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Prignitz Konferenz gegen Hochwasser-Demenz
Lokales Prignitz Konferenz gegen Hochwasser-Demenz
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16:36 04.01.2018
Elbehochwasser 2013 in der Prignitz: Die Elbstraße in Wittenberge stand trotz Sandsäcken bereits unter Wasser. Diese Schwachstelle ist auch heute noch nicht beseitigt. Quelle: Andreas König
Wittenberge

Hochwasser gehört zum Leben in der Elbtalaue. Doch wenn es so monströse Formen annimmt wie beim „Jahrhunderthochwasser“ 2002 oder der noch höheren Elbeflut 2013, ist guter Rat teuer. Das bisher stärkste Hochwasser hat die Politik zum Handeln gezwungen. Das wurde bei einer regionalen Hochwasserschutzkonferenz am Dienstagabend in Wittenberge deutlich.

Nicht nur, dass der Schutz vor Überschwemmungen im Land Brandenburg mit vielerlei Maßnahmen verbessert wurde und wird, auch die Bundesregierung hat mittlerweile einen nationalen Hochwasserschutzplan aufgestellt, in dem natürlich die Elbe und damit auch ihr Prignitzer Abschnitt eine Rolle spielt.

Bislang Ruhe an der Elbe

„Der Hochwasserschutz stützt sich auf ein ganzes Bündel von Maßnahmen“, sagte Matthias Grafe vom Landesamt für Umwelt. Das reiche von baulichen Vorkehrungen zum Hochwasserschutz wie dem Deichbau, über den Schutz einzelner Gebäude bis hin zum Wasserrückhalt oder der sogenannten Verhaltensvorsorge der in den Risikogebieten lebenden Menschen.

Zwar herrscht seit dem Hochwassersommer 2013 Ruhe an der Elbe, doch die ist nicht nur trügerisch, sondern sogar gefährlich. „Viele haben vergessen, in was für einer Situation wir uns 2013 befanden“, sagte Bernd Lindow, Sachbereichsleiter. „Als wir in diesem Sommer etwas höhere Wasserstände an der Stepenitz hatten, forderten einige Bürger von uns ernsthaft, wir sollten das Regenrückhaltebecken in Perleberg benutzen, um Gärten und Grundstücke in Perleberg zu schützen“, berichtete Bernd Lindow. „Das können wir nicht, da sich das Becken bei bestimmten Wasserständen von selbst füllt.“ Seine Behörde habe bei einigen Bürgern und Institutionen eine „Hochwasserdemenz“ ausgemacht. „Damit meine ich, dass wichtige Erkenntnisse aus den Hochwasserereignissen der vergangenen Jahre vergessen wurden“, sagte Bernd Lindow. Konferenzen wie die in Wittenberge trügen dazu bei, dem kollektiven Gedächtnis wieder auf die Sprünge zu helfen.

Möglichkeiten der gezielten Flutung

Inzwischen gibt es sehr detailliertes Kartenmaterial, das die Auswirkungen verschiedener Hochwasserereignisse bis auf einzelne Straßenzüge genau zeigt, berichtetet Matthias Grafe. Allerdings sei es schwierig, das tatsächliche Gefährdungspotenzial abzulesen, wenn die Rechenmodelle das Vorhandensein sämtlicher Hochwasserschutzanlagen ausblenden, wandte der Wittenberger Bauamtsleiter Martin Hahn ein. „Die Leute werden beunruhigt, obwohl sie nicht im unmittelbaren Gefahrenbereich leben“, sagte er. Die jetzige Berechnung und Darstellung sei gesetzlich so geregelt, entgegnete Nicole Marquardt von Landesamt für Umwelt.

Robert Wenzel vom Landesamt für Umwelt informierte über die Möglichkeiten, die sich aus der gezielten Flutung von bestimmten Gebieten ergeben. „2013 trugen zwei Ereignisse zur maßgeblichen Kappung des Hochwasserscheitels und damit zur Rettung der Stadt Wittenberge bei“, sagt er. Das sei zum einen das Öffnen des Wehrs Neuwerben und die Flutung der Havelpolder gewesen, zum anderen der Deichbruch bei Fischbeck. „Ohne die beiden Ereignisse hätte die Scheitelhöhe in Wittenberge mindestens 8,45 Meter betragen.“

Deutlich besserer Hochwasserschutz als vor vier Jahren

Inzwischen laufen Untersuchungen, ob die Flutung der Havelpolder im Falle des Falles besser zu gestalten wäre. Während ähnliche Untersuchungen für die Lenzerwische bereits laufen und dort eine „geringe Betroffenheit“ herrsche, was mögliche Überflutungen angeht, sehe die Sache für die Karthane-Niederung anders aus. Auch dieses Gebiet ließe sich im Falle eines Extremhochwassers fluten, um den Hochwasserscheitel zu kappen. Doch seien die Folgen dort sehr viel gravierender., „Wir untersuchen gerade, wie schmerzhaft, oder anderes gesagt wie teuer es würde, die Karthane- Niederung zu fluten, um die Stadt Wittenberge zu entlasten“, sagte Robert Wenzel. Problematisch sei unter anderem, dass der Bahndamm der Strecke Berlin-Hamburg in diesem Fall als Deich fungieren müsste. Immerhin 20 bis 30 Zentimeter Scheitelabsenkung seien drin, wenn die Karthane-Niederung genutzt würde.

Einen deutlich besseren Hochwasserschutz als vor vier Jahren konstatierte mit Thomas Kuss der vierte Referent des Landesamtes für Umwelt. 98,5 Prozent der Prignitzer Elbdeiche – insgesamt 75,34 Kilometer – seien mittlerweile saniert. Die fehlenden Abschnitte sollen in den nächsten Jahren hergerichtet werden, sagte Thomas Kuss. Allerdings beziehen sich diese Angaben auf das „alte“ Bemessungshochwasser von 7,45 Meter am Pegel Wittenberge. Legt man den neuen Bemessungswert von 7,99 Metern zu Grunde, sieht die Situation deutlich anders aus: „Dafür sind bisher in der Prignitz lediglich 24,6 Prozent der Deiche ertüchtigt“, sagte der Vertreter des Umweltamtes. Wann der Rest gebaut wird, sei offen.

Von Andreas König

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