadt, Renate Röder. Sie denke an die vielen Mädchen, die auch in Deutschland zu Frühchen gezwungen werden. „Was wird aus diesen jungen Mädchen“, fragte sie. Nach einem Fernsehbericht sollen unter den Migrantinnen 30 Prozent minderjährige Mädchen zwangsverheiratet sein, obwohl das Mindestheiratsalter von 18 Jahren gilt. Mit Zustimmung des Familiengerichts können jedoch schon 16-Jährige heiraten. Oft werden Minderjährige im Rahmen religiöser oder sozialer Vereinbarungen verheiratet, die in traditionellen Familien den gleichen Stellenwert haben wie eine standesamtlich geschlossene Ehe.

Renate Röder ist allerdings kein derartiger Fall in der Prignitz bekannt. Allerdings räumte sie ein, Migrantinnen seien vielleicht noch zu wenig mit den Betreuungsangeboten im Landkreis vertraut. Dass Frauen bei Gewalt außerhalb der Familie Beratung und Schutz suchen, ist für Migrantinnen mitunter nicht vorstellbar.

Beratung in 138 Fällen von Gewalt

Bürgermeisterin Annett Jura sagte: „Wir dürfen nicht locker lassen, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht.“ Doch die Gewalt nehme zu. So werden weltweit 14,2 Millionen Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Es gehe aber auch um Bildungschancen für Frauen. Daher sei es wichtig, Solidarität mit Frauen weltweit zu üben. Doch darüber dürfe nicht vergessen werden, dass es auch in der Region Gewalt gegen Frauen gibt.

„Es geht uns auch darum zu sensibilisieren“, sagte Annett Jura. Jeder sollte die Augen auch in seiner Umgebung offen halten, und auf das achten, was Kinder sagen. Denn bei häuslicher Gewalt gebe es ein hohe Dunkelziffer.

„Es ist wichtig, dass es die Stelle einer Gleichstellungsbeauftragten gibt“, äußerte sich Renate Röder. Dies sei eine neutrale Stelle, an die sich jeder von Gewalt Betroffene wenden könne. „Die Beratung ist völlig anonym“, erklärte die Gleichstellungsbeauftragte. Aber nicht nur Frauen kommen in die Beratung, es gibt auch Männer, die unter häuslicher Gewalt leiden. Dass Gewalt gegen Frauen in der Region überhaupt kein Randproblem ist, zeige sich an der Arbeit des Frauenhauses in Wittenberge. Es ist das einzige in der Prignitz und für den ganzen Landkreis zuständig. Im Vorjahr fanden hier 44 Frauen mit 72 Kindern eine Zuflucht. In 138 Fällen berieten die Mitarbeiter von Gewalt betroffene Frauen. In diesem Jahren waren es bis September 34 Frauen und 58 Kinder, die dort Schutz fanden. Das Frauenhaus bietet auch eine mobile Betreuung im Raum Pritz­walk. Beraten wird an einem neu­tralen Ort oder auch in der Wohnung der Hilfesuchenden. Notfallkarten liegen etwa in der Pritz­walker Polizeiwache aus.

An der Finanzierung beteiligen sich neben dem Landkreis Prignitz die Städte Wittenberge, Pritzwalk und Perleberg sowie das Amt Bad Wilsnack/Weisen und die Gemeinde Karstädt. Dies ist eine Ergänzung zu den Landesmitteln.

Von Michael Beeskow

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