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Prignitz Konrad Weiß im Perleberger Judenhof
Lokales Prignitz Konrad Weiß im Perleberger Judenhof
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00:17 09.06.2016
Ein Stück moderne Architektur ist mit dem Mehrzweckgebäude im Judenhof entstanden. Quelle: Michael Beeskow
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Perleberg

„Das soll eine Informations- und Begegnungsstätte sein.“ Hartmut Schneider, Vorsitzender des Perleberger Kulturvereins, wies bei der ersten öffentlichen Veranstaltung im Judenhof noch einmal darauf hin, was mit diesem neuen und sehr modern wirkenden Gebäude beabsichtigt ist. Das lange Miteinander von Juden und Deutschen soll an diesem Ort das Thema sein: „Und wir wollen auch die positiven Seiten dieses Miteinanders sehen.“ Ein Schwerpunkt wird die Arbeit mit der Jugend sein.

Doch bevor Hartmut Schneider diese Worte an der neuen Begegnungsstätte sprechen, den Bürgerrechtler Konrad Weiß und viele andere Gäste begrüßen konnte, mussten erst einmal zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden. Denn die Veranstalter hatten mit einem solchen Besucherandrang nicht gerechnet. Der Vortragsraum, der im nächsten Jahr durch eine Ausstellung ausgestaltet sein soll, war hoffnungslos überfüllt. Auch Architekt Stefan Kunzemann ließ es sich nicht nehmen, zugegen zu sein.

Rainer Meißle, der maßgeblich das Projekt Judenhof geprägt hat, übernahm die Moderation an diesem Abend. Er stellte den Bürgerrechtler und Filmemacher vor und diskutierte mit ihm über ein bis heute nicht wirklich aufgearbeitetes Thema: Antisemitismus in der DDR. Der Filmemacher, Jahrgang 1942, berichtete, über welche persönlichen Erfahrungen in der DDR er auf dieses Thema gestoßen ist. Aufmerksam habe ihn ein Erlebnis 1964 gemacht, als er in einer Fahrradgruppe der Aktion Sühnezeichen nach Auschwitz fahren wollte, um dort Gebäudereste des Vernichtungslager freizulegen. Der Grenzübertritt nach Polen wurde den Jugendlichen untersagt mit der offiziellen Begründung: „Das brauchen wir nicht. Schließlich haben wir die Oder-Neiße-Friedensgrenze.“ Wie Konrad Weiß berichtete, hatte es nach dem Zweiten Weltkrieg viele Juden eher in die DDR als in die BRD gezogen, weil sie sich im antifaschistischen Staat besser aufgehoben glaubten.

Konrad Weiß (l.) im Gespräch mit Rainer Meißle. Quelle: Michael Beeskow

Mitte der 1950er Jahre wurden die Juden aber massiv von den DDR-Behörden bedrängt. Gemeindebüros wurden durchsucht, Gemeindevorsteher verhaftet. Daraufhin verließen 20 000 Juden die DDR in Richtung Westen. Zufällig stieß er auf eine massive Ungleichbehandlung. In der VVN, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, habe ein Zwei-Klassen-System bestanden: die Kämpfer und die Opfer, die eine weitaus geringere Rente bekamen. Dazu gehörten die Juden. Die DDR hatte sich auf die Seite der Sieger geschlagen, erklärte Konrad Weiß. Eine Schuld oder eine Verantwortung gegenüber jüdischen Opfern wurde bestritten. Vehement verweigerte die DDR Entschädigungszahlungen. Das SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ sprach von „Verschleuderung von Volksvermögen“, berichtete Konrad Weiß. Den Judenhof bezeichnete er als „wunderbares Projekt“, das auch viele junge Menschen anziehe.

Bürgermeisterin Annett Jura sprach von einem tollen Auftakt mit Konrad Weiß. Sie dankte Hartmut Schneider und Rainer Meißle für ihren Einsatz, dass dieser Ort in Perleberg entstanden ist. Die offizielle Eröffnung folge aber erst 2017, wenn alles fertig ist.

„Wir sind noch nicht am Ziel“, hatte auch Hartmut Schneider erklärt. Gemeinsam mit dem Brandenburger Kulturbund, deren Geschäftsführerin Carla Villwock zur Eröffnung gekommen war, erfolgt nun die Innenausgestaltung mit zwei Ausstellungsbereichen. Doch eines konnte Hartmut Schneider an diesem Abend mit Gewissheit sagen: „Das ist eine Perle geworden.“

Großer Besucherandrang im neuen Gebäude. Quelle: Michael Beeskow

Von Michael Beeskow

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